Stettener Welte-Orgel wird saniert

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Geselle Uli Sikart (von links), die beiden Lehrlinge Markus Weiß und Doyou Kim stehen mit Orgelbaumeister Wolfgang Brommer um da
Geselle Uli Sikart (von links), die beiden Lehrlinge Markus Weiß und Doyou Kim stehen mit Orgelbaumeister Wolfgang Brommer um das Stettener Kleinod, das sie gemeinsam herrichten. (Foto: Fotos: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Mit 780 Pfeifen ist sie ein echtes Kleinod in der Familie der Orgeln. Die Rede ist von einem Instrument, das in der evangelischen Kirche in Stetten am kalten Markt steht und derzeit von Orgelbaumeister Wolfgang Brommer und seinem Team generalüberholt wird. Gebaut von der im Jahr 1951 erloschenen Firma „Welte“ aus Freiburg ist das Instrument mit den neobarocken Manualen auch deshalb eine Besonderheit, weil sie komplett erhalten ist. „Einmalig macht sie außerdem, dass ihre sichtbaren Pfeifen ursprünglich mit Goldfarbe überzogen war“, schwärmte Brommer. Insgesamt zwei Monate dauert die Erneuerung des seltenen Instruments, denn ihresgleichen gibt es gerade mal zehn Stück in ganz Deutschland.

„Wir haben das Aussehen der sichtbaren Pfeifen wiederhergestellt“, so der Orgelbaumeister. Dazu habe er echten Goldstaub verwendet. Nun verfügt die Orgel der evangelischen Kirche Stetten wieder über „goldene“ Orgelpfeifen. Brommer ging davon aus, dass der Architekt der 1938 eingeweihten Kirche, Otto Bartning aus Berlin, mit den vergoldeten Pfeifen das i-Tüpfelchen auf die in sanftem Gelbton gehaltene Wand- und Beleuchtungsgestaltung setzen wollte. Brommer, Vorstand der Orgelstiftung von Waldkirch, Organist und Chorleiter in Personalunion, lobte das mit elf klingenden Registern und vier Transmissionen ausgestattete königliche Musikinstrument wegen seines breiten Klangspektrums und seiner Intonationsfülle.

Damit war er mit der Konzertorganistin und Welte-Expertin Brita Schmid aus der Schweiz einer Meinung, die vor einigen Jahren auf dieser Orgel ein Benefizkonzert zugunsten der Renovierungsarbeiten gegeben hatte. Sie hatte seinerzeit die trotz der geringen Registerzahl enorme Klangfülle bewundert. Brommer erklärte, dass die Einzigartigkeit der Orgel auch in ihrer Bauweise liege. „Sie hat einen freistehenden Spieltisch und die nicht sichtbaren Pfeifen befinden sich hinter ihren goldenen Artgenossen in einer begehbaren Mauernische.“ Dazu noch schimmern die prominenten Klangrohre nicht nur in Gold, sondern „sind auf Zahnlücke gesetzt“, wie der Orgelbaumeister sich ausdrückte. Brommer vermutet, dass damit eine noch bessere Klangqualität erreicht werden sollte, weil die Pfeifen im Klang frei schwingen können. Der Erbauer der Orgel war ein Pionier der elektro-pneumatischen Orgeltraktur, bei der die Steuerung der Register und Pfeifen durch Elektromagnete stattfindet. Weil die Welte-Orgel in Stetten seit 1940 ihren Dienst tut, ist eine umfassende Aufarbeitung der Elektrik unumgänglich geworden. Orgelbaugeselle Uli Sikart zeigt die herausgeschnittene alte Motorwicklung – dicht gepackte Kupferdrähte, umwickelt mit einer nicht mehr genau zu definierenden Substanz. „Man kann sich vorstellen, was passieren würde, wenn hier etwas durchschmort“, sagte Sikart und deutete vielsagend auf den Orgeltisch und die Innenausstattung der Kirche: „Alles Holz!“

Mit zum Team des Orgelbaumeisters Brommer gehören noch die beiden Auszubildenden Markus Weiß, der sich im dritten Lehrjahr befindet, sowie Doyou Kim aus Korea, der derzeit sein erstes Lehrjahr absolviert. Beide zeigten sich fasziniert von der enormen Bandbreite ihres Berufs, der Handwerk und Kunst in sich vereine. „Beim Ausbau muss alles penibel registriert werden, sonst weiß man nachher nicht mehr, wo es hingehört“, sagte Weiß. Das Orgelbauerteam schätzt, dass Gottesdienstbesucher sich bis in zwei Wochen wieder am Klang der Welte-Orgel erfreuen können.

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