„Wenn der Kampf vorbei ist, entsteht große Ruhe“

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 Veronika Gerster, Lucia Steinhart, Karin Voll, Brunhilde Raiser, Irma Knupfer und Franziska Schlawinski (von links) werben mit
Veronika Gerster, Lucia Steinhart, Karin Voll, Brunhilde Raiser, Irma Knupfer und Franziska Schlawinski (von links) werben mit Kaffee und Kuchen am Stand des Hospizvereins für ihre Arbeit. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Der Hospizverein für Mengen, Hohentengen und Scheer hat beim Tag der offenen Tür der Gärtnerei Bosch für die Bewirtung gesorgt. Mit Kaffee, Kuchen und Sekt haben sie den vielen Besuchern das Verweilen verschönert. Für die Ehrenamtlichen des Hospizvereins war es eine gute Gelegenheit, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, über ihre Arbeit aufzuklären und auf den Hospizverein aufmerksam zu machen. Der Zuspruch und die Spendenbereitschaft waren groß.

„Wir brauchen Menschen, die uns gedanklich stärken und die Idee des Hospiz’ unterstützen“, sagt die Vorsitzende des Hospizvereins Brunhilde Raiser. Die Idee hinter dem Verein sei die ehrenamtliche Begleitung der Sterbenden am Ende des Lebens. Es ist auch die Begleitung ihrer Familien über den Tod hinaus, in der Zeit ihrer Trauer. Auch freuen sich die Ehrenamtlichen des Hospizvereins über die Spenden. Das Geld wird für die Ausbildung der aktiven Begleiter gebraucht sowie für die Supervisionen, in denen die Aktiven ihre Erlebnisse verarbeiten.

Es gibt eine Art Hemmschwelle: Viele Familien wissen nicht so richtig, ab wann und wie sie eine Begleitung in Anspruch nehmen können. „Wir freuen uns, wenn diese Hemmschwelle überwunden wird und bei uns angerufen wird“, sagt Raiser. Manchmal begleite der Hospizverein mehrere Menschen parallel und manchmal gebe es Zeiten, in denen keine Unterstützung angefragt werde.

Engagement ist vielfältig

Das Engagement im Hospizverein ist vielfältig. Es gibt die aktiven Begleiterinnen, die sich um die Menschen am Ende ihres Lebens und ihre Familien kümmern. „Es gibt aber auch die Arbeit im Vorstandsgremium des Vereins und bei Veranstaltungen. Wir suchen immer Leute, die sich gerne einbringen“, sagt Raiser. Gerade bei der Teilnahme an solchen Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür seien es Ehrenamtliche, die Kuchen backen, die Kaffee kochen und Sekt ausschenken und von der Vereinsarbeit berichten.

Zwei Begleiterinnen - Lucia Steinhart und Karin Voll – haben eine Fortbildung gemacht, um Kinder und Jugendliche in den Tod zu begleiten. Es seien unterschiedliche Aufgaben. Manchmal sei ein Kind schwerkrank, dann bräuchten die Eltern Entlastung und die Geschwisterkinder Zuwendung. „Die Eltern sind so mit Krankenhäusern, Therapien und Medikamenten beschäftigt, dass die gesunden Geschwister in ihren Bedürfnissen ein wenig vernachlässigt werden. Sie leiden nebenher und ihnen fehlt die Aufmerksamkeit der Eltern. Dann kümmern wir uns darum“, sagt Lucia Steinhart. Als Außenstehende sei es manchmal auch leichter, Antworten auf die Fragen der Kinder zu geben.

Wie soll man den Tod der Mutter, des Vaters, der Großeltern erklären? Was hilft beim Abschiednehmen und in der Trauer? Da können Karin Voll und Lucia Steinhart immer wieder helfen, damit der Verlust verkraftet wird. Bei Jugendlichen sei es besonders schwierig: „Sie verschließen sich und lassen niemand zu. Da braucht es oft Zeit“, so Steinhart. Da kann das Erinnern an das Gute und Schöne der vergangenen Tage sein, was berührt und für das Gespräch öffnet.

Lucia Steinhart hat ihr aktives Engagement im Hospizverein vor acht Jahren begonnen. In der Zeit, in der das Leben ihrer Mutter zu Ende ging, hatte sie viel Unterstützung erfahren. „Ich habe gespürt, wie wichtig es ist und gebe jetzt etwas von dem Guten, das ich selbst erfahren habe, zurück“, erklärt sie. Wichtig sei für Sterbende und ihre Familien, nicht allein gelassen zu werden. Mit ihrer Arbeit als aktive Begleiterin entlastet sie die Angehörigen und ermöglicht den Sterbenden in ihren letzten Lebenstagen ein gutes Gefühl. „Es ist ein großes Privileg, da zu sein, wenn das Leben endet. Wenn der Kampf vorbei ist, entsteht bei Sterbenden eine große Ruhe“, findet sie.

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