Zum 100. Geburtstag gehört ein Ständchen der Musik

Lesedauer: 5 Min
 Gratulieren Otto Sauter sen. (sitzend) zum 100. Geburstag (v.l.): Michael Conradt, Otto Sauter junior, Brigitte Sauter und Orts
Gratulieren Otto Sauter sen. (sitzend) zum 100. Geburstag (v.l.): Michael Conradt, Otto Sauter junior, Brigitte Sauter und Ortsvorsteher Heiko Emhart. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Viele Gratulanten haben Otto Sauter am Montag ihre Glückswünsche und Geschenke zu seinem 100. Geburtstag überbracht. Otto Sauter gehört zu den Persönlichkeiten in Blochingen. Als Gastwirt und Landwirt stand er immer mittendrin.

Seinen Geburtstag hat er sichtlich genossen. Er nahm die telefonischen Geburtstagswünsche persönlich entgegen, unterhielt gleich mehrere Gratulanten am Küchentisch, trank mit Familie und Gästen den Nachmittagskaffee in der Stube. Abends gab es ein Ständle vom Musikverein. Als passives Mitglied hatte er sich das ausbedungen. „Wenn ich mal 100 werde, kommt ihr zum Spielen“, hatte er vor Jahrzehnten gescherzt. Und jetzt ist es wahr geworden. Den ganzen Tag herrschte im Hause Sauter beste Stimmung. Im Mittelpunkt stand Otto Sauter als rüstiger 100-Jähriger.

Ortsvorsteher Heiko Emhart überbrachte gute Wünsche der Stadtverwaltung und von Landrätin Stefanie Bürkle. Er las das Zitat vor, dass sie ihrem Brief vorangestellt hatte: „Die Jahre lehren viele Dinge, die man von Tagen nicht lernen kann.“ Otto Sauter stimmte dem zu. Er freute sich über Glückwünsche vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und meinte: Er hätte den Brief auch von Laiz aus schicken können und nicht von Stuttgart.

Otto Sauter ist für seinen Humor bekannt. Er hört aufmerksam zu, lässt die Fragen auf sich wirken und antwortet gewitzt, indem er Dinge verknüpft oder ein Stück weiterdenkt. Damit überrascht er regelmäßig seine Gesprächspartner. Er hält sich geistig fit. Jeden Tag liest er die „Schwäbische Zeitung“ und bleibt auf dem Laufenden in Sachen Politik und Region. Täglich setzt er sich hin und schreibt Tagebuch. Einmal in der Woche spielt er Schach mit seinem ehemaligen Schulkamerad Pfarrer Rudolf Kuchelmeister.

Otto Sauter ist im Gasthaus Hirsch geboren, als ältester von sechs Geschwister. 1926 ist er in die Volksschule gekommen. „Wir hatten in der ersten Klassen mehrere Lehrer. Das war nicht so gut. Und es gab Schläge. Ab der vierten kam dann Lehrer Gruler. Der war gut“, erinnert sich Sauter. Nach der Volksschule ging es in den Winterhalbjahre in die Landwirtschaftsschule nach Saulgau. Zu Fuß zum Mengener Bahnhof, dann weiter mit dem Zug. Fahrräder gab es damals noch nicht so viele im Dorf.

Gefangenschaft in Sibirien

Am Sonntag, 28. August 1939 kam nach dem Gottesdienst der Stellungsbefehl. Otto Sauter musste als Rekrut zur Ausbildung und dann in den Krieg. Er war in Tschechien, in Dänemark, in Frankreich, in Rumänien, Bulgarien, Bessarabien, Kaukasus. Mitte März 1945 wurde er russischer Kriegsgefangener und am 8. April musste er nach Sibirien. „An einem Tag hieß es, dass ich heim darf. Am 3. Juni 1948 war ich endlich wieder da“, berichtet Sauter. Er übernahm Landwirtschaft und Gasthaus.

Am 24. November 1954 heiratete er die Blochingerin Gertrud Schönenberger. Von 1954 bis 1989 haben sie das Gasthaus Hirsch betrieben. Dort traf sich das ganze Dorf bei Hochzeiten und Beerdigungen. Der FC Blochingen hatte einen Raum. Die Jahresversammlungen der Vereine fanden im Hirsch statt. Auch zum Molke-Zahltag kamen die Bauern in den Hirsch. Das Gasthaus war damals der lebendige Mittelpunkt im Ort. Gertrud und Otto Sauter haben sechs Kinder bekommen. Inzwischen bereichern fünf Enkel und zwei Urenkel das Familienleben.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen