Das Wunderkind aus Schwandorf

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 Henriette Gärtner hat ein Heimspiel in Meßkirch.
Henriette Gärtner hat ein Heimspiel in Meßkirch. (Foto: Werner Fischer)
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Der Schlosssaal war beim Klavierkonzert von Henriette Gärtner gut gefüllt. Sie, die im nahen Schwandorf aufwuchs und in Meßkirch das Abitur ablegte, hatte ein Heimspiel. Wie gewohnt gab sie Erläuterungen zu den Komponisten und Kompositionen des Abends – und die waren beim Programm „Miniaturen“ angebracht. Im Mittelpunkt des Programms standen Werke der vor 200 Jahren geborenen Pianistin, Komponistin, Klavierprofessorin Clara Wieck (1819-1896). Sie war die Ehefrau von Robert Schumann. Henriette Gärtner zeigte sich beeindruckt von dieser vielseitigen Frau: Sie galt als Wunderkind, hatte mit neun Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt, wurde mit 19 Jahren in Wien vom Kaiserhaus zur „Kaiserlichen und Königlichen Kammer-Virtuosin“ ernannt.

Auch Henriette Gärtner galt als Wunderkind: Mit fünf Jahren gab sie ihr erstes Konzert in Stuttgart, mit acht Jahren kam der Durchbruch bei den Musikfestwochen Luzern, viele Preise und eine Promotion mit Bestnote folgten. Über ihr Album „LUNA“ urteilte ein einflussreicher Musikkritiker: „Nicht nur meisterhaft, sondern genial“.

Zu Beginn des Konzerts spielte Gärtner Johann Sebastian Bachs Aria aus der Glückwunschkantate: „Schafe können sicher weiden“. Alles andere als Miniaturen waren die Klavierstücke von Clara Wieck-Schumann: das stürmisch dahinjagende Scherzo und das Notturno. Am meisten staunte das Publikum über „Le Ballet des Revenants – Scène fantastique“, geschrieben im Alter von 16 Jahren und „Romance variée“, komponiert mit zwölf Jahren.

Ein Klavierwerk von Robert Schumann (1810-1856) fehlte bei diesem musikalischen Abend natürlich auch nicht. Auch hier waren Erläuterungen nützlich. In „Carnaval – Scènes mignonnes sur quatre notes“), sind es die Buchstaben A, S, C und H, die gleichzeitig Notennamen sind; Asch ist der Geburtsort seiner damaligen Verlobten, die unter dem Namen „Estrella“ charakterisiert wird; Scha sind die einzigen musikalisch verwertbaren Buchstaben von Schumanns Namen. Diese beiden etwas schräg klingenden Motive tauchen in allen 22 technisch anspruchsvollen Klavierminiaturen auf. Für den anschließenden Beifall bedankte sich Henriette Gärtner mit Schumanns „Ahnung“ (vor einigen Jahren in Überlingen wieder aufgefunden) und dem ersten Stück aus den Kinderszenen.

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