Meßkircherin siegt als erste Frau bei der ADAC-TCR: „Ich mache auch nichts anderes als die Kerle“

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 Michelle Halder aus Meßkirch träumt davon, vom Motorsport leben zu können.
Michelle Halder aus Meßkirch träumt davon, vom Motorsport leben zu können. (Foto: Alena Ehrlich)
Crossmedia-Volontärin
Schwäbische Zeitung

Als erste Frau hat Michelle Halder aus Meßkirch das ADAC TCR Germany im Niederländischen Zandvoort gewonnen. Dort war Halder im Team ihres Bruders Mike Halder mit einem Honda Civic an den Start gegangen. Im Gespräch mit Alena Ehrlich spricht die 20-Jährige über Frauen im Motorsport, ihren Start-Ziel-Sieg in den Niederlanden und den Traum, hauptberuflich vom Motorsport leben zu können.

Frau Halder, Sie haben als erste Frau die TCR Germany Serie gewonnen. Was bedeutet dieser Sieg für Sie?

Ich war ja letztes Jahr schon in dieser Serie und bin am zweiten Rennwochenende als erste Frau aufs Podium gefahren. Weil der Erstplatzierte ein Gaststarter war, bekam er jedoch keine Punkte. Dadurch habe ich die volle Punktzahl bekommen und das Rennen mehr oder weniger gewonnen, aber eben als Zweite. Das war letztes Jahr schon etwas Besonderes. Und für dieses Jahr war dann natürlich mein Ziel, wirklich ganz oben auf dem Podium zu stehen und als Erste über die Ziellinie zu fahren. Das habe ich jetzt geschafft und es war ein grandioses Rennen. Auch dass mein Bruder auf Platz Drei ins Ziel kam und wir dann zusammen auf dem Podium standen, war nicht zu toppen. Das war alles perfekt.

Das Wochenende in Zandvoort hat für sie nicht einwandfrei angefangen. Warum?

Das Rennen in Zandvoort ist direkt am Meer und wenn es da regnet, dann regnet es richtig. Am Anfang hat es gestürmt und wir hatten sogar ein paar Kilometer weiter eine Tornado-Warnung. Dementsprechend waren auch die freien Trainings schwierig. Mit dem Team mussten wir alles Mögliche austesten, wobei ein paar Sachen schief gelaufen sind. Auch das Qualifying ist nicht perfekt gelaufen. Dann bin ich aber doch noch als Zehnte reingekommen. Und bei der TCR Germany ist das so, dass im zweiten Rennen die ersten zehn Plätze getauscht werden. Wenn man also im Qualifying auf Platz zehn war, startet man im zweiten Rennen von der Pole. Das war mein Glück.

Motorsport ist ja in erster Linie als Männer-Domäne bekannt. Als Frau sind Sie dort eher die Ausnahme. Ist es schwer für Sie , sich zwischen der männlichen Konkurrenz zu behaupten?

In der TCR bin ich nie mit Vorurteilen konfrontiert worden, im Gegenteil: In diesem Jahr bin ich die einzige Frau in dieser Rennserie. Das ist zwar schade, aber dadurch steche ich auch heraus. Klar ist es ein Männersport und wenn eine Frau schneller ist, freuen sich die Jungs nicht wirklich darüber. Es kommt auch immer darauf an, wie sie erzogen wurden. Wenn es von Anfang an in der Familie heißt, Frauen können sowieso kein Auto fahren, dann denken die Söhne das auch. Dann muss ich ihnen eben das Gegenteil beweisen. Ich bin zwar eine Frau, aber ich mache auch nichts anderes, als die Kerle da draußen. Ich kämpfe genau gleich und habe gleich viel Leidenschaft dafür.

Egal ob Mann oder Frau - Motorsport ist schon ein außergewöhnliches Hobby. Wie sind Sie denn dazu gekommen?

Mein Bruder Mike ist von klein auf Kart gefahren. Und wir sind als Familie immer zusammen zur Rennstrecke gegangen. Irgendwann habe ich mich in das Kart reingesetzt und gesagt: Ich will jetzt auch eins, sonst steige ich hier nicht mehr aus. Das hat dann auch funktioniert. Da war ich fünf Jahre alt.

Ihr Bruder hat Sie zum Motorsport gebracht, Sie fahren beide in einem Team. Wie groß ist da der Konkurrenzkampf unter den Geschwistern?

Letztes Jahr war es das erste Mal, dass wir gegeneinander gefahren sind. Das war schon komisch. Im Kartsport war er immer in einer anderen Klasse, weil er drei Jahre älter ist. Zusätzlich ist er mein Teamchef und hat im Tourenwagenfahren auch mehr Erfahrung als ich. Er gibt mir viele Tipps weiter, die ich auch dankbar annehme. Es ist auch wirklich so, dass wir miteinander da sind und uns gegenseitig pushen. Wir sagen uns auch immer: Lieber gewinnst du, als jemand anderes. Wir sind ja Bruder und Schwester und freuen uns einfach, wenn einer von uns auf dem Podium steht.

Sie haben in Ihrer Laufbahn vom Kartsport über Formel bis hin zum Tourenwagen schon viele Erfolge eingefahren. Welche Ziele wollen Sie im Motorsport noch erreichen?

Mein Ziel und mein Traum ist es, vom Motorsport leben zu können. Für meinen Bruder und mich war aber immer auch klar, dass wir eine Ausbildung brauchen. Im Motorsport kann es sehr schnell vorbei sein. Ich habe meine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht und der Beruf macht mir auch Spaß, aber der Motorsport ist immer etwas wichtiger. Bevor ich feiern gehe, gehe ich lieber ins Fitnessstudio oder schaue mir die Videos von den Rennen noch einmal an. Dabei kann man viel lernen. In der TCR wäre der nächste Schritt die Europameisterschaft, danach kommt nur noch die Weltmeisterschaft. Dann ist man auch ein Werksfahrer und von Hauptberuf Rennfahrer. Das ist auf jeden Fall mein Ziel und mein Traum.

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