Wurzeln der Volksbank Bad Saulgau liegen in Mengen

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Filialleiter Peter Bruckeser, Regionalleiter Patrick Remensperger, Bürgermeister Stefan Bubeck, Vorsitzender des Heimat- und Ges
Filialleiter Peter Bruckeser, Regionalleiter Patrick Remensperger, Bürgermeister Stefan Bubeck, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Otto Karl Linder sowie die Vorstandsmitglieder Klaus Remensperger und Klaus Thaler (von links) freuen sich, diese spannende Ausstellung zu 150 Jahre Volksbank Mengen zu präsentieren. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Im weißen Gewölbe der Volksbank in Mengen ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die eine spannende Erfolgsgeschichte erzählt: 150 Jahre Volksbank in der Stadt. Klaus Remensperger, Mitglied des Vorstands der Volksbank Bad Saulgau begrüßte im Oberschoss der Bank viele Besucher zur Vernissage. Sie waren beim Rundgang von den Ausstellungsstücken und vom Ausstellungsraum gleichermaßen begeistert. Der Kellerraum ist zu diesem Anlass für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht worden und gibt der Ausstellung ein interessantes Umfeld samt altem Tresor mit Münzsäcken und Geldbomben. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Volksbank zu sehen.

Sie zeigt Exponate, die viele Erinnerungen wecken. Zum einen sind es die Menschen auf den Fotos, die eng mit der Volksbank und der Stadtgeschichte verbunden sind. Die Entwicklung der Bank spiegelt die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Mengen. Dann gibt es die Spardosen aus verschiedenen Jahrzehnten. Auch eigentümliche Geldzähler ziehen die Blicke auf sich. Geldscheine aus verschiedenen Epochen liegen in einer Vitrine und zeigen, wie schnell ihr Aussehen sich verändert hat. Am spannendsten ist das originale Gründungsbuch, mit den Statuten aus dem Jahr 1869. Protokolle berichten von der Gründung und den Entwicklungen. Die Besucher gingen von Vitrine zu Vitrine, von Tafel zu Tafel und unterhielten sich dabei angeregt. Bankgeschichte ist auch Stadtgeschichte.

Viel landet auf dem Müll

So grüßte Otto Karl Linder als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein mit einer humorvollen Rede. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein konzipiert und passe gut in die Themen, die im Museum bearbeitet werden, sagte er. Es sei aber nicht einfach gewesen, ausstellungswürdige Exponate zu finden. „Bei Umzügen und Umbauten wurde meist rigoros geräumt und vieles landete im Müll“, sagte er. Doch gebe es unter den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins leidenschaftliche Sammler, die einen großen Fundus an Antiquitäten haben. So kamen doch interessante Exponate zusammen.

Zum Festakt gehörte der Rückblick auf 150 Jahre Erfolgsgeschichte, die Regionalleiter Patrick Remensperger vortrug. Im Gründungsjahr 1869 hatte Mengen rund 2100 Einwohner. Damals gab es weder Strom noch fließend Wasser in den Häusern; der Bahnhof war noch nicht gebaut. Der Gewerbeverein hatte sich vor sechs Jahre gegründet und die Zünfte abgelöst. Dieser aktive Gewerbeverein regte die Gründung einer Gewerbebank an. Am 13. Juli trafen sich 131 Bürger im Gasthaus Hirsch (heute Kreissparkasse), um die Gewerbebank zu gründen. Die Statuten der Tuttlinger Gewerbebank dienten als Grundlage für die Mengener Statuten. Der Nebenraum des Gasthauses wurde zum Geschäftsraum der Bank. 1925 bezog sie eigene Räume in der Mittleren Straße. 1941 wurde die Gewerbebank in Volksbank Mengen umbenannt. 1955 kaufte sie das Gasthaus Kreuz und zog in das barocke Gebäude ein.

Die Mengener Gewerbebank florierte und verfügte über eine gute Liquidität. So konnte sie das Angebot der Zentralbank, mit Geld versorgt zu werden, ablehnen. In den 1960er-Jahren kam es zu einem starken Wachstum von Einlagen und Krediten. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte die Bank ihr Kreditvolumen und kam an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Aufgrund des enormen Wachstums führt die Volksbank Anfang der 1970er-Jahre Gespräche mit benachbarten Genossenschaftsbanken Riedlingen und Saulgau, um zu fusionieren. 1972 fusionierte Mengen aber mit der Ulmer Volksbank, weil die anderen noch zu klein waren. Erst in den 2000er-Jahren wurde diese Verbindung wieder gelöst. Es kam zur Fusion mit der Volksbank Bad Saulgau. „Eine einzigartige Geschichte in Baden-Württemberg“, stellte Patrick Remensperger fest. Die Geschichte der Mengener Volksbank ist in der Ausstellung gut aufbereitet und macht bewusst, wie bedeutend die Bankgeschichte für die Stadt ist.

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