Heideggers Enkel kritisiert Diskussion

Lesedauer: 5 Min
Der Enkel Martin Heideggers, Ulf Heidigger, spricht Grußworte auf der Eröffnung der Konferenz im Schloss.
Der Enkel Martin Heideggers, Ulf Heidigger, spricht Grußworte auf der Eröffnung der Konferenz im Schloss. (Foto: Sebastian Musolf)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Meßkirch

Die fünfte internationale Meßkircher Heidegger-Konferenz hat Donnerstagnachmittag im Schloss Eröffnung gefeiert. Im Namen der Familie des in Meßkirch geborenen Philosophen sprach dessen Enkel Ulf Heidegger Grußworte.

Sein Großvater habe dieses Jahr ein großes weltweites Echo erfahren, sagte Heidegger. Im März wurden neue Bände der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers veröffentlicht – sie umfassen mehrere hundert Seiten. In diesen Denktagebüchern aus der Zeit des Dritten Reiches stehen auch judenfeindliche Aussagen des Philosophen. „An zwölf bis 13 Stellen finden sich solche Äußerungen“, sagte der Enkel. „Ich war überrascht. Sollte ich mich in meinem Goßvater getäuscht haben?“, fragte sich der Enkel.

Allerdings habe sich Martin Heidegger während des Dritten Reiches nie öffentlich judenfeindlich geäußert. Auch seine umstrittene Antrittsrede als Rektor der Universität Freiburg vom 27. Mai 1933 enthalte keine antisemitischen Aussagen. „Er hat sich als Rektor nicht gegen jüdische Gelehrte, sondern für diese eingesetzt“, sagte Ulf Heidegger. Seine Großeltern haben zeitlebens enge jüdische Freunde gehabt, wie etwa die Publizistin Hannah Arendt. Martin Heidegger habe dabei nie versucht, diese Beziehungen öffentlichkeitswirksam für sich zu nutzen.

Die Wahrnehmung der „Schwarzen Hefte“, die insgesamt 1200 Seiten stark sind, konzentriere sich allein auf diese besagten Stellen, kritisierte Ulf Heidegger. Seine Interpretation lautet: „Sie sind mehr eine teilweise schwer verständliche, tiefgründige Kritik an der Moderne.“ Verschiedene Glaubensrichtungen und politische Weltanschauungen greife Martin Heidegger hier heftig an: Bolschewismus, Nationalsozialismus, Amerikanismus, Christen- und Judentum. Der Enkel wünscht sich daher mehr Sachlichkeit bei der Auseinandersetzung mit den „Schwarzen Heften.“

Während sich die deutschen Universitäten nur noch wenig mit Martin Heidegger beschäftigen würden, gebe es in Japan, Frankreich, Italien, den USA und in Lateinamerika eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem Denken seines Großvaters. Daher hält es Ulf Heidegger für richtig, dass auf der Konferenz auch Vorträge in englischer und französischer Sprache gehalten werden.

Bürgermeister Arne Zwick kritisierte, dass Menschen, die sich zu wenig auskennen, zu schnell über Martin Heidegger den Stab brechen würden. Die Martin-Heidegger-Stiftung, das Heidegger-Archiv und die Stadt Meßkirch arbeiten eng zusammen, um das Andenken Heideggers in Ehren zu halten – die Konferenz trage dazu bei. Zwick bezeichnete den Philosophen als „wichtigsten Bürger Meßkirchs.“ Die Auseinandersetzung mit seinem Denken könne der Menschheit viel bieten. Zwick lud die Konferenzteilnehmer ein, während der kommenden Tage in Meßkirch und der Region auf den Spuren Heideggers zu wandeln. Die bisherigen vier erfolgten Konferenzen seien alle gut verlaufen.

Rund 80 Vorträge stehen bis Sonntag auf dem Programm. Die mehr als 120 Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt. Der Leiter des Meßkircher Heidegger-Archivs und Museums, Alfred Denker, und Holger Zaborowski, Professor aus Vallendar, haben die Tagung organisiert.

Donnerstagabend fand ein Podiumsgespräch über die besagten „Schwarzen Hefte“ Heideggers statt. Einen ausführlichen Bericht darüber lesen Sie in unserer morgigen Wochenendsausgabe.

Die Heidegger-Konferenz im Schloss Meßkirch findet bis einschließlich Sonntag, 25. Mai, statt. Die Bevölkerung ist eingeladen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen