Der Mensch und seine Unzulänglichkeit

Lesedauer: 4 Min
Die Besucher bestaunen die Werke von Lothar Rohrer.
Die Besucher bestaunen die Werke von Lothar Rohrer. (Foto: Gabriele Loges)
gl

In der Kreisgalerie ist die Ausstellung „Die Welt als Narrenschiff“ eröffnet worden. Sie zeigt die Werke zweier Künstler, die mit dem Landkreis Sigmaringen verbunden sind. Lothar Rohrer (1905-1985) hat mit seiner Familie 18 Jahre in Meßkirch gelebt, Monika Spiller-Hellerau (geboren 1946) wohnte viele Jahre in Sigmaringen. Ihr gemeinsames Thema: Der Mensch und seine Narrheit. Die Musikerin Dorle Ferber ließ sich vom Thema inspirieren und umrahmte mit Geige und Gesang die Eröffnung.

Der Titel der Ausstellung, so Bürgermeister Arne Zwick, passe „wie kein anderer in unsere Zeit“ und spielte damit auf Autokraten an, die ihre und andere Länder ins Chaos führen würden. Es freue ihn, dass mit Lothar Rohrer wieder ein lokaler Künstler ausgestellt werde. Zwick begrüßte zudem Monika Spiller-Hellerau, deren Werke thematisch zu Rohrers Lebensthema passen würden.

Für Kulturwissenschaftler Armin Heim ist Lothar Rohrer einer der interessantesten Künstler, der bislang in Meßkirch gelebt und gewirkt hat. Bekannt geworden, so Heim, sei er erst spät als „Fastnachtsmaler“, obwohl er sich selbst gegen eine solche Etikettierung gesträubt habe. „Ihm ging es zunächst um die Darstellung menschlicher Narrheit.“ In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht fand er, so Heim, „äußerliche Motive und Versatzstücke für seine ureigenen Bildfindungen“: „Rohrers Themen kreisen um die Sehnsucht des Menschen nach Glück, um seine Verletzlichkeit und Verführbarkeit, seine Verblendung, sein Scheitern an der eigenen Unzulänglichkeit, an seiner Narrheit.“

Die Werkschau zeigt Rohrers Entwicklung, aber auch seine Vielseitigkeit und seine wechselnden Stimmungen. Spannend sind seine frühen Holz- und Linolschnitte sowie die Radierungen. Aber auch die Ölbilder thematisieren das bereits 1939 gemalte „Narrenschiff“ immer wieder aufs Neue. Die Glücksuche des Individuums steht im Kontrast zu seiner Verführbarkeit und seiner Schuldhaftigkeit. Gesellschaftskritik und Verletzlichkeit des Einzelnen treffen dabei oft aufeinander. In der Gegenüberstellung beziehungsweise Ergänzung der Bilder von Monika Spiller-Hellerau wird die Thematik handelnder Mensch und Natur erneut angedacht. Sie kontrastiert die gelassen „schauenden“ Tiere und die „aufgeregten“ Menschen.

Ein Besucher erkennt im Selbstportrait seinen Zeichenlehrer: „Dort im Mindelsee ging er immer baden.“ Er wusste auch, dass Rohrer im Krieg verschüttet war und ihn dies offensichtlich prägte. Eine Besucherin staunte über die Details vieler Bilder: „Es gibt hier so viel zu sehen, ich muss unbedingt nochmal kommen.“

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen