Zwick und Cisek werben um Wähler

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 Bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in der Stadthalle Meßkirch gibt etliche kritische Bürger, die nachfragen.
Bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in der Stadthalle Meßkirch gibt etliche kritische Bürger, die nachfragen. (Foto: Laura Keiß)
Redakteur Sigmaringen

Die beiden Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Meßkirch haben sich am Donnerstagabend in der Stadthalle der Bevölkerung vorgestellt. Der Amtsinhaber Arne Zwick tritt zum dritten Mal für diesen Posten an. Als neue Bewerberin hat Anna Cisek, Wirtschaftsfachwirtin und Gymnastiklehrerin, zu den Meßkirchern gesprochen. Beide Kandidaten hatten für ihre Vorstellung jeweils 45 Minuten Zeit, in denen auch Fragen der Bevölkerung beantwortet wurden.

Der 47-jährige Amtsinhaber stellte seine Bewerbung unter das Motto „Miteinander erfolgreich auf Kurs“ und skizzierte die Entwicklung der Stadt seit seinem Amtsantritt im Jahr 2002. Er habe damals das Rathaus in einer schwierigen Situation der Stadt übernommen: Die Finanzlage war sehr schlecht, die Abwasserentsorgung war unzulänglich, die Bürgerhäuser in den Ortsteilen marode, die Innenstadtsanierung noch nicht begonnen und das renovierte Schloss ein fast lebloser Prachtbau. „Diese schlechte Situation haben wir gemeinsam gemeistert, zusammen mit dem Gemeinderat, den Mitarbeitern und dem Engagement der Bürger“, sagt er und legte eine weitere Betonung auf das „Wir“. Er habe bei Konfliktthemen wie dem Krematorium oder der Unterstützung von Campus Galli versucht, „ausgewogene Kompromisse zu finden“. Die Stadt sei inzwischen für die Zukunft gerüstet, der Haushalt sei praktisch schuldenfrei.

Zwick verwies auf zentrale Punkte seiner künftigen Arbeit. Nach fertiger Erschließung des Industrieparks Nördlicher Bodensee beginnen jetzt die Verhandlungen mit ansiedlungswilligen Unternehmen, von denen man sich auch neue Arbeitsplätze erhofft. Die Glasfaseranschlüsse für die Breitbandverkabelung werden weiter vorangetrieben, der Anschluss der Gewerbebetriebe sei fast abgeschlossen. „Bei den Glasfaserkabeln müssen wir für die Zukunft am Ball bleiben, unterstrich er. Ein wichtiges Thema sind auch die Kindergärten. Für sieben Kindergartengruppen müssen optimale Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Generalsanierung und Erweiterung des Rathauses um das ehemalige Hotel Löwen steht ebenfalls an. Dringend notwendig ist angesichts zunehmender Unwetter ein Starkregenrisikomanagement, das künftige Überschwemmungen verhindern soll. Die Innenstadtsanierung geht weiter. Dank Fördergeldern in Höhe von 60 Prozent könne man alle geplanten Projekte angehen. „Bei Fördergeldern bin ich gewissermaßen ein Trüffelschwein“, bezeichnete Zwick eines seiner Talente.

Eine Übernahme der Ablachtalbahn durch die öffentliche Hand will Zwick vorantreiben. Damit verbunden sei eine Förderung des Tourismus. Vor dem Hintergrund steigender Besucherzahlen auf dem Campus Galli und damit verbunden in der Stadt soll auf dem Hauptbühl ein Hotel mit fantastischem Panoramablick auf die Stadt entstehen. Es werde ein attraktiver Wohnmobilstellplatz eingerichtet. Das alles und vieles andere brauche natürlich seine Zeit, aber die Weichen seien gestellt und er erwarte gute und gedeihliche Jahre, betonte Zwick.

Fragen der Bürger bezogen sich unter anderem auf den Flächenverbrauch durch Bautätigkeit und Bodenversiegelung. Hier erklärte Zwick, dass die Stadt nur begrenzt eingreifen könne und überdies die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen nicht behindert werden dürfe. Ein zugezogene ältere Dame wollte wissen, was die Stadt für die Nahversorgung der überwiegend älteren Bevölkerung am Ziegelbühl und besonders im Bernhard-Welte-Weg unternehmen könne. Hier erklärte Zwick, dass an neue Geschäfte nicht zu denken sei, man aber vielleicht einen Einkaufsbus organisieren könne. Auf die Frage, ob Ortsvorsteher noch zeitgemäß seien, reagierte Zwick, indem er unter dem Beifall der Zuhörer eine Lanze für die Ortschaftsverwaltungen brach.

