Garten- und Wohnverein löst sich auf

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 Der bisherige Vorstand führt die Geschäfte bis zur Auflösung des Vereins.
Der bisherige Vorstand führt die Geschäfte bis zur Auflösung des Vereins. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Nach 83 Jahren haben für den örtlichen „Garten- und Wohngemeinschaftsverein“ die Totenglocken geläutet. Bei der 83. Hauptversammlung des ehemaligen Siedlerbundes beschlossen die anwesenden Mitglieder die Auflösung des Vereins, weil sich keine neue Vorstandschaft finden ließ.

Der bisherige stellvertretende Gemeinschaftsleiter Jürgen Schäfer aus Nusplingen/Bärental, der den Verein seit dem vergangenen Jahr bereits schon kommissarisch führte, hatte damals bereits angekündigt, für keinen Posten mehr kandidieren zu wollen, ebenso der Kassenwart Werner Bubser. Trotz der Bereitschaft von Harald Beha, Mitglied im Landesverband Wohneigentum (LV) Baden-Württemberg, sowie Petra Oswald, Beisitzerin im LV, sich in den Vorstand einzubringen, hat die Versammlung dies abgelehnt. Begründung: sowohl Beha, der aus Villingen-Schwenningen kommt, als auch die aus der Nähe von Singen stammende Oswald seien zu weit weg, um den Verein adäquat führen zu können.

„Dabei“, so sagte Harald Beha in einem Gespräch, „wollten wir nur helfen, die Gemeinschaft für ein weiteres Jahr zu erhalten“. In dieser Zeit sollte ein neuer Gemeinschaftsleiter gefunden werden. Denn mit Cordula Speer hat sich eine Stettenerin bereit erklärt, den Vizevorsitz zu übernehmen. Aber da in einer geheimen Wahl die Kandidatur von Harald Beha und Petra Oswald abgelehnt worden ist und auch der Kassenwart trotz gutem Zureden nicht zu bewegen war, noch für ein Jahr die Kasse zu führen, zog auch die Kandidatin ihre Zusage zurück, zumal sie von den Anwesenden bedrängt wurde, den Vorsitz ganz zu übernehmen.

Liquidatoren bestimmen

Mit Beschluss der Versammlung stand somit fest, dass der noch für das Jahr 2019 bestehende Verein wie angekündigt, der Auflösung zugeführt werden muss. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sollen die Liquidatoren bestimmt und das weitere Prozedere festgelegt werden. Beispielsweise müssen die vereinseigenen Gerätschaften und Maschinen erfasst, bewertet und zum Verkauf ausgeschrieben werden. Das mit viel Herzblut vor einigen Jahren hergerichtete Vereinshaus muss an die Gemeinde zurückgegeben werden und vieles andere mehr.

Damit verlieren die Vereinsmitglieder nicht nur die Möglichkeit, sich Geräte und Maschinen für den eigenen Garten ausleihen zu können oder mit dem Mitgliedsausweis Rabatte bei Firmen und Einzelhandel zu bekommen. Sammelbezug von Energieträgern, Fachvorträge zu Themen betreffend Wohneigentum und Garten, Schnittkurse und allerhand mehr gehört zu den Vorteilen der Mitgliedschaft im Ortsverein.

Mit der Vereinsauflösung endet zwar nicht automatisch die Mitgliedschaft, da der Verein zum LV Wohneigentum gehört, jedoch ist die Einzelmitgliedschaft im LV teurer als über den Ortsverein, informierte Harald Beha: „Jedes Mitglied muss eigenhändig kündigen, falls es austreten will“.

Bürgermeister Maik Lehn, der die Entlastungen vornahm, bedauerte das Ende der Gemeinschaft, denn wie er sagte, sei dies bereits der vierte Verein der Gemeinde, der mangels aktiver Ehrenamtlicher seine Arbeit einstellen muss.

Über die Ehrungen bei der Versammlung wird die SZ noch berichten.

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