Nazis richteten pazifistischen Priester hin

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Max Josef Metzger
Max Josef Metzger (Foto: Bildungswerk Meßkirch)
Schwäbische Zeitung

Der Regens des Priesterseminars der Erzdiözese Freiburg, Christian Heß, hält am Mittwoch, 14. März, um 19 Uhr einen Vortrag im Herz-Jesu-Heim, Schlossstraße 22, über den Märtyrerpriester Max Josef Metzger. Dies geschieht im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu badischen Priestern, die Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet haben (die SZ berichtete). „Denn die diesjährige Fastenzeit steht ganz im Zeichen der Priester unserer Heimat, die während des Dritten Reichs ihren Mann gestanden haben“, sagt der Leiter des Bildungswerks Meßkirch, Waldemar Gorzawski.

Manche Geistliche standen zu Anfang der nationalsozialistischen Bewegung sogar positiv gegenüber, wurden aber schnell zu Kritikern, als der Rassismus und die Menschenverachtung des Systems in die Praxis umgesetzt wurden. Andere, wie der langjährige Stadtpfarrer von Meßkirch, Otto Meckler, oder Max Josef Metzger waren von Anfang an gegen die Nazis. „Alle haben aber eingesehen, dass ein aktiver Kampf angesichts der Übermacht und Brutalität des NS-Systems weniger Sinn machte als ein Beharren auf den katholischen Grundsätzen“, erklärt Gorzawski. Sie wollten ihren Glauben in den Gemeinden unter Berufung auf das Konkordat weitergeben. Doch sehr bald eckten sie überall an. Die Nazis ließen den Kirchen immer weniger Raum und bespitzelten die Priester in Gottesdiensten und dem Religionsunterricht. So erhielten viele Priester nach und nach Unterrichtsverbot, wurden verhört oder gar verhaftet. So mancher von ihnen wurde zu Konzentrationslager-Haft verurteilt. „Im KZ Dachau gab es gar einen ganzen Priesterblock, und viele überlebten den Naziterror nicht“, sagt der Leiter des Bildungswerks.

Metzger erlebte das Grauen des Ersten Weltkriegs

Der 1887 in Schopfheim geborene katholische Geistliche Metzger nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg als Divisionspriester teil. Als er die schweren Schlachten am Hartmannsweilerkopf miterlebte, gründete er alsbald Friedensinitiativen. In den 1920er-Jahren war Metzger schon als Friedensaktivist international tätig. Als einziger Deutscher wurde er zu Kongressen nach Frankreich eingeladen. Er gründete das „Weltfriedenswerk vom Weißen Kreuz“ in Graz. Er war Mitbegründer der „Katholischen Internationale“ in Den Haag. In der Ökumene war Metzger seiner Zeit weit voraus: Er war Teilnehmer des ökumenischen Weltkongresses in Lausanne und gründete die überkonfessionelle Bruderschaft „Una Sancta“.

1928 zog er mit der von ihm mitbegründeten Christkönigsgesellschaft von Graz nach Meitingen bei Augsburg um. Dort war er karitativ und verlegerisch tätig. „Ein solcher Aktivist war den Nazis natürlich von Anfang an ein Dorn im Auge. So begannen Schikanen schon bald nach Hitlers Machtergreifung“, berichtet Gorzawski. 1934 erfolgte die erste Verhaftung Metzgers, dann das Verbot der Zeitschrift „Der Christkönigsbote“ und die Beschlagnahmung der Druckereiausstattung.

Um dem Druck auszuweichen, verlegte Metzger seinen Wohnsitz in das Piusstift Berlin. Hier verfasste er das „Nordlandmemorandum“, ein Memorandum über die künftige Gestaltung Deutschlands, das er einem ihm bekannten schwedischen Bischof für Verhandlungen mit den Alliierten übergeben wollte. Metzger wurde verraten und verhaftet. In einem Schauprozess wurde er 1943 zum Tode durch das Fallbeil verurteilt und ein halbes Jahr später, am 17. April 1944, hingerichtet.

Nach seiner Hinrichtung blieb die Stelle des Spirituals in Meitingen vakant. Erst nach dem Krieg übernahm der früher in Meßkirch tätige und während der Naziherrschaft zu KZ-Haft verurteilte Vikar Karl Kimmig für ein Jahr die Nachfolge Metzgers.

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