Zwölf Kräuter stehen für die zwölf Apostel

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Das Team der Kindertagesstätte St. Maria und Mütter binden die Kräuterbüschel für Mariä Himmelfahrt.
Das Team der Kindertagesstätte St. Maria und Mütter binden die Kräuterbüschel für Mariä Himmelfahrt. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Die katholische Kirchengemeinde Liebfrauen hat am gestrigen Sonntag ihr Patrozinium gefeiert und dabei auch Kräuterbüschel geweiht. Die Erzieherinnen der katholischen Kindertagesstätte St. Maria und Mütter haben rund 100 Büschel gebunden, in große Körbe gelegt und beim Gottesdienst zum Kauf angeboten. Der Erlös kommt der Kindertagesstätte zugute. Es ist eine gute Tradition, Mariä Himmelfahrt mit der Segnung der Büschel zu begehen.

Im schattigen Garten der Kindertagesstätte hatten die Frauen am Samstagmorgen zwei lange Tische aufgebaut. Darauf lagen große Mengen Kräuter, Blumen, Karotten, Zwiebeln und Ähren. Die Frauen hatten die Kräuter Tage zuvor und an diesem Morgen in Wald und Flur geschnitten. An den Bahngleisen finden sich noch sehr viele Kräuter, sagen sie. Einiges ist ihnen auch aus Gärten gespendet worden, dafür sind sie sehr dankbar.

Sammeln ist dieses Jahr schwierig

In diesem Jahr sei das Sammeln der Kräuter nämlich eine Herausforderung gewesen, berichten die Frauen. Wegen der lang anhaltenden Hitze und Trockenheit seien manche Kräuter bereits verblüht und nicht mehr zu finden gewesen. Das Johanniskraut zum Beispiel fehlt in den Kräuterbüscheln ganz. Das bedauern die Frauen sehr, weil diese Lichtpflanze so besonders ist. Sie haben nur wenige Königskerzen gefunden, obwohl gerade diese Blume den zentralen Platz im Büschel hat. Auch die Ringelblume fehlt ganz. Die Goldrute ist auch wichtig, sie trägt die Königsfarbe und deutet auf die Königswürde hin. Davon gab es einen Stapel.

Die Frauen wissen über die Tradition gut Bescheid. Die Legende erzählt, dass die Jünger, als sie die verstorbene Muttergottes am Grab besuchen wollten, ein offenes und leeres Grab vorfanden. Im und um das Grab herum habe es wunderbar nach Kräutern und Blumen geduftet. In Erinnerung an dieses Wunder werden jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt die Kräuterbüschel geweiht.

Früher sind die Bauersfrauen durch ihre Gärten, ihre Felder und Wiesen gegangen und haben die Kräuter, die Blumen und das Gemüse geschnitten und zusammengebunden. Heute gibt es diese Art Gärten und Äcker kaum mehr. „Viele ältere Leute in der Stadt können diesen Kräuterbüschel nicht mehr selber zusammentragen, dann freuen sie sich, wenn wir sie in der Kirche anbieten“, erklären die Frauen.

Beim Binden der Büschel herrscht gute Stimmung. Die Auswahl an Kräuter ist schön. Es duftet ganz wunderbar nach Thymian, Salbei, Minze. Die Dahlien leuchten in warmen Farben. Die Büschel werden üppig und schön. Die Frauen erzählen, was nach dem Weihen mit den Büscheln gemacht wird. Auf den Höfen wurden sie früher in den Stall gehängt, als Schutz für das Vieh. Man habe den Tieren ab und zu ein wenig von den getrockneten Kräutern in das Gras gemischt, dann seien sie gesünder gewesen. Viele Familien hängen das Kräuterbüschel unter das Dach als Schutz gegen Blitz und Unwetter oder legen ihn in den Herrgottswinkel. Das entspricht der ländlichen Tradition.

Mindestens sieben und bis zu 99 Kräuter werden in die Kräuterbüschel gebunden. Die Frauen aus Mengen haben zwölf verschiedene Kräuter zusammengetragen. „Es ist die Apostelzahl“, erklärt eine. In der Zahl liege immer Symbolkraft. Es ist ihnen wichtig, diese schöne alte Tradition zu erhalten. Fleißig nehmen sie die Kräuter in die Hand, binden die Büschel, legen sie nacheinander in die Körbe und freuen sich an diese Fülle, die die Natur wieder hervorgebracht hat.

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