Das Liebfrauental in Beuron verwandelt sich in ein Lichtermeer

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 Viele Kerzen brennen am Vortag von Mariä Himmelfahrt im Liebfrauental.
Viele Kerzen brennen am Vortag von Mariä Himmelfahrt im Liebfrauental. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Die Wallfahrt am Vorabend von Maria Himmelfahrt bleibt ein wirkmächtiges Magnet für die Christen in der Region. Hunderte sind am Mittwochabend gekommen, um mit Pater Pirmin Meyer die Andacht im Liebfrauental zu feiern. Die enge Schlucht mit den hohen Felswänden war an diesem Abend prachtvoll mit unzähligen farbigen Kerzen erleuchtet. Pater Pirmin forderte in seiner Predigt die Christen auf, ihren Lebensstil und Gewohnheiten zu ändern und auf die neuen ökologischen Herausforderungen anzupassen. „Wir dürfen mit und von der Schöpfung leben. Es steht uns aber nicht zu, sie auszubeuten und zu zerstören. Das ist eine große Sünde“, sagte er.

Die Wallfahrt begann in der Dämmerung an der Erzabtei. Nach der Vesper trafen sich einen Teil der Pilger am Fuße der Erzabtei mit Kerzen und Kräuterbüschel. Der andere Teil saß schon im Liebfrauental und betete. Mit Kreuz und Fahnen kamen Pater Pirmin und die Ministranten den Weg herunter. Mit der Prozession werde die Muttergottes geehrt. Die Prozession sei ein Sinnbild für den menschlichen Lebensweg, sagte er. Er segnete die Kerzen. Dann ging das Licht von Kerze zu Kerze – sie wurden in der Stille angezündet. Es war ein charismatischer Moment, in dem sich die benediktinische Stille und die Stille des Donautals vereinten.

Nachdem der englische Gruß gebetet und ein Marienlied gesungen worden war, setzte sich die Prozession in Gange. Der Irndorfer Musikverein spielte Marienlieder. Es wurde mit dem Rosenkranzgebet begonnen und währenddessen läuteten alle Glocken der Abtei. Die Prozession verließ die Straße und es ging in den Wald hinein, an den Kreuzwegstationen vorbei.

Bei der Ankunft im Liebfrauental öffnete sich die Lichtung inmitten der hohen Felswänden. Es bot sich dem Auge ein Lichtermeer. Hunderte von Kerzen leuchteten an der hohen Felswand um das in Lourdes dargestellte Ereignis: Der jungen Bernadette war die Muttergottes erschienen. Sehr viele Pilger waren schon da, hielten brennenden Kerzen in der Hand. Sie saßen auf den vielen Bänken und Klappstühle: Sie beteten und sangen. „Das Fest Mariä Himmelfahrt hat uns von überall hergeholt, um Maria zu ehren“, sagte Pater Pirmin.

Niemand bleibt von Schicksalsschlägen verschont

Nach der Lesung aus der Offenbarung von Johannes, in der eine neue Welt angekündigt wird, sprach Pater Pirmin eindringliche Worte: „Himmelfahrtskommando! Das kündigt nichts Gutes an, da schwingen Gefahr und Aussichtslosigkeit mit. Maria hat viele Himmelfahrtskommando-Erfahrungen gemacht, bis hin zum Tod ihres Sohnes. Kein Mensch bleibt von Schicksalsschläge verschont. Über jedem Leben schwebt der Tod“, sagte er. Wenn Mariä Himmelfahrt gefeiert werde, werde nicht das Leiden verherrlicht oder idealisiert, sondern die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel gefeiert.

Pater Pirmin ging auf die Verantwortung der Menschen gegenüber der Schöpfung ein. Gott habe sie den Menschen in Obhut gegeben. So sei jede und jeder ein Statthalter Gottes. Die Schöpfung auszubeuten, sei eine große Sünde, weil es den Heilswillen Gottes ignoriere. „Diese Sünde lässt sich nicht mit Gesetzerlassen tilgen. Notwendig ist eine Umstellung des Lebens und der Gewohnheiten“, erklärte Pater Pirmin. Die Kräuterbüschel versinnlichten den Reichtum und die Schönheit der Schöpfung und führten vor Augen, wie liebeswürdig und schützenswert jedes Leben sei, macht er bewusst.

Pater Pirmin dankte dem Buchheimer Kirchenchor, dem Irndorfer Musikverein, den Ministranten, dem DRK und dem Team, das die vielen Kerzen am Felsen angezündet hat. Anschließend ging es durch den Wald zurück zum Kreuz bei der Erzabtei.

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