Inge Schmittem führt jetzt die Katzenzunft

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Inge Schmittem ist die neue Gildenmeisterin der Meßkircher Katzen.
Inge Schmittem ist die neue Gildenmeisterin der Meßkircher Katzen. (Foto: Kirchmaier)
Schwäbische Zeitung

Die Vorherrschaft der Männer bei der Meßkircher Katzenzunft scheint langsam aber sicher zu bröckeln. Nachdem über sechzig Jahre die Leitung und Aufrechterhaltung der Ordnung bei den „Meßkircher Katzen“ Männerangelegenheit war, wählten bei der Gildenversammlung am Freitag die „Katzen“ Inge Schmittem zur neuen Gildenmeisterin.

Von unserem Mitarbeiter   Karlheinz Kirchmaier

Knapp 60 der insgesamt etwa 150 aktiven Maskenträger kamen ins SV-Heim, um rechtszeitig vor der Zunftversammlung im Januar, in einer eigenen Versammlung den Gilden- und die Maskenmeister neu zu wählen. Aufgaben des Gildenmeisters und der ihm zur Seite stehenden Maskenmeister ist es, für die Einhaltung der vom Katzenrat erlassenen Häs- und Maskenordnung bei öffentlichen Auftritten der Zunft an Fasnacht zu sorgen.

Innerhalb der Katzengilde, der zu etwa 90 Prozent Mädchen und Frauen angehören, war man sich im Vorfeld darüber einig, dass mit der Lehrerin und bisherigen Maskenmeisterin Inge Schmittem erstmals eine Frau die Nachfolge von Enrico Hahnke antreten solle. Hahnke, der die letzten drei Jahre Gildenmeister war, stellte sich aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl.

Nachdem aus der Versammlung kein weiterer Vorschlag mehr kam, schlug Roland Schank, der als Zunftmeister die Wahl leitete, Inge Schmittem als einzige Bewerberin vor. „Ich höre jetzt zum ersten Mal, dass eine Frau Gildenmeisterin werden soll. Ich sehe darin ein absolut falsches Signal“, meldete sich ein 57-jähriges Zunft- und Gildenmitglied daraufhin zu Wort und mahnte die Tradition der Katzenzunft an.

„Die Gilden in der Katzenzunft organisieren sich selber und es gibt von Seiten des Katzesrates keine Regelung, ob ein Mann oder eine Frau Gildenmeister werden kann“, stellte dazu Schank klar und fand in Katzenrat Manne Haug Unterstützung. „Ich finde es absolut in Ordnung und legitim, dass bei einem so hohen Frauenanteil in einer Gilde, auch eine Frau Gildenmeisterin sein kann. Selbst in unserer von Tradition geprägten Narrenvereinigung, der VSAN, gibt es immer mehr Frauen im Narrenrat und die eine oder andere Zunftmeisterin“, so der Altnarrenvater.

Schließlich blieb es beim Vorschlag von Inge Schmittem. Sie wurde per Akklamation bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zur neuen Gildenmeisterin für die nächsten drei Jahre gewählt und bekam riesigen Applaus. Einstimmig wiedergewählt wurden auch die Maskenmeisterinnen Sarah Müller, Ilona Ramsperger und Constanze Kirchmaier. Die beiden neuen Maskenmeister sind Eva Kramer und Thomas Nuding.

Die neue Gildenmeisterin stammt aus der Narrenstadt Ehingen an der Donau und ist schon als Kind und Schülerin mit den „Muckenspritzern“ und den „Kügelen“ an der Fasnet unterwegs gewesen. „Als ich dann 1974 nach Meßkirch kam und mit den „Katzen“ Bekanntschaft machte, hat es gleich gepasst. Nach einer Leihkatze im ersten Jahr habe ich mir dann selbst ein Katzenkostüm genäht. Seither bin ich in der Zunft voll dabei“, so die 58-Jährige. Ob sie als Gildenmeisterin, wie ihre bisherigen männlichen Vorgänger auch als „Oberrelle“ die „Katzen“ bei Narrenumzügen und Narrentreffen anführen oder diese Aufgabe einem anderem „Relle“ aus der Gilde überlassen wird, will sie sich noch überlegen. „Jedenfalls habe ich vor dem Tragen der Katzenscheme mit den ausgesprochenen Rellezügen keine Skrupel“, erklärt Inge Schmittem.

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