Entkernung des „Löwen“ ist nicht möglich

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Die Untersuchung des „Löwen“ (linkes Gebäude) und des Meßkircher Rathauses (rechts) kostet rund 34<133>500 Euro – das Land übern
Die Untersuchung des „Löwen“ (linkes Gebäude) und des Meßkircher Rathauses (rechts) kostet rund 34500 Euro – das Land übern (Foto: Archiv: Sebastian Musolf)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Meßkirch

Die Bauhistorikerin Karin Uetz hat von Juli bis November 2014 eine Untersuchung des Meßkircher Rathauses und des denkmalgeschützten ehemaligen Hotels „Löwen“ durchgeführt: Jetzt liegen ihre Ergebnisse vor. Wie berichtet, möchte die Stadtverwaltung die beiden Gebäude gerne miteinander verbinden und in dem leer stehenden „Löwen“ Behörden wie Stadtbauamt, Tourist-Information und Bürgerbüro unterbringen. In dem Bericht der Bauuntersuchung werden die Qualität der Fassade und des Treppenhauses des „Löwen“ hervorgehoben – das Gebäude sei erhaltenswert, sagt Stadtbaumeister Thomas Kölschbach. Ein Abriss oder eine Entkernung des „Löwen“ seien nicht möglich.

Zwei Geschossdecken sind stark nach innen geneigt

Jetzt müsse überprüft werden, ob der „Löwen“ künftig überhaupt als Behördenunterkunft genutzt werden kann. „Zwei große Geschossdecken sind sehr stark nach innen geneigt. Wir müssen schauen, wie wir dort eine öffentliche Nutzung zustande bekommen“, sagt Kölschbach. Die Untersuchung habe ergeben, dass ein Durchbruch zwischen Rathaus und „Löwen“ möglich sei: Beim Höhenunterschied der jeweiligen Stockwerke gebe es keine großen Sprünge. Aufgrund des schützenswerten Treppenhauses müsse zudem überlegt werden, wie eine barrierefreie Nutzung des „Löwen“ ermöglicht werden könne. Kölschbach betrachtet das Vorhaben gesamtheitlich: „Rathaus und Löwen ist mein Ziel.“ Ein Bedarfsplan und ein Raumnutzungskonzept sollen zügig aufgestellt werden. Noch vor den Sommerferien möchte der Stadtbaumeister diesbezüglich Gespräche mit den beiden anderen Mitgliedern der Verwaltungsgemeinschaft – Leibertingen und Sauldorf – führen. Kölschbach müsse dafür noch die Ergebnisse der laufenden Untersuchung zur Verbesserung der Organisation der Stadtverwaltung abwarten.

Holz aus den Jahren 1532 bis 1552 entdeckt

Bei der durchgeführten Untersuchung wurden im „Löwen“ verbaute Eichenhölzer gefunden, die aus dem Zeitraum zwischen 1532 und 1552 stammen – ein möglicher Hinweis auf das Alter des Gebäudes.

Der Gemeinderat hatte Anfang April 2014 einstimmig den Auftrag für die Untersuchung der historischen Baugruppe an die Firma „z&m 3D Welt“ aus Amtzell und die Bauhistorikerin Karin Uetz vergeben. Im Haushalt waren dafür 40000 Euro eingestellt worden. Letztendlich hatte der Auftrag ein Volumen von 34500 Euro. Rund ein Drittel der Kosten übernimmt das Denkmalförderprogramm der baden-württembergischen Landesregierung.

Geschichte des „Löwen“:

1575: Auf der ältesten Meßkircher Stadtansicht ist das heutige Hotel „Löwen“ bereits zu sehen. Das Gebäude diente anfangs als Stadtkanzlei.

1661/62: Die Stadt Meßkirch verkauft den Löwen an einen Privatmann, den Ochsenwirt Anton Seyff.

1723: In dem Gebäude befindet sich die Gasttätte „Zum goldenen Löwen“.

1842: Im ältesten Feuerversicherungsbuch der Stadt wird als Eigentümer der „Löwenwirt“ Jakob Beck genannt.

1891: Der Besitzer des Gasthofs „Löwen“ lässt das Gebäude an moderne Nutzungserfordernisse anpassen und baut es zum Hotel um.

20. Jahrhundert: Weitere einschneidende Umbauten des „Löwen“ erfolgen 1925 und 1956.

2009: Eigentümerin Rita Moll verkauft den „Löwen“ an die Stadt Meßkirch. Seitdem steht das Gebäude leer.

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