Stroh muss über Jahre gesammelt werden

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Viel Interesse weckt die praktisch fertigegestellte Holzkirche bei den zahlreichen Besuchern des Campus Galli.
Viel Interesse weckt die praktisch fertigegestellte Holzkirche bei den zahlreichen Besuchern des Campus Galli. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Der Geschäftsführer der Klosterbaustelle Campus Galli, Hannes Napierala, hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats einen ausführlichen Jahresrück- und -ausblick vorgestellt.

Demnach konnten die Verantwortlichen in der Saison 2018 zwar ein Plus von vier Prozent bei den Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr ausweisen. Auch die gebuchten Führungen haben im vergangenen Jahr um 38 Prozent zugenommen. Das für diese Jahr angepeilte Ziel von 95 000 Besuchern ist jedoch um 13 000 verfehlt worden, so dass allein durch diese fehlenden Eintrittsgelder 170 000 Euro in der Kasse fehlen werden.

Napierala wertete den sehr langen und heißen Sommer 2018 als Ausnahme, denn die aufgezeigte Statistik machte deutlich, dass gerade in dem übermäßig warmen August die Besucherzahlen zurückgegangen sind. Auch seien erstmals seit Beginn des Campus Galli beim jährlichen Sommerfest weniger als 2000 Gäste gezählt worden.

Nach Napieralas Recherche haben aber auch anderen Freilichtanlagen in Land einen Besucherrückgang in den heißen Sommermonaten verzeichnen müssen. Der Campus Galli sei jedoch die einzige Freilichtanlage gewesen, die zum Saisonende hin doch noch ein kleines Besucherplus erzielen konnte, relativierte er. Der Geschäftsführer bat das Gremium um Beistand und stellte den Antrag, die fehlende Deckung bis Jahresende durch die Stadt auszugleichen. Gleichzeitig warb er darum, keine konkreten Zielvorstellungen bei der Entwicklung des Campus Galli vorzunehmen, denn äußere Einflüsse wie beispielsweise das Wetter könnten die ganzen Planungen über den Haufen werfen.

Ein Beispiel dafür war auch der Bau der großen Vorratsscheune, der eigentlich in der Saison 2018 begonnen werden sollte. Doch Probleme mit der Statik und den Prüfstatikern hätten den Baubeginn verzögert. Nach deren Vorgaben sollte die Scheune eine Gründungstiefe von 1,50 Metern haben, was aufgrund des felsigen Untergrundes nicht zu machen war. So mussten nach anderen Lösungen gesucht werden. Für das kommende Jahr soll der Scheunenbau ein Großprojekt mit großer Anziehungskraft werden, zu dem sich schon etliche Medien angemeldet hätten.

Fünf Filmprojekte geplant

Unter anderem sind fünf Filmprojekte, unter anderem vom deutsch-französischen Sender „Arte“, geplant sowie ein Kinofilm von Reinhard Kungel. Durch kontinuierliche baulichen Maßnahmen werde der Campus Galli weiter an Attraktivität gewinnen, zumal auch weitere Vernetzung und der stetig steigende Bekanntheitsgrad schon dazu beigetragen haben. So habe sich auch ein bayerischer und ein nordrheinwestälischer Sender für die mittelalterliche Klosterbaustelle interessiert.

Auch in der vergangenen Saison sei vieles geschehen. So ist hat die Holzkirche einen kleinen Kreuzgang bekommen, der Glockenguss konnte unter großem Zuschauerinteresse nach mehreren Fehlversuchen fertiggestellt werden, einige der schon vorhandenen Hütten wie die vom Korbmacher haben ein festes Schindeldach und stabilere Wände bekommen. Und auch die Kirche ist im Innenraum ist so gut wie fertig. Nur der Glockenturm harrt noch auf seine Aufstellung, derzeit sei es aber wegen der feuchten Witterung zu gefährlich. „Die Balken sind rutschig“.

Fertig geworden ist auch die Toilettenanlage ziemlich in der Mitte des Campus Galli. „Sie hat sich bereits bewährt, denn die Leute sind froh, wenn sie zum Austreten nicht bis zum Ausgang oder zum Marktplatz zurückgehen müssen“.

Da das Scheunendach mit Roggenstroh gedeckt werden soll, ist mit diesem Material experimentiert worden. Für die benötigte Strohmenge – „die Ernte eines Jahres reicht nicht“ – wurde und wird in der Nähe von Rohrdorf auf einem Feld des Landwirts Ramsberger Roggen angebaut. Das Stroh müsse über mehrere Jahre gesammelt werden, damit es für die Dacheindeckung reicht.

Weitere Highlights des Jahres waren prominente Besucher aus Politik und Wirtschaft, die sich besonders über das soziale Engagement (Wiedereingliederung Langzeitarbeitsloser etc.) beeindruckt gezeigt hätten.

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