„Unglaublich, was die Leute alles wegwerfen“

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 Franz Schiron entleert mit geübten Handgriffen innerhalb weniger Minuten seinen Anhänger.
Franz Schiron entleert mit geübten Handgriffen innerhalb weniger Minuten seinen Anhänger. (Foto: Mandy Streich)
Mandy Streich

Einen alten, bereits moosbewachsenen Kinderwagen, Koffer aus Stoff oder ganze Säcke mit weggeworfenen und aufgesammelten Dingen wirft Franz Schiron aus Ablach von seinem Anhänger hinunter in den großen Container mit Sperrmüll. Im Container liegen bereits alte Sofas und Matratzen und in dem Container daneben stapelt sich altes Holz. Auf der Entsorgungsanlage in Ringgenbach gibt es für jeden Müll den passenden Container. Rund 17 500 Tonnen Rest- und Sperrmüll aus Ringgenbach und der zweiten Umladestation im Kreis, Bad Saulgau, werden im Jahr zur Müllverbrennung der Thermischen Abfallbehandlung Donautal (TAD) nach Ulm gefahren.

Das sind laut Michael Wortmann, dem Leiter der Kreisabfallwirtschaft Sigmaringen, 5000 Tonnen mehr als noch vor fünf Jahren. „Das liegt vor allem daran, dass die Menschen im Moment viel in Möbel investieren. Es werden Häuser gebaut oder renoviert und die Möbel halten nicht mehr so lange wie früher“, sagt er.

Autos werden gewogen

Bei der Einfahrt auf die Deponie musste Franz Schiron sein Auto auf einer großen Waage wiegen lassen und beim Verlassen wird das Auto erneut gewogen. Für die Differenz muss dann ein bestimmter Gebührensatz bezahlt werden, je nachdem, um welche Art von Müll es sich gehandelt hat. Für eine Tonne Grüngut werden beispielsweise 66 Euro verlangt.

Franz Schiron entleert mit geübten Handgriffen innerhalb weniger Minuten seinen Anhänger. „Es ist unglaublich, was die Leute einfach alles wegwerfen“, sagt er, während er das Unterteil eines Bürostuhls in der Hand hält. Regelmäßig hilft er einem Freund, der ein großes Grundstück neben einer Discothek in Meßkirch hat, dieses Grundstück sauber zu halten. „Einer muss es ja machen“, sagt er kopfschüttelnd. „Ich versteh nicht, warum die Leute ihr Zeug nicht einfach richtig entsorgen.“

Auf der Mülldeponie in Ringgenbach gibt es jedoch nicht nur eine Umladestation für den Hausmüll und eine Recyclinganlage, deren Annahmestoffe von Glas, Holz und Abfall über Elektronik und Farbdosen bis hin zu Kerzenwachs reichen, sondern auch eine Sickerwasserbehandlungsanlage, in der das stark verunreinigte Regenwasser vorgereinigt und anschließend an die normale, kommunale Kläranlage weitergeleitet wird. Außerdem wird mit einer Hackschnitzelaufbereitungsanlage das holzige Grüngut zu Hackschnitzeln weiterverarbeitet, die beispielsweise an die Firma Steidle in Krauchenwies geliefert werden können.

Tätigkeiten rotieren wochenweise

Einer der sechs festangestellten Mitarbeiter in Ringgenbach ist Manfred Nothhelfer aus Dietershofen. Seit 1991 arbeitet er bereits auf der Deponie und kann sich noch an den Müllberg oberhalb des heutigen Recyclinghofs erinnern, der heute bereits vollständig mit Gras bewachsen ist und auf dem die Produktion der Hackschnitzel betrieben wird. Direkt neben einer Fotovoltaikanlage, die so viel Leistung erbringt, dass davon laut Michael Wortmann rund 300 Haushalte abgedeckt werden können.

„Alle Mitarbeiter werden überall auf der Deponie eingesetzt und müssen demnach auch alles können“, sagt Nothhelfer. Wochenweise gebe es dann einen Wechsel – mal bei der Auto-Waage im Büro sitzen, mal bei Wind und Wetter Hackschnitzel herstellen, die Kläranlage überprüfen oder den Menschen auf dem Recyclinghof helfen. „Mir macht meine Arbeit schon Spaß“, sagt er. „Natürlich manchmal mehr und auch mal weniger.“ Am schlimmsten seien laut Nothhelfer die Menschen, die zu faul oder zu geizig seien, ihre Sachen richtig zu entsorgen. „Dann wird auch mal ein Karton, der voll mit Dingen ist, die nicht aus Papier sind, einfach in den Papiercontainer geworfen. Sowas ist dann schon ärgerlich“, sagt er.

Aufgrund des stark verdichteten Müllbergs, der bereits seit 2004 stillgelegt ist, bildet sich unter den verdichteten Schichten Methangas, das mit einer internen Schwachgasverbrennungsanlage in Wärme umgewandelt wird, mit der unter anderem die Hackschnitzel getrocknet werden können. Mit den unterschiedlichen Anlagen hat sich die Mülldeponie in Ringgenbach zusätzliche Einnahmequellen und damit auch einen Kreislauf geschaffen, dessen Teile sich ergänzen.

„Die Mülldeponie wird sehr gut angenommen und hat in den vergangenen Jahren auch eine Steigerung der Anlieferungen verzeichnet“, sagt Michael Wortmann. „An Spitzentagen haben wir teilweise bis zu 600 Wiegungen pro Tag – also 600 Personen, die ihren Müll entsorgen wollen“, sagt er. „Aber das kommt natürlich auch auf die Jahreszeit an.“

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