Gmeiner-Verlag weitet sein Angebot aus

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Rege Nachfrage durch das Fachpublikum gibt es am Frankfurter Buchmessestand des Gemeiner-Verlags.
Rege Nachfrage durch das Fachpublikum gibt es am Frankfurter Buchmessestand des Gemeiner-Verlags. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Der Gmeiner-Verlag präsentiert sich auf der Frankfurter Buchmesse wieder in bewährter Weise. In Halle 3.0 und in bester Nachbarschaft zu den großen Verlagen waren an den ersten drei Tagen der Messe die Tische selten unbesetzt. Für die letzten beiden Tage, wenn nicht nur das Fachpublikum, sondern auch die Öffentlichkeit Zutritt hat, rechnen die Mitarbeiter mit zahlreichen Fans, die sich über die Neuigkeiten des Herbsts informieren.

Die Buchbranche trifft sich einmal im Jahr in Frankfurt. Die Konkurrenz ist groß und agiert weltweit. Besonders im Bereich Belletristik müssen Verlage schauen, wie sie über die Runden kommen. Der Stand von Klöpfer und Meyer (die SZ berichtete), ein bedeutender Literaturverlag im Land ohne Nachfolger, ist geschlossen und verweist so stumm auf die Gefahr, die für alle Verlage im Raum steht. Armin Gmeiner schafft es seit mehr als 30 Jahren, gut im Geschäft zu bleiben: „Die reinen Literaturverlage haben es schwer.“ Sein Verlag setzt schon seit Jahren auf Vielfalt. „Spannung“ und „Kultur“ sind im Moment die beiden wichtigsten Pfeiler. Wobei ersterer für die notwendigen Verkaufszahlen sorgt. Titel wie „Steirerquell: Sandra Mohrs achter Fall“ von Claudia Rossbacher sind Renner und schultern weniger verkaufsträchtige Titel „Die Zahlen müssen stimmen“, so Gmeiner, denn: „Sicher ist man nie, aber es ist wichtig, innovativ zu bleiben und ständig zu überlegen, was gefragt ist.“ Für ihn bedeutet dies, „den Anschluss nicht zu verpassen“.

Mit einer Trilogie, dessen erster Band Anfang Oktober herausgekommen ist, wagte sich der Verlag in diesem Herbst wieder erfolgreich auf neues Terrain: Thomas Erle: Das Lied der Wächter, Teil 1: Das Erwachen. Diese „Dystopie“, die im Gegensatz von einer Utopie ein finsteres Bild der Zukunft zeichnet, geht mit dem Trend. Natürlich hofft der Leser oder Kinobesucher – und wird dabei meist nicht enttäuscht – auf ein Überleben des Helden.

Abenteuer mit Fantasyelementen

Erle, der schon lange im Verlag erfolgreich schreibt, erzählt die Geschichte eines 16-Jährigen, der im atomverseuchten Schwarzwald seine Eltern sucht, die seit seiner Geburt verschwunden sind. Der Autor kennt sich in dieser Gegend bestens aus und bedient somit gleichzeitig in diesem Abenteuerroman mit Fantasyelementen eine große Leserschaft.

Das ganze Team, so Alexander Schulz vom Marketing, war beim „Probelesen“ begeistert. Man sei sicher, dass mit diesem neuen Format auch jüngere Leser auf das Verlagsprogramm aufmerksam gemacht werden können. Seine Kollegin Maike Worczewsky hat das Buch ebenfalls an einem Tag „durchgesuchtet“.

Diese Begeisterung wollen sie weitergeben und nutzen: Am heutigen Samstag wird am Stand ein Blogger-Treffen organisiert. Phantasievolle Einladungen und ein Gespräch mit dem Autor machen aus der Begegnung Autor-Leser-Verlag ein Ereignis. Zudem können die Blogger mit Vorschlägen die Handlung des dritten Teiles möglicherweise beeinflussen. Bereits bewährt ist die Kooperation mit den Buchhandlungen, bei denen man diesem Partner die Zusammengehörigkeit signalisieren kann: Die Leser, die mit Bussen der Buchhandlungen anreisen, können am Stand Karten einwerfen und sich damit für ein „Versorgungspaket“ mit Lesestoff und Getränken bewerben.

Wie vielseitig der Verlag ist, zeigt das reich ausgestattete Hardcover-Buch „Das Stille Nacht Geheimnis“ von Manfred Baumann, das zum 200-jährigen Jubiläum des Weihnachtslieds herausgekommen ist. Gmeiner ist überzeugt, dass es vor allem im Weihnachtsgeschäft seine Leser findet. 170 neue Titel pro Jahr verlegt er mit 30 Mitarbeitern und möchte bei dieser Größe bleiben: „Weniger Titel und noch mehr Absatz wäre natürlich ideal“. Und er fügt hinzu: „Es ist nicht einfach, heutzutage einen unabhängigen Verlag zu führen. Man braucht ein engagiertes Team, Begeisterung für die Sache und immer wieder neue Ideen.“ Der Buchmarkt bleibt ein dynamisches Zusammenspiel zwischen Autor, Verlag, Buchhandlung und Leser.

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