Wenn der Kranführer einen Herzinfarkt bekommt

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Daumen hoch: Abteilungskommandant Florian Pfau (links) rettet in einer Übung Robert Oberkofler, der den Kranführer mit Herzinfar
Daumen hoch: Abteilungskommandant Florian Pfau (links) rettet in einer Übung Robert Oberkofler, der den Kranführer mit Herzinfarkt spielt. (Foto: Feuerwehr Mengen)
Schwäbische Zeitung

Wenn ein Arbeitskollege einen Herzinfarkt bekommt, muss schnell gehandelt und ein Rettungswagen samt Notarzt alarmiert werden. Handelt es sich beim Patienten um einen Baukranführer, der sich in luftiger Höhe in der Kabine seines Krans befindet, wird der Einsatz zum Fall für die Feuerwehr. Am Samstag haben Einsatzkräfte der Fachabteilung Absturzsicherung der Freiwilligen Feuerwehr Mengen genau dieses Szenario mit Unterstützung eines Höhenretters der Berufsfeuerwehr durchgespielt.

Die Übung fand auf der Baustelle an der Alten Straße in Mengen statt, Baunternehmer Manfred Löffler hatte den Kran zu diesem Zweck dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Aufmerksame Arbeitskollegen bemerkten die Notlage des Kranführers und alarmierten die Rettungskräfte. Schnell war die Feuerwehr Mengen mit zwölf Einsatzkräften vor Ort und begann mit der Rettung. Als erstes musste der Kranführer erreicht werden, hierzu stieg ein Zwei-Mann-Trupp den 40 Meter hohen Kran hinauf. Schnell war klar, dass der Kranführer seinen Arbeitsplatz nicht aus eigener Kraft verlassen konnte. Kurzatmigkeit, ein Stechen in der Brust, Schmerzen im linken Arm und kalter Schweiß waren die Symptome, die der erste Trupp zum Einsatzleiter funkte.

Während die beiden Einsatzkräfte den Kranführer gegen einen Absturz sicherten und die erste Lagemeldung abgaben, wurden auch schon die nächst gelegenen Höhenretter und die Bergwacht alarmiert. Der bereits eingetroffene Notarzt stieg ebenfalls in die Höhe und versorgte den Patienten. Mit einem Flaschenzug konnte der Patient aus der Kanzel des Kranes gebracht und für die Rettung vorbereitet werden. Direkt neben seinem Arbeitsplatz wurde er mit einem Höhenretter in die Tiefe abgeseilt, wo er dem Rettungsdienst übergeben werden konnte.

Florian Pfau, Kommandant der Mengener Stadtabteilung, zeigte sich am Ende der Übung zufrieden mit der Leistung seiner Feuerwehrleute. Die Übung sei schnell, ruhig und fehlerfrei abgelaufen. In dieser Form stattfinden konnte sie nur, da die Mengener Wehr über einen Höhenretter der Berufsfeuerwehr und einen Höhenretter der Bergwacht verfüge, so Pfau. Bei einem solchen Szenario werden grundsätzlich Höhenretter und Bergwacht mit alarmiert, in der Zwischenzeit bereitet die Fachabteilung Absturzsicherung die Rettung des Verunglückten vor.

Schwindelfrei sollte man sein

Die Mengener Feuerwehr probt regelmäßig das einfache Retten aus Höhen und Tiefen. Der Fachbereich Absturzsicherung, den es seit zehn Jahren gibt und der von Kommandant Florian Pfau geleitet wird, erfordert neben der Grundfitness auch das sichere und schwindelfreie Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen. Zwar sind die Frauen und Männer ständig gesichert, dennoch erfordert das „freie Klettern“ im urbanen Bereich oder an technischen Anlagen die volle Konzentration und ständige Übung. Die Mengener Wehr hat mehrere Höhenretter und ein Mitglied der Bergwacht im Absturzsicherungsteam. Es beschäftigt sich nicht nur mit der Rettung aus Höhen, sondern wird auch im Bereich von Tiefen wie Schächten, Gruben oder Tanks, allgemein in beengten Räumen, eingesetzt. Auf durch Sturm abgedeckten Dächern oder zur Sicherung eines Löschtrupps bei einem Dachstuhlbrand kommt die Fachgruppe zum Einsatz. Auch die Unterstützung von Rettungsdiensten, wenn der Patient aufgrund eines zu engen Treppenhauses mit Schleifkorbtrage und Drehleiter durch ein Fenster oder über den Balkon gebracht werden muss, gehört zum Alltag der Feuerwehr.

Beim Anlegen der Ausrüstung kontrollieren sich die Teammitglieder vor und während des Einsatzes ständig gegenseitig. Der Sitz des Klettergurtes und die korrekte Schließung von Karabinern hat oberste Priorität. Aufstieg und Vorstieg sind doppelt gesichert. Der Vorsteiger wird über ein Seil durch einen rückwärtigen Sicherer mit stabilem Standplatz abgesichert, während er sich zusätzlich mit zwei sogenannten Bandfalldämpfern selbst sichert. „Die ständige Kontrolle während des Einsatzes erfordert zusätzliche Konzentration zum eigentlichen Auftrag“, so Pfau. Die Sicherheit der eigenen Kräfte gehe dabei stets vor Schnelligkeit. „Schließlich sollen der Patient und sein Retter gesund nach Hause zurückkehren.“

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