Annette Schavan spricht in Beuron über den Glauben

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 Annette Schavan, Botschafterin am Vatikan in Rom nach ihrem Vortrag im Kloster Beuron, mit Professor Varghese Panthalookaran Ke
Annette Schavan, Botschafterin am Vatikan in Rom nach ihrem Vortrag im Kloster Beuron, mit Professor Varghese Panthalookaran Kerala (rechts) und Bruder Jakobus Kaffanke. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Über das Thema „Die Kunst des politischen und des christlichen Glaubens“ hat kürzlich Annette Schavan, deutsche Botschafterin im Vatikan und frühere Kultusministerin in Baden-Württemberg, in der Beuroner Erzabtei St. Martin gesprochen. Der große Saal des Kloster war gut besucht. Unter den vielen interessierten Menschen der Region waren auch Geistliche verschiedener Konfessionen zu sehen.

Schavan legte eine Exegese des umweltethischen Rundschreibens „Laudato Si“ vor, das Papst Franziskus 2015 veröffentlicht hatte. Dabei hatte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche den ökologischen und sozialpolitischen Schwerpunkt seines Pontifikates formuliert. Franziskus stellt mit dieser Enzyklika einen Zusammenhang von Armut und ökologischer Frage her. Darin schreibt er über die „verwüstete Erde, die seufzt und in Geburtswehen liegt.“ Die Menschen vergäßen, dass sie die Erde und ihre Körper aus den Elementen des Planeten gebildet seien, so ein Auszug.

Darüber sprach Schavan während ihres Vortrags und zeigte sich begeistert von den Ansichten des Papstes, dem sie zubilligt „er sei der erste Papst, der global denkt“. Es sei die Aufgabe der Kirche „die Zeichen der Zeit zu erkennen“ und im Geiste eines „barmherzigen Samariters“ zu handeln, sagte sie. Papst Franziskus behandle in seinem Rundschreiben drei Aspekte: Erstens müssen Kirche und Christen praktische Handlungen vor das Ideal stellen. Zweitens müsse es einen Perspektivenwechsel geben, führte Schavan aus: „Hin zu den Armen, hin zum Frieden, hin zu einem Dialog der Religionen.“ Und drittens müssten die Christen in die „Peripherie gehen“ mit dem Hintergedanken, was zu erneuern, was zu verändern und was zu bewahren ist.

Chance für Christentum durch Akzentverschiebung

Hier sieht Annette Schavan große, neue Chancen für das Christentum. Untersuche man das Rundschreiben systematisch, so nehme Franziskus eine wichtige Akzentverschiebung vor. Wurde bislang traditionellerweise die Welt von einem geistigen Punkt, also von außerhalb, beschrieben, so dominiere in der Enzyklika die Perspektive eines inneren Punktes, der die Verbundenheit des Einzelnen mit der ökologischen Mitwelt, den anderen Menschen und dem Ganzen erfahrbar werden ließe.

Im Nachklang zum Vortrag gab es noch einen lebhaften Dialog des Publikums mit der Rednerin, die, wie sie sagt, nach einem Jahr im Ruhestand mit mentaler Frische und Freude über die Fragen der Zukunft von Kirche und Welt nachdenkt und sich in den Diskurs einbringt.

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