Kreativer Pfarrer sorgt für Verwicklungen

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 So sieht Doppelmoral aus. Das Kruzifix ist mit einem Geschirrtuch verhängt, daneben ziert ein Foto von Papst Franziskus die Wan
So sieht Doppelmoral aus. Das Kruzifix ist mit einem Geschirrtuch verhängt, daneben ziert ein Foto von Papst Franziskus die Wand. Und auch im Erschließen von Geldquellen ist Pfarrer Alfons findig. (Foto: karl-peter neusch)
Karl-Peter Neusch

Die unorthodoxen und kreativen Ideen und Methoden eines schlitzohrigen Landpfarrers, Spendengelder für die dringend notwendige Renovierung seiner Pfarrkirche aufzutreiben, haben Stoff in Fülle für amüsante Verwicklungen und Turbulenzen beim Weihnachtstheater der Laienspielgruppe Frohnstetten geboten.

Im unterhaltsamen Dreiakter „Dem Himmel sei Dank“ aus der Feder von Bernd Gombold, bekannter Autor aus der Region, zogen die Frohnstetter Theaterspieler einmal mehr alle Register ihres schauspielerischen Potenzials und rissen das begeisterte Publikum in der voll besetzten Schmeientalhalle in Oberschmeien immer wieder zu Lachsalven und spontanem Szenenapplaus hin.

Auch die Rollenverteilung saß: Alle Akteure identifizierten sich voll und ganz mit den Charakteren und den Eigenarten der handelnden Personen und interpretierten ihre Rollen mit ausdrucksstarker Mimik und lebendiger Gestik. Wirkungsvoll eingestreute lokale Bezüge verliehen der Handlung zusätzlichen Schwung.

Kartenspiel und Zimmervermietung

Pfarrer Alfons, herausragend verkörpert von Alfio Tomaselli, zeigt sich bei der Suche nach Geldquellen für die Kirchenrenovation einfallsreich und erfinderisch. Nächtliche Kartenspielrunden im Pfarrhaus für den guten Zweck sowie der Verkauf selbst gebrannten Zwetschgenwassers stoßen naturgemäß aber nicht überall auf Gegenliebe.

Solcherlei fragwürdige Methoden kann die sittenstrenge, aber hochgradig scheinheilige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elfriede Engel, umwerfend dargestellt von Luana Garcia-Marchese, selbstverständlich nicht gutheißen. Zumal sie auch noch die Hilfe des Pfarrers bei der Vermittlung ihrer Nichte Uschi (Celine Garcia-Marchese) in ein nahe gelegenes Kloster einfordert. Pfarrer Alfons hat inzwischen mit der geplanten Vermietung von Zimmern im Pfarrhaus eine weitere Geldquelle im Visier, zum Entsetzen seiner quirligen und schlagfertigen Haushälterin Hermine (Paraderolle für Gerlinde Tommerdich), die mit dem trinkfesten und stinkfaulen Mesmer Johannes (Andreas Beck) und dessen kratzbürstiger Ehefrau Emma (Lara Tommerdich) schon genug Probleme am Hals hat.

Die explosive Stimmung eskaliert schließlich mit dem Auftauchen des Domkapitulars Dr. Jüngling, der im Auftrag des Bischofs wieder für Ordnung in der Pfarrgemeinde sorgen soll. Dieter Tommerdich glänzt in der Rolle des Kirchenvertreters, der zwar vordergründig streng die moralischen Grundsätze verteidigt, sich gleichzeitig aber leiblichen Genüssen nicht abgeneigt zeigt.

Seine Drohung, den armen Pfarrer Alfons wegen seiner unschicklichen Methoden nach Stetten auf den Heuberg strafzuversetzen, lässt die Stimmung im Pfarrhaus auf den Tiefpunkt sinken. Die ersten Mieter – wie die schrille Aerobiclehrerein Heidi (Natascha Dreher) und der listige Student Siggi (Jan Sessler), die inzwischen eingetroffen sind, werden dank Haushälterin Hermine in ein turbulentes Verwechslungsspiel eingebunden, um den Domkapitular doch noch umzustimmen.

Für zusätzliche Verwirrung sorgen der altledige Hans (Manuel Hartmann), der hartnäckig versucht beim Pfarrer vorzusprechen und immer wieder abblitzt sowie die introvertierte Handarbeitslehrerein Heidemarie (Beate Rebholz), der das Ganze einfach nur hochgradig „peinlich“ ist.

Das Ganze löst sich erst in Wohlgefallen auf, als Domkapitular Jüngling nach reichlichem Genuss von Beerenwein selbst in eine hochnotpeinliche Situation gerät und schließlich die angedrohte Strafversetzung des engagierten Dorfpfarrers zurücknimmt.

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