Gemeinde Leibertingen führt einen 14er-Rat ein

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Die Jugend soll im Ratssaal auch eine Stimme erhalten.
Die Jugend soll im Ratssaal auch eine Stimme erhalten. (Foto: Archiv: Gerd Mägerle)
Schwäbische Zeitung
Doris Futterer

Als zehnte Gemeinde im Landkreis hat sich auch der Leibertinger Gemeinderat für die Einrichtung eines beratenden Gremiums aus 14-jährigen Jugendlichen ausgesprochen. Das Forum Jugend/Soziales/Prävention organisiert das Projekt 14er-Rat mit einer Ein-Viertel-Personalstelle pro Gemeinde. Finanziert wird dieses Projekt ein Jahr lang vom Projekt „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Am Sitzungsabend erläuterten die Projektverantwortlichen Dietmar Unterricker vom Landratsamt, Fachbereich Jugend, sowie Roland Schönbucher und Nadine Natterer vom Forum Jugend/Soziales/Prävention die Umsetzung.

Seit Oktober 2015 ist die Beteiligung von Jugendlichen in den Gemeinden vorgeschrieben. Mit der Bildung eines Gremiums, zu dem zunächst alle 14-Jährigen eingeladen werden, wird dieser Vorschrift entsprochen. Die Jugendlichen werden zu einem ersten Treffen in der Gemeinde eingeladen und kommen dann später zum Arbeiten an spezifischen Projekten in den einzelnen Ortsteilen zusammen.

Eine pädagogische Fachkraft wird die Jugendlichen in Kontakt bringen, die Impulse aufnehmen und den weiteren Prozess moderieren. Für das erste Jahr muss die Gemeinde lediglich einen Raum mit Internet und einen Ansprechpartner bereitstellen. Roland Schönbucher hat die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen nach der Arbeit an einem Projekt über drei bis vier Monate, eventuell mit Eigenleistungen bis zur Realisierung, danach keine Lust hätten, ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. „Dann muss man sie in Ruhe lassen und eher Grundschüler oder ältere Jugendliche einladen.“ Dietmar Unterricker erklärte, dass die Jugendbeteiligung mit ihrem Start als 14-er Rat eigentlich ein nicht endender Prozess sein solle. Aber die Gemeinde steht rechtlich nur dann in der Pflicht, wenn Jugendliche selber auf die Gemeinde zukommen.

Enger Freizeitrahmen für die Jugendlichen

Gemeinderat Guido Amann äußerte Bedenken, dass eventuell nicht genügend 14-Jährige in den Ortsteilen vorhanden sein könnten und die Treffen zur Jugendbeteiligung eine Konkurrenz zu den bestehenden Vereinen und anderen Jugendorganisationen darstellen könnten. „Das wären zusätzliche Termine in der engen Freizeit der Jugendlichen und die Eltern wären schon wieder als Fahrdienst gefordert“, sagte der Altheimer Ortsvorsteher Helmut Straub.

Guido Amann und Christoph Möhrle wünschten sich keine ortsteilbezogenen Projekte, sondern gemeinschaftliche Aktivitäten der Jugendlichen für die Gesamtgemeinde, weil Leibertingen unter der Struktur aus vier Teilgemeinden zu leiden habe. „Was bei den Erwachsenen nicht funktioniert, das geht auch bei den Jugendlichen nicht“, sagte Dietmar Unterricker und nahm damit den Räten diese Hoffnung: „Die Jugendlichen entwickeln ein Thema für sich und das ist immer von Ortsteil zu Ortsteil unterschiedlich.“

Die von Christoph Möhrle erinnerte, angespannte finanzielle Situation hatte Hubert Stekeler im Hinterkopf, als er forderte: „Es darf nicht auf eine To-do-Liste für die Gemeinde hinauslaufen, die dann ohne Jugendbeteiligung abzuarbeiten ist.“

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