Scheune auf Campus Galli wird multifunktional

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Dieses Modell zeigt, wie die Scheune auf dem Campus Galli später einmal ausschauen soll. Es ist auf der Baustelle zu sehen.
Dieses Modell zeigt, wie die Scheune auf dem Campus Galli später einmal ausschauen soll. Es ist auf der Baustelle zu sehen. (Foto: Musolf)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Meßkirch

Die Scheune wird das nächste Großprojekt auf dem Campus Galli bei Meßkirch. Das Vorhaben hat nun rund 301 000 Euro aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) erhalten (wir berichteten). Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erläutert der Geschäftsführer der Klosterstadt, Hannes Napierala, Details zu dem Vorhaben.

„Die Scheune ist eines der Gebäude, die direkt aus dem Klosterplan von St. Gallen entspringen“, sagte Napierala. Das Gebäude ist auf dem historischen Plan verzeichnet. Im Mittelalter diente die Scheune zum Dreschen der Korngarben. Die Körner wanderten gleich weiter zum Müller und Bäcker oder in die mäusesicheren Kornspeicher. „Das Stroh verblieb in der Scheune“, erklärt Napierala. Die Pläne für die Scheune hat Tilmann Marstaller zusammen mit Campus-Galli-Bauleiter Thomas Fuhrmann und Zimmermännern ausgearbeitet. Auf der Baustelle befindet sich ein Modell aus Holz, das zeigt, wie die Scheune später einmal aussehen soll. „Zwei Wandergesellen haben für uns das Modell gebaut. Es ist ein tolles Anschauungsobjekt“, sagt Napierala. Die Scheune entsteht auf einer Freifläche in der Nähe des Obst- und Gemüsegartens – bei einem Kreuzungsbereich. Dort steht auch das Modell. Die Scheune wird Ausmaße von etwa zehn mal 20 Metern haben. „Das Dach reicht sehr weit nach unten. Die Traufhöhe beträgt nur 80 Zentimeter“, sagt Napierala.

Die Kreuzstruktur, die auf dem Klosterplan erkennbar ist, wurde als Hinweis auf das statische Gerüst interpretiert. „Das Dach wird auf einem Innengerüst aufliegen, nicht auf den Wänden. Das ist die Besonderheit.“ Die Wände komplettieren nur die Hülle des Gebäudes. Das Dach hat eine Fläche von rund 400 Quadratmetern und wird mit Roggenstroh gedeckt – einer langstieligen Sorte. „Das wird wahnsinnig viel Handarbeit“, sagt Napierala. Unter anderem soll das Stroh vor Ort angebaut werden.

Die Scheune soll ein Multifunktionsgebäude werden. „Wir wollen dort die Landwirtschaft des Mittelalters demonstrieren, etwa das Dreschen und Einlagern.“ Die Scheune soll aber auch für museumspädagogische Projekte genutzt werden. Sie wird eine Art Besucherzentrum beherbergen, das kleine Ausstellungen und Info-Wände beinhaltet.

Rund 500 000 Euro Gesamtkosten

Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 500 000 Euro. Die Kosten sind recht hoch, weil alles in Handarbeit entsteht und daurch hohe Arbeitskosten anfallen, sagt der Geschäftsführer. Die ELR-Fördergelder erhält der Freundeskreis des Campus Galli. Dieser muss die Arbeiten für die Scheune öffentlich ausschreiben, da es sich um öffentliche Gelder handelt. Der Campus-Galli-Trägerverein wird sich für den Auftrag bewerben. Es können auch andere Unternehmen mitbieten, jedoch müssen die Arbeiten später alle mit mittelalterlichen Techniken und mit geschmiedeten Werkzeugen ausgeführt werden.

Die Verantwortlichen des Campus Galli warten nun auf die Ausschreibung. Das Landratsamt Sigmaringen muss zudem noch die Baufreigabe erteilen. „Wir rechnen mit dem Bescheid in den nächsten Wochen“, sagt Napierala. Er hofft auf einen Baubeginn noch in diesem Jahr. Es könnten schon Hölzer vorbereitet werden, Bäume eingeschlagen und der Bauplatz hergerichtet werden. „Wir müssen auch noch einen großen Platz schaffen, auf dem die Hölzer ausgelegt werden können“, sagt Napierala. Er rechnet mit einer Bauzeit von drei Jahren.

Gruppe Karolinger kommt zu Besuch

Der Campus Galli begrüßt am kommenden Wochenende, 16. und 17. September, eine Gruppe Karolinger auf der Durchreise. Die karolingische „Familia“ ist auf dem Weg zu den fränkischen Reichsgrenzen und macht Rast in der Klosterstadt. Die Gruppe umfasst den Haushalt eines Grafens im Dienste des Königs samt Bewaffneten, Geistlichen, Händlern, Handwerkern, Männern und Frauen. Die Gruppe „Hiwisca“ unter der Leitung von Gisela Stier hat sich für eine Reihe von fiktiven Charakteren zeittypische Lebensgeschichten erdacht und wird diese durch Darstellungen und Spielszenen den Besuchern näher bringen. Die Besucher sind eingeladen, mit den „Reisenden“ ins Gespräch zu kommen und sie nach ihrem Leben unter Karl dem Großen zu befragen.

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