Vögel Gänse Windrad Windpark Rotor
Windrad mit Vögeln (Symbolbild) (Foto: imago)
Redakteur Meßkirch
Schwäbische Zeitung

Die Firma Reg-En hat sich dazu entschieden, die Pläne für den Bau von bis zu 18 Windrädern im Wald und Offenland zwischen Leibertingen und Meßkirch vorerst einzustellen. Dies teilt das Unternehmen der „Schwäbischen Zeitung“ am Donnerstag mit. Seit Februar finden in diesem Bereich intensive Untersuchungen der Flora und Fauna statt (die SZ berichtete). Ein Schwerpunkt der Untersuchungen liegt bei den sogenannten „windkraftempfindlichen Vogelarten“, die im Genehmigungsverfahren eine besondere Rolle spielen. So werden seit März von bis zu zehn Beobachtern gleichzeitig die Flugrouten der Vögel im Raum erfasst und die am häufigsten genutzten Flugkorridore ermittelt.

Nach Hunderten von Erfassungsstunden liegen nun die ersten Zwischenergebnisse vor, die auf regelmäßigen und von Fachleuten gesammelten Erkenntnissen beruhen. Diese Zwischenergebnisse zeigen folgendes Bild: Der Untersuchungsbereich weist eine überraschend hohe Anzahl von Horsten der windkraftempfindlichen Arten aus, sodass keines der geplanten Windräder mehr als 1000 Meter von solchen Horsten entfernt liegt.

„Das gesamte Planungsgebiet muss gemäß den in Baden-Württemberg geltenden Vorgaben zur Zeit als Dichtezentrum des Rotmilan eingestuft werden, da hier regelmäßig deutlich mehr als drei besetzte Horste im 3,3 Kilometer Radius um jeden Windrad-Standort nachzuweisen sind“, heißt es in der Pressemitteilung. Die verzeichneten Flugrouten zeigen, dass die Vögel nicht nur das Offenland sondern auch den Waldbereich regelmäßig für ihre Flüge nutzen. Gebiete ohne Überflüge existieren praktisch nicht.

Unter Berücksichtigung der genehmigungsrechtlichen Vorgaben hält das beauftragte Gutachterbüro „Ökologie und Stadtentwicklung“ selbst kleinere Planungsbereiche mit deutlich weniger Windrädern zur Zeit für nicht genehmigungsfähig. Dieser Empfehlung ist die Firma Reg-En als Planungsträger nunmehr gefolgt. Alle weiteren für 2017 vorgesehenen Untersuchungen werden mit sofortiger Wirkung eingestellt. Windräder innerhalb von 1000 Metern Radius zu Rotmilanhorsten sind zwar genehmigungsfähig, es muss aber nachgewiesen werden, dass die windkraftempfindlichen Vögel nicht oder nur selten den Bereich der Windräder überfliegen. Bei möglichen Konflikten sind hier Ausnahmen zulässig.

Innerhalb von Dichtezentren wird in Baden-Württemberg ein noch strengerer Maßstab angelegt: Dort sind aufgrund der Gefährdung keine Ausnahmen zulässig, da man davon ausgeht, dass die Tötung von Individuen eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der gesamten Art nach sich ziehen könnte. Vermeidungsmaßnahmen wie besondere Abschaltzeiten der Windräder oder Anbieten von sogenannten Ablenkflächen sind innerhalb solcher Dichtezentren nicht zulässig.

Die Flächennutzungsplanung war noch von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Ein Dichtezentrum war bei den betreffenden Kartierungen 2012 und 2013 nicht in Sicht. Auch die von der Landesanstalt für Umwelt im Jahr 2014 kartierten Horste waren in ausreichender Entfernung und in deutlich geringerer Zahl. „Offensichtlich ist es in den vergangenen Jahren zu einer überaus starken Zunahme der Rotmilan-Population gekommen. Um weiterhin in Baden-Württemberg Windräder projektieren zu können, sind aus unserer Sicht die betreffenden Vorgaben des Landes einer Prüfung zu unterziehen“, sagt die Firma Reg-En.

Bürgermeister ist überrascht

„Das kommt überraschend“, sagt Leibertingens Bürgermeister Armin Reitze. Dass es in der Region Rotmilane gebe, sei bekannt, aber dass die Vorkommen so massiv seien, wäre neu. Die Pachteinnahmen hätten Leibertingens Finanzen verbessern können. Da diese Gelder jedoch noch nicht verplant seien, sei der Ausfall „verschmerzlich“, sagt Reitze. Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ebenfalls überrascht von der Neuigkeit ist Anita Kleiner von der Bürgerinitiative gegen den Windpark. Die Initiative strebt ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Windpark an, da der Vertrag zur Verfügungstellung der Leibertinger Flächen noch nicht gekündigt sei.

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