„Die Pflege ist wie ein Marathon, was fehlt ist der Jubel des Publikums“

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 Die Gruppe Quintessenz mit Marita Bodon, Stefany und Franz Wohlfahrt (von links) sorgt für lachende und nachdenkliche Mienen.
Die Gruppe Quintessenz mit Marita Bodon, Stefany und Franz Wohlfahrt (von links) sorgt für lachende und nachdenkliche Mienen. (Foto: Caritas)
Schwäbische Zeitung

Eine gute Tasse Kaffee, ein leckerer Kuchen, die rund 70 Besucher beim Treffen aller Gesprächskreise hatten sich das verdient. Was pflegende Angehörige jeden Tag zu Hause leisten, das ist keine leichte Aufgabe, teilt die Caritas in einer Pressemitteilung mit. Und sie seien keineswegs eine Minderheit, aber eine Gruppe, die nur ganz selten im Fokus der Öffentlichkeit stehe. Dabei leisteten gerade die pflegenden Angehörigen einen unschätzbaren Dienst für die Gesellschaft.

Einmal im Jahr laden sie der Caritasverband Sigmaringen und die kirchlichen Sozialstationen zu einer gemeinsamen Veranstaltung in den Brigel-Hof nach Langenhart ein. Diesmal hatten sich die Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle für ältere Menschen und pflegende Angehörige Inge Sieber, Pamela Brecht und Andrea Gramsch eine Überraschung ausgedacht und „Quintessenz“ aus Ostrach-Einhart eingeladen.

Die Angehörigen, die sich einmal monatlich in Pfullendorf, Sigmaringen, Gammertingen, Stetten am kalten Markt und Meßkirch treffen, um sich bei den Sozialarbeiterinnen Hilfe und Rat zu holen, aber auch ihr Herz ausschütten können, waren begeistert von den „Schwabenpoeten“, wie Stefany Wohlfahrt, Marita Bodon und Franz Wohlfahrt oft genannt werden. „Der Franz“, wie er sich selbst nennt, ist der Kopf von „Quintessenz“ und vertritt ein Genre, das nicht mehr so oft auf den Kleinkunstbühnen anzutreffen ist wie früher, als Reinhard Mey, Hannes Wader oder Inga & Wolf die Liedermacherszene bereicherten. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, sind die Texte und Lieder etwas Besonderes. Und sie sind auch ein Stück Heimat. Es sind die alltäglichen Dinge des Lebens, die Buchautor Wohlfahrt auf unnachahmliche Weise in Texte kleidet. Und das in Dialektform. Das sympathische Trio glänzte durch Ausstrahlung und auch der Preisgabe eines kleinen Teils der eigenen Seele. Das „Liebeslied an meine Frau“ ist so ein Stück, das durchs Ohr hinein direkt in die Herzen der Zuhörer fließt. „Mit 50 ist man cool, mit 60 geht es los und mit 80 läuft man Marathon“, hat Franz Wohlfahrt erkannt.

Bei den Zuhörern ruft das Schmunzeln hervor. Aber auch sie laufen jeden Tag Marathon. Denn die Pflege ist nichts anderes. Was fehlt ist der Jubel des Publikums.

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