Campus Galli startet in die neue Saison

Lesedauer: 4 Min
Archäometallurge Bastian Asmus (links liegend) wird am 27. April eine mittelalterliche Bronzeglocke gießen.
Archäometallurge Bastian Asmus (links liegend) wird am 27. April eine mittelalterliche Bronzeglocke gießen. (Foto: Archiv: Sebastian Musolf)
Schwäbische Zeitung

Zum Start der Osterferien in Baden-Württemberg öffnet der Campus Galli am Samstag, 24. März, seine Tore. Das Projekt geht in die sechste Saison, in der es auf der Mittelalter-Baustelle durch vieler Hände Arbeit weiter vorangehen soll. Dieses Jahr wird als Saisonziel die 95 000-Besucher-Marke angepeilt. Im vergangenen Jahr kamen fast 80  000 Gäste.

„Das Areal um die Obstgartenmauer und den Gemüsegarten ist einer der Schwerpunkte 2018“, sagt der Geschäftsführer Hannes Napierala. Der Obstgarten erhält einen Torbogen als Eingang, für den der Steinmetz zu Saisonbeginn die Steine behauen wird. Dieser frei stehende Torbogen, für dessen Bau die Zimmermänner ein spezielles Holzgerüst fertigen müssen, ist eine Premiere und damit eine neue Herausforderung für die Handwerker. „Das spätere Großkloster wird einmal eine Vielzahl solcher Arkaden besitzen“, sagt Napierala.

Der Gemüsegarten ist bereits weitgehend fertig und die Beete werden in den ersten Tagen der Saison zum Einsäen vorbereitet. „Hier kann dann tatsächlich genau das gesät werden, was vor 1200 Jahren auf der Insel Reichenau im Klosterplan beschrieben wurde, in genau jener Anordnung wie im Klosterplan. „Näher kann man der Vergangenheit kaum kommen“, sagt der Geschäftsführer. Im Klosterplan sind zwei Reihen mit jeweils neun Beeten eingezeichnet. Es werden Zwiebelgewächse und auch heute noch beliebte Kräuter wie Sellerie, Petersilie, Koriander, Kerbel, Dill und Bohnenkraut sowie Mohn angebaut. Zu den Gemüsearten zählen Salate, Rettiche, Pastinaken und Kohl.

Neben den Gärten entsteht ab diesem Jahr auch eine große strohgedeckte Scheune. Die Baufreigabe steht noch aus. Napierala geht davon aus, dass es in wenigen Wochen soweit sein wird. Durch die Scheune werde eine Ecke des Klosterplans von St. Gallen sehr gut im Gelände sichtbar. „Der zweite Schwerpunkt ist weiterhin die Holzkirche, deren Innenausbau schon weit vorangeschritten ist“, fügt Napierala an. „Das Licht und die Chorschranken im Innern der Holzkirche haben bereits im vergangenen Jahr bei vielen Besuchern für Bewunderung gesorgt.“ Im Außenbereich soll der Seiteneingang überdacht werden. Und sollte es mit dem Guss einer mittelalterlichen Glocke am Freitag, 27. April, klappen, wird eventuell noch ein kleiner Turm gebaut, um die Glocke dort aufzuhängen. Der Archäometallurge Bastian Asmus hatte bereits in der Vergangenheit versucht, auf dem Gelände eine mittelalterliche Bronzeglocke zu gießen. Zweimal scheiterte das Vorhaben, dieses Jahr soll es gelingen, hoffen die Verantwortlichen.

Zudem sind Bauarbeiten bei der Infrastruktur der Klosterstadt erfolgt. So wurden zusätzliche Toiletten errichtet. Und der Parkplatz wird um rund 50 Prozent der Fläche erweitert. Die Arbeiten dort sind fast beendet. Neben all diesen größeren Bauprojekten und einigen kleineren, gilt es auch, den „mittelalterlichen Alltag“ zu bewältigen, berichtet Napierala: Der Acker muss bestellt, die Tiere gefüttert und die Kleidung genäht werden. „Den Mitarbeitern des Klosterstadt-Projekts wird es jedenfalls nicht langweilig werden.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen