Kreenheinstetten feiert Umstellung auf Nahwärme

Lesedauer: 4 Min
 Bei dem Festakt in Kreenheinstetten freuen sich Jörg Dürr-Pucher von der Firma Solarcomplex (von links), die Landtagsabgeordnet
Bei dem Festakt in Kreenheinstetten freuen sich Jörg Dürr-Pucher von der Firma Solarcomplex (von links), die Landtagsabgeordneten Franz Untersteller und Andrea Bogner-Unden sowie Bürgermeister Armin Reitze über die neue Nahwärmeversorgung. (Foto: Bernhard Strohmaier)
Bernhard Strohmaier

Mit einem Festakt im Bürgersaal ist in Kreenheinstetten die Umstellung auf Nahwärme gefeiert worden. „Wir haben alles richtig gemacht“, sagte Bürgermeister Armin Reitze in seiner Ansprache. Neben dem Nahwärmenetz in Leibertingen sei mit dem Ausbau in Kreenheinstetten ein wichtiger Meilenstein erreicht worden. Dabei habe es aber auch viele Probleme zu lösen und Argumente für die neue Energiequelle zu finden gegeben.

Der Landesminister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller (Die Grünen), zeichnete den Ort mit einer Plakette aus. „Hier wird Energiewende gelebt“ ist darauf zu lesen. Für den Abgeordneten sei die Energiewende im Wärmebereich eine zwingende Antwort auf den immer deutlicher werdenden Klimawandel. Zudem bedeute die Umstellung, dass die Wertschöpfung im eigenen Ländle bleibt. Öl aus der Ferne sei auf lange Sicht gesehen eher teuer und die Entwicklung fraglich. „Bisher ist Öl viel zu billig“, sagte Untersteller. Ein Stück Unabhängigkeit von Öl- oder Gaslieferungen könne nur von Vorteil sein. Komme eine Steuer auf CO2, so seien die Nutzer der Nahwärme nicht betroffen, denn es werde ja Biogas genutzt. Leibertingen habe hier eine Vorbildfunktion für andere Gemeinden. Im Januar 2019 erhielt die Gemeinde das Bronzezertifikat des European Energy Awards für die Maßnahmen im Energiesektor.

Projekt kostet insgesamt 2,5 Millionen Euro

Seit Jahresmitte werden 50 Haushalte mit Nahwärme versorgt, außerdem gibt es 15 Vorverlegungen auf Grundstücke und 22 Vorverlegungen in Gebäude. Diese werden gleichzeitig auch von der BLS per Glasfaser an das schnelle Internet angeschlossen. Rund 2,5 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert. Die Teilnahme am Landeswettbewerb „Klimaschutz mit System“ brachte 480 000 Euro an Zuwendungen vom Land Baden-Württemberg. Mit den Fördermitteln für Kraftwärmekopplung konnten somit insgesamt 950 000 Euro gedeckt werden. Innerhalb von 20 Jahren sollen die Investitionen erwirtschaftet werden.

Kreenheinstettens Ortsvorsteher Guido Amann referierte zur Geschichte des Energiewandels im Ort. Dabei blickte er auch auf die Zeiten vor der Ölheizungen zurück. Früher sei im Frühjahr praktisch jede Familie damit beschäftigt gewesen, im Wald Holz zu holen, das später für die Wärme sorgen sollte. Im Laufe der Modernisierung stellten viele Haushalte auf Ölheizungen um oder nutzten Elektroheizungen. Mit der neuen Energie vom Leibertinger Bäumlehof ändere sich nun erneut die Energiequelle. Aus Grünschnitt und Rinderdung wird dort Biogas erzeugt. Das Gas wird auch zum Ortsteil Leibertingen geleitet, wo die Nahwärme erzeugt wird. Bei den Blockheizkraftwerken wird neben Strom Wärme erzeugt, die nun für Nahwärme genutzt wird.

Falls die Energie aus Biogas nicht ausreichen sollte, seien außerdem zwei Anlagen mit Hackschnitzeln in der Lage, die Versorgung zu gewährleisten, sagte Amann. Zudem gebe es zwei weitere Pufferspeicher mit jeweils 100 000 Litern Volumen, die Engpässe eine Zeit lang überbrücken und Wärme zwischenspeichern können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen