Junge Landwirte protestieren mit Traktordemo und Mahnfeuer

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 Die Landwirte demonstrieren unter anderem mit Schildern wie „Keine Farmer, kein Essen, keine Zukunft“, die an ihren Landmaschin
Die Landwirte demonstrieren unter anderem mit Schildern wie „Keine Farmer, kein Essen, keine Zukunft“, die an ihren Landmaschinen angebracht sind. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Mit 75 Traktoren sind Jungbauern aus dem ganzen Landkreis sowie den Nachbarkreisen Zollernalb und Tuttlingen auf den Heuberg gekommen, um mit einem Mahnfeuer, grünen Kreuzen und einem Demozug auf ihren Agrarmaschinen gegen das vom Umweltministerium verabschiedete „Agrarpaket“ zu demonstrieren.

Dazu aufgerufen hatte Lorenz Halder, Jungbauer aus dem Stettener Ortsteil Nusplingen und die örtliche Landjugend. Mit dabei war die Landtagsabgeordnete der Grünen, Andrea Bogner-Unden, ihr Pendant von der CDU, Klaus Burger, Andreas Dreyer vom Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverband sowie Max Späth, Jungbauer aus Herbertingen.

Der Wind peitschte den Teilnehmern und Zuschauern ins Gesicht, der Boden vor dem Heubergstadion war durch Nässe und schwere Traktorenreifen aufgewühlt und Gummistiefel waren das Schuhwerk der Stunde – doch angesichts der vielen Demonstranten und einer ganzen Reihe von Zuschauern schien das Wetter keinen Landwirt davon abzuhalten, an dieser Demo teilzunehmen.

„Das Land muss brennen für die regionale Landwirtschaft, deshalb tragt das Feuer weiter“, appellierte Max Späth, der Lorenz Halder und seine Mitstreiter unterstützte, an die Landjugend. Alle müssten an einem Strang ziehen, „aber wir wollen nicht den Eindruck entstehen lassen, gegen alles zu sein“. Aber es dürfe nicht sein, die Umweltproblematik allein den Landwirten anzulasten.

Zu wenig offene Dialoge

Das sah auch Andreas Dreyer so. Er rief dazu auf, in offenen Dialog mit Verbrauchern, Politik und den Bauern zu treten, das sei in der Vergangenheit viel zu wenig praktiziert worden. Deswegen klaffe eine breite Wissenslücke zwischen dem, was der Landwirt tut und dem, was der Verbraucher in Sachen Produktionsmethoden annimmt.„Es sind bewegte Zeiten mit vielen emotionalen Themen, die den Nahrungsmittelerzeugern zu schaffen machen“, sagte er. So beispielsweise das Volksbegehren, Agrarpaket, Eckpunktepapier, Verschärfung Düngeverordnung, Klima oder die Tierwohldiskussion. Es scheine alles an den Bauern zu hängen, doch Verbraucher, Politik, Wirtschaft und der Handel sollten ebenfalls ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Dreyer nannte als Beispiel den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, die auch im Garten- und Landschaftsbau, speziell aber zu einem großen Teil von privaten Gartenbesitzern eingesetzt werden, wo nicht kontrolliert werde.

Auch der Handel sollte verstärkt in die Pflicht genommen werden, denn der lockt mit Schnäppchenpreisen, was letztlich den Ertrag und den Wert der Arbeit des Erzeugers mindert. „Wir hatten noch nie so gute Lebensmittel wie heute, doch nur der Handel verdient sich daran eine goldene Nase“, hob Dreyer hervor. Der Hang zu alten Zeiten, so Dreyer weiter, bringe niemanden weiter: „Mit Visionen und Innovationen wird die Zukunft gebaut.“ Und was die Natur anbelangt, „sind wir schon lange dabei, die Natur zu schützen. Allerdings haben wir dies schlecht verkauft“.

Es müsse besser kommuniziert, aufgeklärt und erklärt werden, denn, so der Fachmann des Bauernverbandes an die Landwirte: „Wir machen einen guten Job.“ Der Politik gab er mit auf den Weg, Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung in ihre Beschlüsse einfließen zu lassen, aber auch bestimmte Aufgaben wieder hoheitlich zu übernehmen wie beispielsweise in der Pflanzenzucht. Heute bestimmten in dieser Hinsicht Großbetriebe darüber, die gleichzeitig auch Pflanzenschutz- und Düngemittel herstellen und vertreiben und damit ihre Vormachtstellung zu ihren Gunsten nutzen würden. „Nicht immer ist die Privatisierung eine gute Wahl gewesen“, sagte Dreyer und erntete damit tosenden Applaus.

Mahnfeuer trotz Regen

Trotz Regen hatte die Landjugend mit der Feuerwehr das Mahnfeuer entfacht. Gleichzeitig wärmte das Feuer wie zur Besänftigung und unterstrich damit die Worte der Redner, ehrlich miteinander umzugehen und Veränderungen nicht nur negativ, sondern als Chance zu sehen.

Bogner-Unden und Burger hielten den konstruktiven Dialog für richtig: „Wir müssen den Landwirten nicht nur Forderungen auferlegen, sondern ihnen auch Perspektiven aufzeigen, wie sie die Herausforderungen meistern können“, so Bogner-Unden. Mit Blick auf faires Kaufverhalten der Verbraucher sagte Burger: „Preiswert heißt nicht billig, sondern dass die Ware ihren Preis wert ist“.

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