Vortrag gibt Einblick in die Geschichte der Maskenherstellung

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 Andreas Reutter klärt in der Narrakademie der Katzenzunft Meßkirch über die Anfänge der Maskenherstellung auf.
Andreas Reutter klärt in der Narrakademie der Katzenzunft Meßkirch über die Anfänge der Maskenherstellung auf. (Foto: Tanja Japs)
Tanja Japs

Im Rahmen ihrer Narrakademie hatten am Donnerstagabend die Katzenzunft Meßkirch und die Museumsgesellschaft Andreas Reutter aus Weingarten als Gastreferenten eingeladen. Reutter ist Zunftrat der dortigen Plätzlerzunft und Leiter des Weingartner Fasnetsmuseums sowie kultureller Beirat der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Er sprach im Schlosskeller über den Einfluss von Maskenfabriken und Maskengarderoben auf die Verbreitung von Maskentypen und Narrenfiguren in der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Vor allem Fabriken in Thüringen haben Masken und teilweise ganze Kostüme weltweit für die Fasnachten geliefert. Vor Ort haben Maskengarderoben diese dann verliehen oder verkauft. Der Maskenarbeiter Karl Kühn gründete 1859 zusammen mit dem Porzellanmaler Alexander Heintz die Maskenfabrik Heintz und Kühn in Manebach. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts waren die ersten Vorlagen von Papiermacheemasken in den Thüringer Wald gekommen und haben dort ihren Ursprung. Gleichfalls waren hier mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten günstige Arbeitskräfte reichlich vorhanden. „Die große Nachfrage nach Masken führte dazu, dass die wesentliche Grundlage der Produktion durch den Einsatz von Heimarbeitern erfolgte“, berichtete Reutter, „ganze Familien waren bei den Arbeiten beteiligt“. Die Arbeitsbedingungen waren sehr schwierig. Auf engstem Raum wurde gearbeitet, getrocknet und geschlafen. Bis 1914 blieb die Maskenherstellung reine Handarbeit, erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer schrittweisen Mechanisierung.

Im oberschwäbischen Ravensburg gab es ebenfalls eine Maskenfabrik. 1852 wurde die Firma Nick gegründet, die den Betrieb bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 aufrechterhalten konnte. Doch es wurden nur noch wenige Masken verkauft und der Betrieb wurde eingestellt. Durch die Deutsche Teilung waren die Absatzmärkte für die Maskenfabriken weggebrochen. Anhand alter Firmenkataloge konnten die Zuhörer, die überwiegend aus Mitgliedern der Katzenzunft stammten, einen Blick auf die Vielfalt im Angebot dieser Maskenfabriken werfen. Das Sortiment reichte von Scheinpferden, Hahnenreitern, Störchen, Riesendamen, Büttelfiguren und Katzenfiguren bis zu den Papp-, Wachs- und Drahtgazelarven. Auch Hexenmasken waren bereits als Standardartikel im Sortiment.

Im Anschluss an seinen Vortrag wurde von dem Meßkircher Kulturwissenschaftler Armin Heim die Frage nach der Herkunft der Meßkircher Katze erneut gestellt. Hauptfigur der Meßkircher Fasnet ist die Gestalt der Katze. Sie geht zurück auf Berichte der „Zimmerschen Chronik“ im 16. Jahrhundert. „Auf den genauen zeitlichen Ursprung der Meßkircher Katze kann ich mich allerdings nicht festlegen“, war Heims Resümee. Von Roland Kleiner wurde die Entwicklung der geschnitzten Katzenschemen nachgezeichnet, der mit seiner Familie heute noch die Zunft mit diesen Arbeiten unterstützt.

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