Frohnstetten trauert um Hubert Sessler

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 Hubert Sessler ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
Hubert Sessler ist im Alter von 81 Jahren gestorben. (Foto: privat)
Karl-Peter Neusch

Bereits am Silvestertag ist Hubert Sessler aus Frohnstetten nach längerer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Durch seinen Tod verliert die Gemeinde einen weit über die Heubergregion hinaus beliebten und geschätzten Mitbürger, der sich zeitlebens mit viel persönlichem Engagement und Herzblut für die Belange seines Heimatdorfes einsetzte.

Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Maurerlehre bei der Firma Julius Brunner in Frohnstetten und einer weiteren Station bei der Baufirma Schweizer, war Hubert Sessler lange Jahre als Betriebshandwerker bei der ehemaligen Ebinger Textilfirma York beschäftigt. In dieser Zeit war er unter anderem beim Bau der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen sowie der großen Franzosenwohnblöcke für die Stettener Garnison beteiligt.

In dieser Zeit gründete er zusammen mit seiner Frau Maria eine Familie, bezog sein selbst gebautes Eigenheim an der Buchauer Straße und sah seine drei Kinder aufwachsen, denen er mit seiner Schaffenskraft und seinem handwerklichen Geschick immer zur Seite stand, wenn er gebraucht wurde.

Unermüdlicher Arbeitseifer

Aus seiner Liebe zur Natur heraus entwickelte sich schnell eine enge Beziehung zur Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, in der er mehr als 40 Jahre lang in verschiedenen Funktionen tätig war. Mit unermüdlichem Arbeitseifer sorgte er als Streckenpfleger dafür, dass das von der Ortsgruppe betreute großflächige Wanderwegenetz immer in Schuss und bestens markiert war.

Gold wert für den Verein war außerdem Hubert Sesslers Erfahrung im Bauen. Allein beim Umbau und der Sanierung des alten Rathauses zum Vereinsheim, die er federführend begleitete, leistete er Hunderte freiwillige Arbeitsstunden und trug mit seinen Ideen und seiner Erfahrung maßgeblich zum Gelingen des Projekts bei.

Seine größte Leidenschaft entwickelte er aber für die Aufarbeitung und Bewahrung der Frohnstetter Heimatgeschichte. Jede freie Minute nutzte Hubert Sessler dazu, um Zeitzeugen zu befragen, in Archiven zu stöbern und alte Dokumente und Landkarten zu entschlüsseln. Wenn es um heimatgeschichtliche Fragestellungen ging, war Sessler stets die erste Anlaufstelle. Mit der Zeit eignete er sich immenses Wissen an und häufte eine Vielzahl von Exponaten und Dokumenten an, sodass irgendwann die Idee geboren wurde, diese Schätze auch der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen.

Zunächst auf dem Dachboden des alten Rathauses und später im ehemaligen Grundschulgebäude vollendete Hubert Sessler nach und nach sein Lebenswerk: das Frohnstetter Heimatmuseum, das im Herbst 2017 feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Seine einmalige Sammlung historischer Fruchtsäcke, bäuerlicher und handwerklicher Gerätschaften aus früheren Zeiten, historischer Bilder, Karten und Fundstücke – alles fein säuberlich geordnet und in selbst gebauten Vitrinen platziert – das alles lässt die Frohnstetter Geschichte lebendig werden. Es ist sicher in seinem Sinne, dass seine Tochter Sigrid und ihre Mitstreiter vom Albverein dieses historische Erbe nach seinem Tod weiterentwickeln und pflegen werden.

Erstaunlich ist, dass Hubert Sessler neben seinem Interesse an der Heimatgeschichte und an der Natur noch ein weiteres Steckenpferd mit großer Hingabe pflegen konnte: die Liebe zur Musik. 60 Jahre lang war er als aktiver Musiker im Musikverein Frohnstetten tätig. In dieser Zeit bekleidete er mehrere Vorstandsämter. Sesslers vielseitiges Engagement wurde verdientermaßen mit verschiedenen hochrangigen Auszeichnungen vonseiten der örtlichen Vereine, Verbände, der Gemeinde und des Landes Baden-Württemberg honoriert.

Hubert Sessler selbst stellte seine Person nie in den Vordergrund. Er selbst sah sich immer bescheiden als „Schaffer“ im Hintergrund, der zuverlässig zur Stelle war, wenn man ihn brauchte. Als solcher wird er vielen in guter Erinnerung bleiben.

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