Zuhörer feiern die Akteure mit nicht enden wollendem Applaus

Lesedauer: 4 Min
Aufmerksam verfolgt das Publikum den Auftritt von Chor und Instrumental-Ensemble. In der Erzabtei liefern die Beteiligten des Pr
Aufmerksam verfolgt das Publikum den Auftritt von Chor und Instrumental-Ensemble. In der Erzabtei liefern die Beteiligten des Projektchors eine großartige Leistung ab. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Die St. Martinskirche der Erzabtei Beuron ist am Samstagabend bis auf den letzten Platz belegt gewesen. Grund dafür war das berühmte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, aufgeführt durch einen Projektchor, hochkarätige Gesangssolisten und ein professionelles Instrumentalensemble unter der Gesamtleitung von Volker Bals.

Zu Gehör gebracht wurden von den sechs Kantaten des Oratoriums die Kantaten eins bis drei sowie die Sechste. Neben den professionellen Gesangssolisten Anna Major (Sopran), Kerstin Wagner (Alt), Akinobu Ono (Tenor und Arien) und Hildebrand Haake (Bass) sowie einem Ensemble aus international renommierten Instrumentalisten wirkten mit Pater Sebastian Haas-Sigel OSB als Evangelist und Pater Landelin Fuß OSB an der Orgel auch Beuroner Mönche mit.

Der eigens zu diesem Anlass eingerichtete Ad-hoc-Chor mit Sängerinnen und Sängern, die das Werk schon einmal einstudiert und aufgeführt hatten, entfaltete bei dem Werk seine ganze chorische Sangeskunst, die tief unter die Haut ging. Es sei schon lange der Wunsch gewesen, die von Bach so grandios vertonte Weihnachtsgeschichte in Beuron aufzuführen, hatte Volker Bals als Projektinitiator im Vorfeld gesagt. Der versierte Kirchen- und Konzertmusiker, Chorleiter und Instrumentallehrer ist dem Kloster seit Jahren eng als Oblate, also Angehöriger einer Ordensgemeinschaft, und Stimmbildner verbunden.

Wie eine Zwiesprache mit Gott

Vor Beginn der Aufführung ging der Hausherr der Abtei, Erzabt Tutilo Burger, auf die Bedeutung der einzelnen Kantaten ein. Dabei bezeichnete er den Komponisten als „fünften Evangelisten“, weil dieser die Weihnachtsgeschichte auf seine Weise neu gedeutet und „die darin enthaltene Botschaft fast sinnlich erfahrbar gemacht hat“. „Dieses herrliche Konzert ist wie eine Zwiesprache mit Gott“, sagte der Erzabt.

Das populärste aller geistlichen Vokalwerke von Johann Sebastian Bach bestach insbesondere durch die feierlichen Eröffnungs- und Schlusschöre, die mit allen Facetten des chorischen Singens einhüllten, mitrissen und die Zeit vergessen ließen. Prägend für Bachs berühmteste geistliche Komposition ist die musikalisch erzählte Weihnachtsgeschichte mit Rezitativen und punktuell gesetzten Chorälen sowie Arien der Gesangssolisten. Die großartige Leistung des Projektchors kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn die Chormitglieder, unter denen sich auch einige Mönche der Erzabtei befanden, bereiteten sich eigenständig auf diese Aufführung vor und fanden sich nur ein einziges Mal zur Generalprobe zusammen – nämlich am Tag der Aufführung.

Mit stehendem, nicht enden wollendem Applaus feierte das begeisterte Publikum zurecht die Akteure. Unter die Zuhörer hatte sich auch ein hoher Gast gemischt, den keiner erwartet hatte: Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, war als Privatperson in Beuron und genoss inkognito sichtlich das kulturelle Ereignis. Zumindest dachte er das: Erkannt wurde er von Ina Schultz, einer in Hohentengen wohnenden gebürtigen Thüringerin. Als Landsfrau ließ sich Schultz die Gelegenheit nicht nehmen, den Ministerpräsidenten anzusprechen. Als Mitarbeiterin der Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden befragte sie ihn zum Stand der aktuellen Koalitionsverhandlungen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen