Arnold Stadler ist Doppel-Ehrenbürger

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 Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick (rechts) und der Sauldorfer Bürgermeister Wolfgang Sigrist (links) überreichen Arnold Stadl
Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick (rechts) und der Sauldorfer Bürgermeister Wolfgang Sigrist (links) überreichen Arnold Stadler die Urkunde der Doppelehrenbürgerschaft. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Dem Schriftsteller und Büchner-Preisträger Arnold Stadler ist anlässlich seines 65. Geburtstags die Doppelehrenbürgerschaft von Sauldorf und Meßkirch verliehen worden. Er ist in Meßkirch geboren und lebte in Rast bei Sauldorf. Im großen Renaissance Saal im Schloss Meßkirch haben sich viele Gäste für diesen ganz besonderen Festakt versammelt: Die Heimat ehrte den lange missverstandenen Autor für sein längst anerkanntes literarisches Werk.

Bei diesem gelungenen Festakt sang der Kreutzerchor, spielte der Cellist Julius Berger und sprach Luzia Braun. Es moderierte Anton Philipp Knittel. Der Abend stand unter dem Stadler-Zitat: „Jedes einzelne Leben ist die Welt“.

Der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick und der Sauldorfer Bürgermeister Wolfgang Sigrist hielten eine kurze Laudatio. Arnold Stadler sei in seiner Heimat verwurzelt. Er liebe seine Heimat und sie sei Teil seines Schaffens, sagte Bürgermeister Zwick. „Er hat der Heimat ein Denkmal geschaffen, wenn es auch manche befremdet“, sagte er. Am Anfang hätten die Romane Stadlers die Heimat eher abgeschreckt, heute überwiege der Stolz. Über den Zeitpunkt der Verleihung sagte er: „Jetzt hat es sich gefügt.“

Bürgermeister Sigrist erklärte, dass die Verleihung der Würde des Ehrenbürgers vom Gemeinderat beschlossen wurde und Zeichen der höchsten Anerkennung und Wertschätzung sei. „Arnold Stadler ist kein Heimatschriftsteller, aber er weiß, woher er kommt. Er hat unserem Heimatland einen Namen gegeben: Schwäbisch Mesopotamien“, sagte Bürgermeister Sigrist. Er habe ausdruckstark und widersprüchlich die Leute der Heimat beschrieben. Er zitierte: „Was Glück ist – nachher weiß man es“ und richtete sich an Arnold Stadler: „Wir schätzen uns glücklich, Sie hier zu haben.“

Verleihung der Urkunde ist ein bewegender Moment

Die Bürgermeister überreichten gemeinsam die Urkunde, die Arnold Stadler entgegennahm. Die Gäste standen auf und gaben einen anerkennenden und nicht endenden Applaus. Die Verleihung dieser Doppel-ehrenbürgerschaft war vor allem für Arnold Stadler ein bewegender Moment. „Die Verleihung ist mir eine solche Ehre, dass ich nicht die angemessenen Worte finden werde“, sagte Stadler.

Arnold Stadler las Passagen aus seinem Buch „Ich war einmal“. Über das Buch „Mein Hund, meine Sau, mein Leben“ erinnerte er sich: „Den Titel habe ich sehr büßen müssen.“ Im Gespräch mit Luzia Braun, ehemalige Schulkameradin und Romanfigur Stadlers wurden diese Missverständnisse angesprochen. „Ich bin literarische Figur und die alte Schulkameradin. Sie sind sich ähnlich, aber nicht dieselben. Das war damals schwer zu verstehen. Es stimmte immer etwas und etwas war verlogen. Ich habe mich in dem Roman erkannt, aber vollkommen falsch dargestellt gefühlt“, erklärte Luzia Braun die Interpretation vor 30 Jahren. Doch habe sie vor kurzem das Buch nochmal gelesen und sei von der Gefühlsgenauigkeit beeindruckt gewesen. Wenn sie sich an Kindheit und Schule erinnern wolle, lese sie Stadlers Bücher.

Er habe diese Romane jedoch nicht aus Spaß geschrieben. Die Leserbriefe und Artikel, die ihn als „Nestbeschmutzer“ und das Buch als „vulgäres Machwerk“ bezeichneten, würden Teil seiner Erinnerung bleiben.

Stadlers Freund und Weltklasse-Cellist Julius Berger spielte zwei Stücke von Bach, versonnen und tiefgründig. Die Verleihungsfeier dieser Doppelehrenbürgerschaft war ein großes Ereignis, das innerhalb einer mehrtätigen interdisziplinären Tagung zum literarischen Werk Arnold Stadlers stattfand.

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