Meßkirch hat noch viele Raucherlokale

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Thomas Schmid, Stammgast im „Viva“, raucht genussvoll ein Zigarettchen und trinkt dazu ein Bier.
Thomas Schmid, Stammgast im „Viva“, raucht genussvoll ein Zigarettchen und trinkt dazu ein Bier. (Foto: Fotos: Christoph Wartenberg)
Redakteur Sigmaringen

Vor zehn Jahren wurde das Rauchen in Gastwirtschaften verboten. Nach ersten Protesten haben sich die Leute inzwischen daran gewöhnt, dass sie in der Regel das Lokal verlassen oder einen gesonderten Bereich aufsuchen müssen, wenn sie rauchen wollen. Besonders viele Kneipen, in denen noch geraucht wird, gibt es in Meßkirch. Die SZ hat sich in einigen davon umgehört.

Generell ist in Baden-Württemberg Rauchen in Gaststätten und vor allem Speisegaststätten zum Schutz der Nichtraucher verboten. Ausnahmen für Gaststätten bestehen bei vollständig abgetrennten Nebenräumen, wenn diese Räume in deutlich erkennbarer Weise als Raucherräume gekennzeichnet sind. Außerdem gelten Ausnahmen in Gaststätten mit weniger als 75 Quadratmetern Gastfläche auch ohne abgetrennten Nebenraum, wenn keine oder lediglich kalte Speisen einfacher Art angeboten werden. Personen mit nicht vollendetem 18. Lebensjahr haben dort keinen Zutritt und die Gaststätte muss am Eingangsbereich in deutlich erkennbarer Weise als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein.

Grazyka Braca stammt aus Polen, ist seit 30 Jahren in Deutschland und ist seit sieben Jahren Wirtin im „Viva“ am Adlerplatz. Hier sitzen die Gäste beim Bier und rauchen genüsslich eine Zigarette und schauen Sportsendungen. Früher hat sie ein Lokal gleichen Namens an anderer Stelle in Meßkirch betrieben. „Als damals vor zehn Jahren das Rauchverbot kam, habe ich gedacht, jetzt gehe ich bankrott und an Silvester habe ich beschlossen, wir rauchen trotzdem“, erzählt sie. „Ob ich nun die Konzession riskiere oder pleite gehe, das kommt aufs Gleiche raus, habe ich mir gedacht.“ Das sei damals für Wirte ziemlich schwierig gewesen, erinnert sie sich. Dann aber kam eine Lockerung des Verbots.

Braca ist selbst Raucherin und auch ihre Aushilfe Franziska Gronwald raucht ganz gerne mal eine Zigarette. Nachdem das alte „Viva“ umgenutzt wurde, bot ihr der Vermieter die neuen Räume am Adlerplatz an. Auf 72 Quadratmetern wird nun fröhlich gequalmt. „Ich verstehe ja, dass man in einem Restaurant nicht rauchen darf, aber in einer Bierkneipe ist das was anderes“, sagt sie. Es kämen auch viele Leute von auswärts, die sagten, endlich könne man in der Kneipe Fußball schauen und dabei auch rauchen. Zu essen gibt es, wie vorgeschrieben, nur kalte Kleinigkeiten.

70 Prozent rauchende Gäste

Die „Bier Bar Bärle“ ist die Nachfolgerkneipe des Bären, der vor einem Jahr wegen Baumängeln schließen musste. Marliese Stürle, die Tresenbedienung, die schon früher im Bären gearbeitet hat, sagt, es gebe viel Zuspruch, dass man dort rauchen dürfe. Es gibt im Obergeschoss auch einen Nichtraucherraum, aber da hält sich kaum einer auf. Um die Ecke auf dem Weg zum Schloss ist das „Speckbrettle“. „Ich schätze 70 Prozent meiner Gäste sind Raucher“, sagt Wirt Dieter Kramer, der in Balingen eine weitere Raucherkneipe betreibt. Als das Rauchverbot in Kraft trat, sei das eine schwierige Situation gewesen, erinnert er sich, die Kunden mussten sich erst dran gewöhnen. „Außerdem war das total unruhig, Tür auf, Tür zu, ein Kommen und Gehen.“ Auch auf die Heizkosten habe sich das ausgewirkt und nach 22 Uhr hätte auf der Straße Ruhe herrschen müssen.

„Ich bin der Meinung, da ist ein Schild Rauchergaststätte und wer das nicht mag, der braucht nicht reinzugehen. Volljährige Menschen ab 18 Jahren können das ja wohl selbst entscheiden. „Bei mir kann man rauchen, bis man nichts mehr sieht.“ In Baden-Württemberg sei man ja eigentlich ganz gut bedient, weil das Rauchverbot nicht ganz scharf sei. Und wer wolle denn einem 85-jährigen Rentner sein Viertele und die Zigarre verbieten.

Die „City Bar“ ist eine ehemalige Pizzeria und jetzt eine Raucherkneipe. Eine Gruppe jüngerer Leute hält sich hier auf, Stammgäste. „In Meßkirch gehen alle Nichtraucherkneipen kaputt“, sagt einer von ihnen, „gehen Sie mal in die ,Wunderbar’.“ Und in der Tat, die schicke, neu gerichtete „Wunderbar“ ist leer, obwohl sie einen abgetrennten Raucherraum hat. In allen anderen Kneipen gibt es Kundschaft. So auch in der Sportbar „Grüner Baum“, wo die Gäste ebenfalls rauchend ein Fußballspiel verfolgen. Wirt Martin Hofmann sagt: „Fußball ohne Rauchen funktioniert nicht.“ Selbst aus Sigmaringen kämen jüngere Leute, die sagten, dort sei nichts los.

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