Die Gegenkandidatin

Die 40-jährige Kandidatin Anna Cisek betonte, sie sei sich im Klaren darüber, dass sie keine klassische Bürgermeisterkandidatin sei, da sie nicht aus der Kommunalverwaltung komme. Nach einer Schilderung ihres Werdegangs – sie kam als Zwölfjährige als Spätaussiedlerin mit ihren Eltern nach Deutschland – erläuterte sie aber, dass sie als Firmenchefin und Personalleiterin durchaus Erfahrungen in Organisation und Mitarbeiterführung habe.

Cisek ist vor zwei Jahren zu ihrem Lebenspartner von Mössingen nach Meßkirch gezogen und hat die Stadt als einen Ort „mit eigenem Charme und Charakter“ kennengelernt. Aber die Stadt lebe nicht wirklich und das Potenzial der Stadt werde nicht genutzt, die Stadt befinde sich in einem „Dornröschenschlaf“. Sie wolle die Stadt wieder zum Leben erwecken und sie zukunftsorientiert aufbauen. Sie sehe die Gemeinde wie ein Unternehmen und die Bürger seien die Kunden.

Die Kandidatin bewegte sich bei der Skizzierung ihrer Zukunftsvisionen mehr im abstrakten Bereich. Cisek stellte ein Kernprogramm mit vier Hauptthemen vor. Der erste Punkt war eine Ansiedlungspolitik für Investoren und Arbeitgeber, die Arbeitsplätze schaffe und damit die Wirtschaft der Stadt fördere. Dazu wolle sie unter anderem das Instrument des flexiblen Grundsteuerhebesatzes nutzen und so attraktive Bedingungen schaffen. Sie erhofft sich davon auch mehr Geschäfte und eine höhere Lebensqualität.

Als zweiten Punkt strebt sie eine Steigerung der Attraktivität der Stadt an. Sie will streng auf Sauberkeit achten lassen, mehr Parkplätze schaffen und die Fußgängerzone ab 12 Uhr für den Verkehr (außer Lieferverkehr) schließen. Dadurch will sie mehr Ruhe und Sicherheit sowie Platz für spielende Kinder schaffen. Die Stadt soll barrierefrei und mit Blumenschmuck versehen werden. Die Außenanlage der Stadthalle möchte Cisek verschönern lassen. Nach 15 Minuten hatte Cisek ihr Programm vorgestellt.

Das Miteinander und der Zusammenhalt der Bevölkerung ist Gegenstand des dritten Punktes von Ciseks Programm. Sie möchte einen Jugendgemeinderat gründen und soziale Treffpunkte für Kinder und Jugendliche schaffen. „Einen Kinderarzt nach Meßkirch zu holen, erkläre ich zur Chefsache“, sagte sie. Überdies wolle sie Senioren und Ehrenamtliche mehr unterstützen sowie monatliche Kunstausstellungen organisieren. Unter dem Beifall der Zuhörer sagte sie überdies, dass sie sich für mehr Busverbindungen einsetzen wolle.

Eine Modernisierung der Verwaltung schwebt der Kandidatin als vierter Programmpunkt vor. Diese soll wirtschaftlich und ohne bürokratische Hürden sein. Sie wünscht sich eine Liveübertragung von Sitzungen im Internet und möchte in den sozialen Medien präsent sein. Überdies will Cisek online ein Bürgermeisterinnen-Tagebuch führen, das die Bürger einsehen können.

Die Fragerunde gestaltete sich etwas schleppend. Auf die Frage, wie sie denn einen Kinderarzt nach Meßkirch holen wolle, erklärte sie. dass sie gegebenenfalls Praxisräume kostenfrei zur Verfügung stellen und persönlich an Unis und Kliniken vorsprechen wolle. Wie sie denn ihre ganzen Vorhaben finanzieren wolle, war eine weitere Frage. Hier setzte sie auf zusätzliche Einnahmen durch die erwarteten Firmenansiedlungen. „Nennen Sie uns zwei, drei Gründe, warum wir Sie wählen sollen?“ Ciseks Antwort: „Ich bin parteilos, handle nur nach meinem Gewissen, bin unabhängig, ehrlich, engagiert, jung und habe keine Kinder und daher mehr Zeit für die Gemeinde.“ Bei strittigen Themen wäre sie gegebenenfalls für Abstimmungen der Bürgerschaft.

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