Problemluchs tötet Schafe – „Einzelfall“

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 Luchs Friedl ist im Donautal und der Zollernalb unterwegs.
Luchs Friedl ist im Donautal und der Zollernalb unterwegs. (Foto: Boris Roessler/dpa)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Meßkirch

Im Dezember hat Luchs Friedl drei Schafe und zwei Ziegen eines Leibertinger Landwirts gerissen – DNA-Spuren bestätigen dies (die SZ berichtete). Diese Tötungen geben den Experten Rätsel auf. „Es ist schwierig, eine Erklärung für Friedls Verhalten zu finden. Mehrfachtötungen kommen bei Luchsen nur selten vor. Auch Angriffe auf Nutztiere sind ein absoluter Einzelfall“, sagt Donautal-Guide Armin Hafner im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Friedl hatte im Dezember erst ein Schaf auf der Wiese gerissen, war dann in der Nacht darauf wieder an den „Tatort“ zurückgekehrt. Er tötete dort weitere Tiere. „Normalerweise begnügt sich der Luchs mit einem Tier, das er mehrere Tage auffrisst“, sagt Hafner. Auch stehen sonst eigentlich Rehe und Gämsen auf dem Speiseplan der Raubkatze. Hafner stehe mit den örtlichen Landwirten und Schäfern in Kontakt. „Die Tötungen der Nutztiere durch den Luchs werden bei ihnen als Thema nicht so hoch gekocht. Existenzbedrohend ist es für sie nicht. Es gibt zudem einen Entschädigungsfond“, sagt Hafner. Der Luchs werde von den Bauern nicht zum Feindbild hochstilisiert.

Seit Dezember gebe es keine weiteren Hinweise mehr auf Friedl. Armin Hafner vermutet aber, dass der Luchs weiterhin im Donautal und auf der Zollernalb unterwegs ist: „Das ist sein Aufenthaltsgebiet der letzten eineinhalb Jahre.“ Für Menschen bestehe übrigens keine Gefahr durch den Luchs – Begegnungen mit der scheuen Raubkatze seien in freier Wildbahn sehr unwahrscheinlich: „Wie ein Sechser im Lotto“, sagt Hafner.

Die „Landesschau Baden-Württemberg“ hatte am Mittwochabend über Friedl berichtet: „Luchs Friedl im Blutrausch“ hieß es dort. Der betroffene Landwirt Carsten Weber vom Distelhummelhof in Leibertingen hatte sich zu den Übegriffen Friedls auf seine Tiere geäußert. „Es ist schon ziemlich heftig. Die Tiere waren alle hier geboren. Jedes Tier, das so stirbt, ist erst mal tragisch“, sagte Weber. Wütend auf Friedl sei er aber nicht – Weber setze sich seit Langem für ein Nebeneinander von Nutz- und Raubtieren ein. Verärgert sei er viel mehr, dass die Landesregierung es verbiete, dass er seine Herde mit einem Hund schützen dürfe: Der Herdenschutzhund dürfe nicht auf die Weide, weil dort ein Elektrozaun im Einsatz ist, heißt es in der entsprechenden Vorschrift. Weber will künftig seine Schafe wieder auf die Weide lassen – diesmal aber unter dem Schutz des Hundes.

Friedl stammt aus der Schweiz

Luchs Friedl stammt ursprünglich aus der Schweiz. Im April 2015 wurde er im Schwarzwald für wissenschaftliche Zwecke mit einem Peilsender ausgestattet. Das Halsband löste sich wie vorgesehen nach einem Jahr. Die Erneuerung des Senders durch den Austausch der Batterie schlug fehl. Friedl hat wichtige Erkenntnisse über das Verhalten von Luchsen geliefert – beispielsweise zu Lebensräumen und Wanderrouten.

Dem Team der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg gelang es, einen anderen Luchs in Oberschwaben zu fangen und mit einem Peilsender-Halsband auszustatten. „B433“ lautet der formale Name dieses Luchses. Auch bei diesem Tier handelt es sich um ein Männchen. Männliche Luchse unternehmen gerade in der Paarungszeit zwischen Februar und April weite Wanderungen auf der Suche nach weiblichen Tieren, die aber bisher in Baden-Württemberg nicht nachgewiesen werden konnten. „B433“ konnte ebenfalls rund ein Jahr lang beobachtet werden. Zum aktuellen Standort dieses zweiten Luchses liegen keine aktuellen Hinweise vor, sagt Donautal-Guide Armin Hafner.

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