Schüler ermöglichen mehr als 300 Polio-Impfungen

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 Die Schüler der Gemeinschaftsschule Stetten am kalten Markt haben mehr als 150000 Plastikdeckel gesammelt.
Die Schüler der Gemeinschaftsschule Stetten am kalten Markt haben mehr als 150000 Plastikdeckel gesammelt. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

151 760 Deckel von Plastikflaschen haben die Schüler der Gemeinschaftsschule Stetten am kalten Markt innerhalb von vier Wochen bei der Deckelaktion gesammelt. Gut 50 000 mehr als im Vorjahr. Damit ermöglichen sie gut 300 Polio-Impfungen in Ländern der dritten Welt.

Die Deckel sind an die gemeinsame Jugendorganisation der Rotary-Clubs Sigmaringen und Ebingen, „Rotaract“, übergeben worden. „Rotaract“-Präsident Thorsten Zintgraf gab einen kurzen Einblick in den Hintergrund dieser Aktion: „500 Deckel ergeben ein Kilo wiederverwertbaren Kunststoff. Mit dem Erlös daraus kann eine Dosis Polio-Impfstoff finanziert werden“.

Aktion soll Impfungen in Ländern der dritten Welt ermöglichen

Damit soll weltweit die Kinderlähmung (Poliomyelitis) mit ihren schrecklichen Folgen eingedämmt werden. „Bin ich froh, dass wir mit einem Anhänger gekommen sind“, sagte Klaus Barking vom Rotary-Club angesichts der großen Anzahl der Kartons, gefüllt mit Plastikdeckeln. „Das ist ein echter Rekord.“

Klaus Barking zeigte die Folgen der Viruserkrankung auf, die bei einigen Menschen einen schweren Verlauf mit Lähmungen und bleibenden Schäden nehmen kann. Er berichtete von einem Freund, der in jungen Jahren an Kinderlähmung erkrankte und nun nach Jahrzehnten ein so genanntes „Post-Polio-Syndrom“ mit Schwäche, Muskelschwund Schmerzen und anderen Symptomen entwickelt hat. Durch Impfungen konnten die Polio-Erkrankungen weltweit eingedämmt werden.

Auch in der Freizeit auf „Deckeljagd“

Tobias Buck, Schulsozialarbeiter der Stettener Gemeinschaftsschule, hatte bereits im vergangenen Jahr die Deckelaktion zu einem Wettbewerb unter den Schulklassen aufgerufen. „Das hat in diesem Jahr noch besser funktioniert“, sagte der Buck erfreut. Die Klassen hätten einen regelrechten Wettkampf ausgetragen, wer wohl die meisten Deckel zusammenbekommt. Besonders erfreulich sei, dass die Schüler auch in ihrer Freizeit auf „Deckeljagd“ gegangen seien: „Und das ganz freiwillig!“

Dies sei umso bemerkenswerter, da die Gemeinschaftsschule eine Ganztagsschule sei. Deshalb kommen die Schüler laut Buck erst am späten Nachmittag oder frühen Abend nach Hause. Die Kids hätten ihre Familien zum Sammeln angeregt und sind sogar in die Geschäfte gegangen, um an Leergutautomaten Mitarbeiter und Kunden um die Deckel zu bitten. Letztendlich hat die fünfte Klasse gewonnen. „Doch die eigentlichen Gewinner sind Gabi und Roswitha Seßler“, sagte Buck. Die beiden Reinigungskräfte haben außer Konkurrenz mitgemacht und 30 000 Deckel gesammelt, so Buck.

Trotz des Rekordergebnisses ist es vorerst die letzte Deckelaktion. Klaus Barking und Thorsten Zintgraf bedauerten das: „Die Preise für Kunststoffe sind so in den Keller gegangen, dass es sich nicht mehr lohnt“.

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