Bundeswehrzentrum versorgt seit 60 Jahren tausende Soldaten

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Hunderte Gebäude und Liegenschaften gehören zum Zuständigkeitsbereich des BwDLZ Stetten a.k.M. Bundesweit einmalig ist jedoch de
Hunderte Gebäude und Liegenschaften gehören zum Zuständigkeitsbereich des BwDLZ Stetten a.k.M. Bundesweit einmalig ist jedoch der Betrieb einer eigenen Kläranlage, auf deren „Herz, die Klärbecken“ im Foto Klärwärter Erich Marquart deutet. (Foto: Fotos: Gerhard Feuerstein)
Gerhard Feuerstein

Exakt 60 Jahre sind ins Land gezogen, seit am 15. November 1959 auf dem Truppenübungsplatz Heuberg die damalige „Standortverwaltung Stetten a.k.M.“ eingerichtet wurde. Dem gesetzlichen Auftrag zur Versorgung der Streitkräfte mit ausreichend Personal und Material folgend, unterlag die Behörde in den vergangenen sechs Jahrzenten einem ständigen Wandel. Heute ist das „Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (BwDLZ) Stetten a.k.M.“ eine moderne Behörde, die sich als Dienstleister für die Truppe versteht.

Neben den beiden Dienststellen in Bruchsal und Ulm ist das BwDLZ Stetten a.k.M. heute noch eines von drei in Baden-Württemberg noch existierenden Dienstleistungszentren der Bundeswehr. Das war in den Gründerjahren der Bundeswehr noch ganz anders. So waren alleine im Ländle bis 1966 insgesamt 24 Standortverwaltungen (StOV) als Ortsbörden entstanden. 

Lager Heuberg war zuvor von Franzosen besetzt

In Stetten fand die StOV Ende 1959 im Gebäude 170 des Lager Heubergs eine Heimat, das bis heute das „Mutterhaus“ der Dienststelle geblieben ist. Kaum in Dienst gestellt, übernahm die StOV Anfang 1960 nicht nur den kompletten Truppenübungsplatz, sondern auch die von Frankreich der BRD überlassenden Teile des Lager Heubergs: „Die Anfangsjahre waren durch die Übernahme unzähliger Liegenschaften und Gebäude sowie den starken personellen Aufwuchs des Standortes geprägt“, blickt Oberregierungsrat Andreas Lenz zurück, der das BwDLZ Stetten seit knapp zwei Jahren leitet. 

So vergrößerte sich der Zuständigkeitsbereich schon 1966 durch Übernahme der neu erbauten, Albkaserne samt zentraler Heizanlage. Nur wenige Jahre später kamen die riesige Schwimmhalle und die neu erbaute bundeswehreigene Kläranlage im Kohltal dazu. Konsequenz: „Zwar mehr Aufgaben, aber auch deutlich mehr Arbeitsplätze“, so Lenz, in deren Folge der Neubau zahlreicher Werkstätten, der Ausbau der Schneiderei und von Sozialräumen auf der Agenda stand.

Umstrukturierungen der Truppe, Auflösungen von Einheiten und Verbänden oder die Aufstellung der Deutsch Französischen Brigade brachten ständige Anpassungen der StOV mit sich. Einschneidende Veränderungen rief aber Anfang der 90er die Neuorganisation der Territorialen Wehrverwaltung und des Rüstungsbereiches hervor, mit denen die Auflösung von elf Standortverwaltungen im Land, darunter Pfullendorf und Meßstetten, besiegelt wurde, wodurch sich der Zuständigkeitsbereich der Stettener StOV weiter vergrößerte. 

Unser Verantwortungsbereich wuchs damit natürlich weiter. 

Oberregierungsrat Andreas Lenz

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands, Eingliederung der Nationalen Volksarmee, Stationierung der Bundeswehr auch in den neuen Bundesländern sowie der drastischen Verringerung des Friedenumfangs der Bundeswehr war auch die Verwaltung drastischen Kürzungen unterworfen. So verlor Baden-Württemberg von 2002 bis 2008 weitere sieben Standortverwaltungen, darunter auch Sigmaringen: „Unser Verantwortungsbereich wuchs damit natürlich weiter“, unterstreicht Andreas Lenz. 

Ein „tiefgreifender Schritt“ sei Anfang 2007 war dann die Eingliederung der Truppenverwaltungen gewesen, wodurch deren Aufgaben mit denen der StOV in den neu geschaffenen BwDLZ „erstmals unter einem Dach und einer Leitung“ vereint wurden. Hintergrund: Die ministerielle Entscheidung, den zivilen Personalbestand bis Ende 2010 auf 75 000 Mitarbeiter abzubauen und der Wegfall von Aufgaben durch Privatisierung von Fuhrpark- und Bekleidungswesen sowie massive Veränderungen im Verpflegungswesen führten zu diesem radikalen Schnitt.

Große Veränderungen durch die Strukturreform

Die Strukturreform der Bundeswehr, die der damalige Verteidigungsminister Thomas De Maiziere am 26. Oktober 2011 verkündete, brachte schließlich Veränderungen „in bisher nicht erlebtem Ausmaß“ mit sich: „In unserer Zuständigkeit wurden die Standorte Mengen-Hohentengen und Sigmaringen geschlossen und Meßstetten signifikant verkleinert“, erinnert Lenz: „Das brachte faktisch eine Halbierung des Zivilpersonals auf 398 Dienstposten mit sich“.

Einen deutlichen Zuwachs habe dann jedoch wieder die Einrichtung eines Technologie- und Prüfzentrums der Daimler AG in Immendingen mit sich gebracht, die das „Aus“ für den dortigen Standorts und des bestehenden BwDLZ besiegelte: „Dessen Aufgaben wurden dann auch uns zugeschlagen, was einerseits Ersatz für die geschlossenen Standorte war, andererseits auch den eigenen Fortbestand sicherte“, fasst der Dienststellenleiter zusammen: „Aktuell verfügen wir hier am Standort über 499 Dienstposten, davon 82 Beamte, 13 Soldaten und 404 Tarifbeschäftigte“.

Einer der größten regionalen Arbeitgeber 

Doch damit nicht genug. Denn der riesige Zuständigkeitsbereich des BwDLZ erstreckt sich inzwischen auf den gesamten Bereich des südlichen Baden-Württemberg und umfasst neben Stetten am kalten Markt – größter Standort Süddeutschlands und Stammsitz des BwDLZ – auch die Standorte Pfullendorf, Donaueschingen, Müllheim, Todtnau/Fahl sowie zahlreiche weitere Kleinstandorte.

Um diesen großen Zuständigkeitsbereich ordnungsgemäß zu betreuen, bietet das BwDLZ Stetten a.k.M. vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten für zivile Mitarbeiter: „Insgesamt stehen an allen Standorten über 700 zivile Arbeitsplätze zur Verfügung“, berichtet Andreas Lenz, wobei der größte Anteil in den Landkreis Sigmaringen falle: „Damit sind wir noch immer einer der größten regionalen Arbeitgeber, der auch in unterschiedlichsten Berufszweigen Ausbildungen anbietet“.

Das 60-jährige Bestehen der Dienststelle wird in der kommenden Woche mit einem Mitarbeiterfest gefeiert.

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