Ziel: Eine erneute absolute CDU-Mehrheit verhindern

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Die Kandidaten der Grünen samt Führungskreis nach der Nominierungsversammlung.
Die Kandidaten der Grünen samt Führungskreis nach der Nominierungsversammlung. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Die Kreis-Grünen wollen eine erneute absolute Mehrheit der CDU im Kreistag verhindern und können dieses Vorhaben mit vollen Wahllisten angehen: Bei der fast vierstündigen Nominierungsversammlung am Montagabend in der Gaststätte Greutle in Mengen-Blochingen konnten alle 58 Listenplätze der sieben Wahlkreise vergeben werden. Insgesamt gab es 60 Interessenten für die 58 Plätze, also mehr Interessenten als freie Plätze zur Verfügung standen.

„Wir feiern heute Abend als grüner Kreisverband eine Premiere“, sagte der Kreisvorsitzende Klaus Harter. „Wir haben mehr Kandidaten als wir brauchen. Alle Listen sind voll.“ Wie er berichtete, hätten die Kreis-Grünen vor fünf Jahren bei der damaligen Kreistagswahl noch 34 Kandidatinnen und Kandidaten gehabt.

Im bisherigen Kreistag mit 42 Mitgliedern hat die CDU mit 22 Sitzen die absolute Mehrheit, die Grünen haben fünf Sitze. „Und unser Ziel ist es, dass wir sie unter 50 Prozent drücken“, sagte Klaus Harter mit Bezug auf die CDU. Ein konkretes Ziel, wie viele Sitze errungen werden sollen, wurde nicht direkt genannt. Gerold Schellinger, stellvertretender Kreisvorsitzender, äußerte jedoch die Hoffnung, dass man an das Ergebnis, dass die Freien Wähler vor fünf Jahren erreicht haben, „anklopfen“ könne – die Freien Wähler bekamen 2014 neun Sitze.

Die fünf grünen Kreisräte Susanne Scham, Helmut Bussmann, Lothar Braun-Keller, Johannes Kretschmann und Erika Rimmele-Laux treten erneut an. Was die Grünen besonders freute, war, dass auch einige junge, teils auch sehr junge, Kandidaten antreten. Zum Beispiel die 18-jährige Fiona Skuppin für den Wahlbezirk Bad Saulgau, die an prominenter Stelle auf Platz eins der Liste gewählt wurde. „Ich habe – im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen – eine politische Meinung“, sagte sie. Sie wolle, dass auch andere ihrer Altersgruppe zum Wählen gehen. Die 21-jährige Hanna Stauss (Wahlbezirk Gammertingen), die sich für die Alkoholprävention bei Jugendlichen engagiert, berichtete, dass auch andere Parteien bei ihr angefragt hätten. „Aber mein Herz ist grün“, meinte sie. Der 18-jährige Laurencius Griener (ebenfalls Wahlbezirk Gammertingen) wiederum findet wichtig, dass junge Leute die Möglichkeit haben, nach dem Studium in der Region bleiben oder wieder in die Region kommen können.

Alle Kandidaten, sofern anwesend, stellten sich kurz vor und erläuterten, welche Themen sie besonders wichtig finden. Oft wurden dabei die klassischen grünen Themenfelder Umwelt-, Klima- und Naturschutz genannt, aber auch das Thema Mobilität im ländlichen Raum. Gleich mehrere Kandidaten nannten als Ziel, einen Landschaftserhaltungsverband zu schaffen – Hintergrund ist, dass die Kreisverwaltung im Kreistag das schon einmal vorschlug, was aber misslang. Unter anderem die CDU-Fraktion stimmte damals gegen den Vorschlag.

Manche Grünen sehen offenbar die Macht im Kreis weniger bei Landrätin Stefanie Bürkle liegen, sondern mehr bei Pfullendorfs Bürgermeister und CDU-Fraktionschef Thomas Kugler: „Es wäre für mich natürlich ein Traum, wenn die Kreispolitik nicht im Rathaus von Pfullendorf entschieden werden würde“, sagte Kandidat Hermann Brodmann (Wahlbezirk Sigmaringen-Land).Offensichtlich traf er damit einen Nerv, denn er erhielt starken Beifall für seine Aussage in der Versammlung.

Über die sieben Wahllisten wurde jeweils im Block geheim abgestimmt. Beim Wahlbezirk Mengen jedoch musste mehrmals zusätzlich geheim über die Rangfolge der Listenplätze abgestimmt werden: So beanspruchten sowohl Ina Schultz wie auch Horst Reinauer Platz zwei auf der Liste, Ina Schultz erhielt dann mehr Stimmen.

Gerold Schellinger appellierte an die Wahlkreiskandidaten, nicht die parallel stattfindende Wahl zum Europaparlament zu vergessen. Es gehe darum, um die Demokratie in Europa zu kämpfen.

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