1394 Buchtitel in 30 Jahren

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Die Verlegerfamilie blickt auf 30 Jahre Literatur aus dem Hause Gmeiner zurück (von links): Florian, Angelika und Armin Gmeiner
Die Verlegerfamilie blickt auf 30 Jahre Literatur aus dem Hause Gmeiner zurück (von links): Florian, Angelika und Armin Gmeiner. (Foto: Sebastian Musolf)
Schwäbische Zeitung

Seit 30 Jahren gibt es den Meßkircher Gmeiner-Verlag. Überregional ist er vor allem als Krimischmiede bekannt. SZ-Redakteuer Sebastian Musolf hat mit Verleger Armin Gmeiner (51) über das Firmenjubiläum gesprochen.

Herr Gmeiner, wie viele Bücher haben Sie in den 30 Jahren des Bestehens Ihres Verlags herausgegeben?

Insgesamt sind 1394 Titel beim Gmeiner-Verlag erschienen. Rund 1000 Werke sind stets lieferbar. Wir verlegen mittlerweile mehr als 500 Autoren, davon 350 Romanautoren. Wir vertreiben unsere Bücher im gesamten deutschsprachigen Raum – also auch in Österreich und der Schweiz.

Wie kam es zur Verlagsgründung vor 30 Jahren?

Es war eine besondere Fügung. Ich war 1986 gerade 22 Jahre alt und studierte Wirtschaftsingenieurswesen mit der Fachrichtung Druck und Verlag. Der damalige Dekan Bernhard Eichkorn hatte meine Begeisterung für die Universalsprache Esperanto geweckt. Er wollte gerne die Enzykliken des Papstes in Esperanto herausbringen. Da sagte ich ihm: Dafür muss man einen neuen Verlag gründen. Wir haben damals mit kleinen Auflagen angefangen – 500 bis 1000 Exemplare. Unser Verlagssitz war damals wie heute der Ehnried-Hof bei Meßkirch.

Sprechen Sie fließend Esperanto?

Ich spreche es nicht mehr aktiv, kann Esperanto aber immer noch verstehen. Ich finde die Idee toll, dass sich dank einer solchen Universalsprache jeder mit jedem auf der Welt unterhalten kann. Esperanto ist zudem leicht zu lernen und hat eine sehr logische Struktur.

Wie ging es mit dem Verlag nach der Gründungsphase weiter?

Neben den Esperanto-Werken kamen sehr schnell regional-geschichtliche Titel hinzu: Etwa Geschichten aus der Zimmerischen Chronik oder das Buch „Ein Spaziergang durch das alte Meßkirch“ von Historiker Armin Heim. Es waren damals vor allem historische Werke.

Heute ist der Gmeiner-Verlag vor allem als Krimischmiede und für seine Spannungsliteratur bekannt. Ab wann bauten Sie sich dieses Standbein auf?

Die Krimis kamen im Jahr 1998 hinzu. „Tiefenrausch“ von Gunter Haug war der erste Krimi, den wir verlegt haben.

Etwa drei Viertel unserer Titel sind aus dem Bereich Spannung, ein Viertel aus dem Bereich Kultur. Allerdings ist das Kultursegment wachsend. Der Spannungsbereich unterteilt sich in verschiedene Arten von Büchern: unter anderem in zeitgenössische Krimis, historische Romane, kriminelle Freizeitführer, Garten- und Kräuterkrimis sowie Krimispiele und Thriller.

Regionale Heimatkrimis sind seit Jahren bei den Lesern sehr beliebt. Wie erklären Sie sich die Begeisterung dafür?

Die Wiedererkennung der Region und der dortigen Mentalität spielt eine große Rolle. Der Leser aus der jeweiligen Gegend kennt die Handlungsorte, die Brauereien und Gasthöfe, die in den Geschichten vorkommen. Er kann sie in der Realität besuchen und erleben. Zudem kann sich der Leser so mit den Menschen in den Geschichten identifizieren.

Gibt es auch einen Roman aus dem Hause Gmeiner, der in Ihrer Heimatstadt Meßkirch spielt?

Noch nicht. Aber unser Autor Manfred Bomm arbeitet gerade an einem Roman, in dem der Campus Galli eine Rolle spielen soll. Da bin ich schon sehr gespannt.

Lesen Sie alle Manuskripte, die Ihnen von Autoren angeboten werden, noch selbst?

Nein, das schaffe ich zeitlich leider nicht. Das überlasse ich unserer Programmleitung und unserem Lektorenteam.

Wie viele Bücher lesen Sie denn pro Jahr?

Zu wenig (lacht). Ich würde gerne mehr lesen. Es ist mir leider nicht möglich, alle 180 Neuerscheinungen, die unser Verlag jedes Jahr herausgibt, zu lesen. Ich versuche aber, mir ein guten Überblick zu bewahren.

Was für Bücher lesen Sie gern?

Aus dem Spannungsbereich mag ich vor allem historische Romane: Hier verbinden sich Unterhaltung und Wissensvermittlung – das ist toll. Aus dem Kulturbereich bevorzuge ich Bildbände und Chroniken. Ich mag unsere Reihe „Lieblingsplätze“ sehr gerne: Dabei stellt ein Autor seine schönsten Ausflugstipps aus einer bestimmten Region vor. Das ist eine ganz wunderbare Reihe.

Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte in den 30 Jahren Verlagsgeschichte?

Da gab es viele. Spontan fällt mir die große Freude ein, dass sich der Krimi „Alpendöner“ von Willibald Spatz zu einem unserer Bestseller mit mehr als 40000 verkauften Exemplaren entwickelt hat. Toll war auch, dass der Roman „Steirerblut“ von unserer Autorin Claudia Rossbacher vom österreichischen Fernsehen verfilmt wurde. Wir waren bei der Premiere auf dem Filmfestival in Graz dabei und haben dort zum ersten Mal den Inhalt des Buches auf der Kinoleinwand gesehen. Mittlerweile sind sogar schon zwei Fortsetzungsfilme erschienen.

Was haben Sie sich für die Zukunft des Verlags vorgenommen?

Wir wollen im Spannungs- und Kulturbereich weitere neue Reihen entwickeln. Ganz neu sind unsere Verbrecher-Biografien. Unsere Werbeagentur „Gmeiner Media“, die es seit zwei Jahren gibt, wollen wir weiter ausbauen. Mit der Agentur erstellen wir zum Beispiel für andere Verlage und die Region Flyer, Prospekte und zusätzliche Werbemittel.

Wie werden Sie das Jubiläum des Gmeiner-Verlags feiern?

Wir werden es demnächst mit Autoren, Buchhändlern und weiteren Wegbegleitern des Verlags auf dem Ehnried-Hof feiern. Es soll ein gemütliches Beisammensein werden. Vor allem wollen wir unseren 30 Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre Motivation danken: Sie machen den Verlag zu dem, was er ist.

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