Buslinien nach Sigmaringen auf der Kippe

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 Kreis und Stadt Sigmaringen steigen aus der Finanzierung der beiden Buslinien aus, die Stetten mit Sigmaringen verbindet. Die V
Kreis und Stadt Sigmaringen steigen aus der Finanzierung der beiden Buslinien aus, die Stetten mit Sigmaringen verbindet. Die Verbindung wird regelmäßig von Schülern genutzt. (Foto: Susanne Grimm)

Auf große Resonanz in der Bevölkerung ist die jüngste Gemeinderatssitzung gestoßen. Gegenstand des Interesses war die Fortschreibung des im Jahr 2011 eingeführten Nahverkehrskonzepts „Großer Heuberg“, dessen Ziel es war, parallel laufende Buslinien und die Bahn durch Synergieeffekte zu einem effizienteren Personenbeförderungssystem zu machen. Die Reduzierung paralleler Busfahrten mit der Verlagerung auf die Bahn ergab Einsparungen, die wiederum in zusätzliche Fahrleistung investiert worden waren.

Ein weiterer Zielpunkt war und ist es, ein Verkehrskonzept zu schaffen, dass nicht nur die Bedürfnisse der Schüler, sondern auch aller anderen Fahrgäste berücksichtigt, wie Bürgermeister Maik Lehn zusammenfasste. Weil es in der Vergangenheit auf der Bahnstrecke Storzingen-Sigmaringen aber immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen kam, hatte der Kreis ab Januar 2018 eine durchgängige Busverbindung nach Sigmaringen eingerichtet, die vom Kreis, der Stadt Sigmaringen und der Gemeinde Stetten am kalten Markt mit rund 45 000 Euro finanziert worden ist.

Nun haben der Kreis und die Stadt Sigmaringen erkennen lassen, dass sie ihre Unterstützung zum Ende des laufenden Schuljahres einstellen werden, so dass die gesamten Kosten künftig von der Gemeinde zu tragen sein werden, so Lehn.

In der Folge hat das Büro „Nahverkehrs-Beratung Südwest“ nach Auftrag der Gemeinde das derzeitige Verkehrskonzept überprüft, das am 18. März dieses Jahres in Anwesenheit von Gemeindevertretern aus Stetten, Schwenningen und Beuron, sowie Max Stöhr, Fachbereich Nahverkehr des Landratsamts, und Thomas Beck vom gleichnamigen Busunternehmen, den Elternvertretern und der Lehrerschaft der Gemeinschaftsschule vorgestellt worden ist. Dabei haben die Verkehrsplaner einige kostensparende Vorschläge erarbeitet, die sowohl für die Gemeinde als auch die Eltern und Schüler alles andere als befriedigend sind.

Umstieg auf Bahn in Frage gestellt

So der Vorschlag, nach Wegfall der beiden Direktbusse nach Sigmaringen, wieder den Umstieg auf die Bahn zu wagen, was wegen deren Unzuverlässigkeit von allen Beteiligten in Frage gestellt wurde. Oder den Beibehalt der beiden Busse nach Sigmaringen mit der Konsequenz, dass die Gemeinde die Kosten alleine tragen muss. Ebenso auch die Vorverlegung des Unterrichtsbeginns und Kürzung der Mittagspause an der Gemeinschaftsschule, was in der fünfseitigen Stellungnahme des Elternbeirats vehement abgelehnt wurde. Ihr Unmut galt auch dem Kreis und der Kreisstadt, die sich – unverständlich für die Eltern – aus der Finanzierung der beiden Busse zurückziehen wollen, denn immerhin besuchen 177 Stettener Schüler die Schulen in Sigmaringen.

Auch die Gesamtlehrerkonferenz hat dem Gemeinderat eine Stellungnahme vorgelegt, in der sie unter anderem darauf hinweisen, dass für die Schüler aus dem Donautal und Nusplingen eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns erhebliche Nachteile mit sich brächten. Auch die „Rhythmisierung des Ganztages“ am rund 400 Schüler starken Schulzentrum könnte Schaden nehmen.

Die Sorge der Lehrer geht aber noch weiter: „Erschwerte Rahmenbedingungen machen es schwieriger, gutes Personal zu finden und auch zu halten.“ Denn mit der Einführung der Gemeinschaftsschule im Jahr 2012 sei Stetten ein wichtiger Schulstandort gerade an den Schnittstellen der Kreise Sigmaringen und Zollernalb geworden. Damit Stetten am kalten Markt auch künftig seine pädagogische Strahlkraft als Gemeinschaftsschulstandort erhalten kann, seinen nicht nur „die von Bürgermeister Lehn angekündigten erheblichen Investitionen in den Ausbau des Schulzentrums notwendig, sondern eine möglichst passgenaue Anbindung und gute Erreichbarkeit durch den öffentlichen Nahverkehr“.

Die Gesamtlehrerkonferenz sorge sich sehr um die Wettbewerbsfähigkeit des Schulstandorts, wenn die Fahrpläne sich ausschließlich am Schulbeginn in der Kreisstadt und an der Zug-Taktung orientieren. Es müsse Sorgen dafür getragen werden, dass weiterhin zusätzliche Beförderungsmöglichkeiten während der Schulzeit bestehen, „da der Schulstandort sowohl für die Versorgung beider Kreise als auch für die Infrastruktur und Lebensqualität der Bewohner vor Ort entscheidend ist“.

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