Wolfs-Video wurde nicht in Mengen aufgenommen

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung
Christoph Klawitter

Das Video, das derzeit in den sozialen Medien kursiert, und das eine Wolfssichtung in Mengen zeigen soll, zeigt zwar tatsächlich einen Wolf, aufgenommen wurde es aber woanders.

Seelenruhig trabt ein Wolf über das Feld auf denjenigen zu, der ihn mit seinem Smartphone filmt. Der Himmel ist grau, im Hintergrund ist eine Baumreihe zu sehen. Vielleicht verläuft dort eine Straße. Gerade, weil die Landschaft relativ beliebig ist, wird das Video in den sozialen Netzwerken in ganz Deutschland eifrig geteilt und allerorts als Wolfssichtung aus der eigenen Region gefeiert. Wie das Umweltministerium in Stuttgart der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt, ist das Video, dass derzeit auch in Mengen kursiert, in Niedersachsen aufgenommen worden.

Bauer soll gefilmt haben

Als das Video in der vergangenen Woche per Whatsapp die Redaktion erreicht, lautet das Gerücht, dass es in Mengen aufgenommen wurde. Genauer: in Granheim. Das Video soll gar von Landwirt Martin Neher persönlich aufgenommen worden sein. Warum auch nicht? Der Landwirt ist zu den ruhigen Stunden am frühen Morgen unterwegs, da könnte ihm direkt vor dem eigenen Hofgebäude (am Ende des Videos ist eine Scheune kurz im Bild) dieses Prachtexemplar von einem Wolf begegnet sein. Schließlich hatte die „Schwäbische Zeitung“ erst kurz zuvor über den Wolf berichtet, der zuerst am 17. Februar in eine Fotofalle bei Beuron im Donautal getappt war, und knapp zwei Wochen später auch von einem Autofahrer in Ostrach gesichtet worden war. Würde sich der Wolf noch in der Region aufhalten, wäre es denkbar, dass er auch in Mengen gesehen wird.

Anruf bringt Klärung

Ein Anruf bei Familie Neher in Granheim bringt zumindest eine Gewissheit: Hier hat niemand einen Wolf gesehen, geschweige denn ein Foto gemacht. Zeitgleich erscheint das Video auch auf verschiedenen regionalen Seiten bei Facebook. Die Seite Blaulichtreport Oberschwaben verortet es „irgendwo in Oberschwaben“ und lässt die Nutzer fleißig raten. Pfullendorf und Ostrach werden gut gehandelt, es gibt aber auch Hinweise von Nutzern, dass das Video aus einem ganz anderen Bundesland stammen könnte.

Video kursiert bundesweit

Dem Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg ist keine weitere Sichtung des Wolfes aus Mengen bekannt. Pressesprecher Ralf Heineken lässt sich allerdings das besagte Video schicken, um es bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg überprüfen zu lassen. Von dort kommt die ernüchternde Antwort, dass das Video in Niedersachsen entstanden ist. „Dort hat man den Ort verifiziert“, schreibt Heineken. Das Video kursiere aber wohl auch in anderen Bundesländern als Fake einer aktuellen Vor-Ort-Wolfssichtung.

Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren 26-mal Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet, fotografiert oder gefilmt. „Wir gehen von insgesamt sechs verschiedenen Tieren in den vergangenen beiden Jahren aus. Derzeit sind es wahrscheinlich drei Wölfe, die in Baden-Württemberg umherstreifen“, sagte Heineken bereits in der vergangenen Woche.

Im Netz hatte das Video aus Niedersachsen unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Viele Nutzer freuten sich über die Schönheit des Tieres und baten darum, es in Ruhe zu lassen. Andere übermannt angesichts eines Wolfs in der Nähe eher ein unangenehmes Gefühl.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen