Experte stellt Wirtschaftlichkeit in Zweifel

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Der Herr der Windanlagen: Bürgermeister Arne Zwick empfängt Gäste aus Politik und Wirtschaft zu einem Symposium im Schloss. Der (Foto: Michael Hescheler)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Der Ausbau der Windkraft in der Region geht in die entscheidende Phase: Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben wird am 26. April den neuen Regionalplan beschließen. Regionaldirektor Wilfried Franke kündigte gestern bei einem Windsymposium der Energie Baden-Württemberg (ENBW) in Meßkirch an, dass der Regionalverband eine „angemessene Anzahl von Windkraftanlagen“ ausweisen werde.

Ein Ziel sei, in möglichst konfliktarme Gebiete zu gehen. Kettenacker bei Gammertingen habe geschafft, Konflikte zu produzieren. Franke nannte das dortige Projekt als Negativbeispiel und Meßkirch als Paraderaum in der Region Bodensee-Oberschwaben. In Meßkirch hätten die Verantwortlichen den Bau von Windkraftanlagen gemeinschaftlich vorangetrieben. Die Vorsausetzungen seien rechtlich sicher. „Wenn wir es hier nicht im Griff haben, haben wir es nirgendwo im Griff“, so die Einschätzung des Regionaldirektors.

Eine Kernfrage ist, ob sich die Windkraft in der Region rechnet. Vom Potenzial her liegt das Gebiet Bodensee-Oberschwaben am unteren Ende im Land. Aus Sicht des ENBW-Experten Dirk Güsewell rechnen sich Anlagen erst ab einer Windstärke von sechs Metern pro Sekunde. Liege die Windstärke darunter, rät der Experte, das Projekt zurückzustellen. Technisch sei die Windkraft weit fortgeschritten, „ich erwarte da keine großen Sprünge mehr“. Bei immer größer werdenden Rotoren gebe es außerdem logistische Grenzen, die Anlagen an Ort und Stelle zu bringen.

Ob sich diese Einschätzung auf die Pläne Meßkirchs auswirkt, lässt sich nicht abschätzen, da noch keine Zahlen von der Windmessung auf dem Sendemasten bei Rohrdorf bekannt sind. Bürgermeister Arne Zwick berichtete vor den anwesenden rund 50 Bürgermeistern und kommunalen Vertretern im Schloss von der Windmessung. „Aktuell ergibt sie, dass sich die Windkraft rechnet.“ Genaue Zahlen nannte Zwick jedoch nicht.

Zusammen mit der Gemeinde Leibertingen und der ENBW plant die Stadt Meßkirch einen Windpark mit 23 Anlagen auf einer Fläche von 600 Hektar. Die Pläne in Meßkirch gehen über die des Regionalverbands hinaus.

„Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt“, sagte Regionaldirektor Franke über die aktuellen Diskussionen in der Gesellschaft. Die Bürger könnten nicht mehr nachvollziehen, dass es bei Stromtrassen und Stromspeichern nicht vorwärtsgehe. Markus Hugger, der Bürgermeister von Immendingen, sagte, der Bürgerfrieden sei ihm wichtiger als die dezentrale Stromerzeugung. Deshalb verzichte er nach dem derzeitigen Stand auf den Bau von Windkraftanlagen in seiner Gemeinde.

Joachim Sautter, leitender Ministerialrat im Stuttgarter Umweltministerium, kündigte eine Kampagne der Landesregierung an, die die Energiewende ab Mai erklären solle.

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