Fall Joris bei Aktenzeichen XY im ZDF verstört selbst Ermittler - das ist bislang bekannt

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Der Säugling Joris ist auf dem Stettener Friedhof in der Kinderabteilung begraben. Die Polizei sucht immer noch nach der Mutter. (Foto: Archiv: Laura Keiß)
Online-Redakteur

"Damit umzugehen ist nicht einfach - das wünscht man eigentlich keinem Kollegen", antwortet der Erste Kriminalhauptkommissar Siegfried Kromer im Fernsehen auf die Frage von Aktenzeichen XY-Moderator Rudi Cerne, wie er als erfahrener Ermittler den Fall um die in einem Waldstück bei Frohnstetten gefundene Babyleiche verkraften könne. 

+++ Hier geht's zur Meldung vom September 2018: Toter Säugling im Wald von Frohnstetten gefunden +++

In der Spielszene zum Fall Joris wird deutlich: Dass der Waldbesitzer, der auf einem Hof bei Kaiseringen lebt, die Babyleiche gefunden hat, ist purer Zufall.

Waldbesitzer vermutet zunächst nur eine Babypuppe

Er begibt sich am Vormittag des 3. September in sein Waldstück, um Obst als Wildtierfutter auszulegen. Schon öfter hat der Mann Müll von Fremden in seinem Waldstück gefunden und entsorgt.

Also ist er zunächst nicht überrascht, als er eine rote Tüte und ein Handtuch entdeckt - und etwas, das aussieht wie eine Babypuppe. Bei näherer Betrachtung fällt ihm auf: Das ist keine Puppe, sondern eine Leiche!

Völlig schockiert beschließt der Mann, sofort zum Polizeiposten Winterlingen zu fahren, doch dabei geht einiges schief: Zuerst hat er eine Panne mit dem Auto und als er endlich eintrifft, sind die Beamten auch noch weg - im Einsatz.

Sichergestellte Fundstücke

Als die Ermittlungen dann am Nachmittag endlich in Gang kommen, kristallisieren sich drei Indizien heraus:

1. Das Handtuch:

Das ältere graue Badetuch mit zwei roten und einem weißen Längsstreifen, in dem das Kind eingewickelt war, stammt aus der "Pacific Collection" der belgischen Firma Suntens und wurde über das Internet vertrieben. 


Die Polizei hat am Fundort des toten Babys ein Handtuch und eine Tüte sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nun den entsc
Die Polizei hat am Fundort des toten Babys ein Handtuch und eine Tüte sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nun den entscheidenden Hinweis. (Foto: Fotos: Polizei)

2. Die Tüte: 

Die rot-weiße Tüte mit dem Werbeslogan "Wäsche zum Wohlfühlen" stammt vom Textilhersteller con ta (Conzelmann Tailfingen) aus Albstadt. Wie die Ermittler in Erfahrung bringen konnten, wurde diese von der Firma nur bis März 2018 ausgegeben.

Zusammen mit dem toten Baby wurde diese Tragetasche in dem Waldstück bei Frohnstetten gefunden. (Foto: Polizei)

3. Das Autopsieergebnis:

Die Mutter des nur wenige Stunden nach der Geburt erstickten Kindes war nicht nur drogenabhängig, sondern hat vermutlich auch schwere psychische Probleme.

Bei der Autopsie des Säuglings wurden nicht nur Spuren von Heroin, Kokain und Schmerzmitteln gefunden, sondern auch Spuren von Neuroleptika mit dem Wirkstoff Clozapin.

Medikamente geben Aufschluss über Zustand der Mutter

Dieses Medikament werde nur bei schweren Depressionen oder schweren Psychosen wie zum Beispiel Schizophrenie verschrieben, sagt die Gerichtsmedizinerin in der Spielszene. Außerdem müssen sich Patienten regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen. 

Deswegen habe man auf der Suche nach der Frau, welche die Ermittler nicht nur als Mordverdächtige, sondern auch wegen ihres großen gesundheitlichen Risikos finden wollen, die Ärzte und Apotheker in der Region befragt.

Trotzdem hätten die Ermittler auch nach knapp einem Jahr die Mutter noch nicht gefunden, sagt Chefermittler Kromer. Deshalb und aufgrund eines ähnlichen Falls von 2017, der aufgeklärt werden konnte, gehe man davon aus, dass die Mutter des toten Kindes möglicherweise nur auf der Durchreise war. 

Mehr als 40 Anrufe gingen nach der Sendung ein

"Mehr als 40 Anrufe sind seit der Sendung sowohl im Münchener ZDF-Studio, als auch beim Kriminalkommissariat Sigmaringen eingegangen", sagt Polizeisprecher Markus Sauter vom Polizeipräsidium Konstanz auf Rückfrage von Schwäbische.de.

 Moderator Rudi Cerne von Aktenzeichen XY
Moderator Rudi Cerne von Aktenzeichen XY. (Foto: Nadine Rupp/ZDF)

Darunter seien viele Hinweisgeber, die Vorschläge zu neuen Ermittlungsansätzen für die Suche nach der Mutter lieferten, bisher jedoch leider kein konkreter Hinweis auf die Identität der Mutter.

Noch immer riefen Hinweisgeber auch bei anderen Dienststellen der Polizei an, erklärt Sauter am Donnerstagvormittag. Die Ermittler seien zuversichtlich, dass bis zum Freitag noch viele weitere Hinweise, darunter möglicherweise der entscheidende, bei Ihnen ankommen werden.  

Kriminalstatistik 2018 nach Landkreisen

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