Vom Führerhaus einen Lastzugs „Toten Winkel“ erleben

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 Fahrrad-Beauftragte Cornelia Hund überreicht dem Fuhrunternehmer Egon Stark (Mitte) und dem Bauhofleiter Frank Baur (links) die
Fahrrad-Beauftragte Cornelia Hund überreicht dem Fuhrunternehmer Egon Stark (Mitte) und dem Bauhofleiter Frank Baur (links) die Aufkleber für ihre großen Fahrzeuge. Jürgen Berka von der Kreisverkehrswacht und Polizeibeamter Gerhard Angele unterstützen die Aktion. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Auf dem Herbsttreff in der Mengener Innenstadt ist am Samstag der große grüne Lastwagen der Rulfinger Firma Egon Stark ein richtiger Hingucker gewesen: Kinder und ihre Eltern durften hinaufklettern und sich in die Kabine setzen. Hintergrund war die Aktion „Toter Winkel“. Radfahrer und Fußgänger sind nämlich in großer Gefahr, wenn sie sich im „toten Winkel“ eines Lasters aufhalten: Der Fahrer kann sie nicht sehen.

Um den Mengenern diese Gefahr bewusst zu machen, startete am Morgen auf dem Herbstreff zusammen mit dem Polizeipräsidium Konstanz und die Kreisverkehrswacht ganz offiziell eine Sensibilisierungsaktion. Die Fahrrad-Beauftragte der Stadt Mengen, Cornelia Hund, überreichte Speditions-Geschäftsführer Egon Stark und Bauhofleiter Frank Baur jeweils Aufkleber für ihre Fahrzeuge. Der Aufkleber wurde von der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg entwickelt. Die Maßnahme wird vom Verkehrsministerium gefördert.

Der Aufkleber soll hinten rechts am Fahrzeug angebracht werden, um dem Radfahrer zu signalisieren, dass er sich in die Gefahrenzone begibt. „Fußgänger und Radfahrer sollten wissen, dass sie jetzt auf den Laswagen achten müssen, weil sie für den Fahrer nicht sichtbar sind“, sagte Cornelia Hund. Sie lud die Herbsttreffbesucher ein, in den Laster zu steigen und sich selber davon zu überzeugen, dass man Radfahrer und Fußgänger im „Toten Winkel“ nicht wahrnehmen kann.

Neun Unfälle in diesem Jahr

Der Polizeibeamte Gerhard Angele aus dem Referat Prävention des Polizeipräsidiums Konstanz war gekommen, um die Bürger zu sensibilisieren. Im Bereich des Polizeipräsidiums, das die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen, Bodensee und Konstanz umfasst, habe es 2018 acht Unfälle im „Toten Winkel“ gegeben: In Singen starb ein Radfahrer, ein Motorradfahrer verletzte sich schwer. 2019 wurden bis August neun Unfälle im „Toten Winkel“ mit sechs Leichtverletzen erfasst. Zum Glück sei bisher im Landkreis Sigmaringen nichts passiert. Angele betonte: „Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel.“ Er berichtete, dass er zusammen mit seinen Kollegen Klaus Kubenz und Kurt Henz den Schülern bei der Fahrradausbildung diese Gefahr erkläre. Im Theorieteil zeigen die Polizeibeamten den Kindern große Plakate mit Fotos. Im Praxisteil werde es den Kindern nochmal eingeschärft. Auch für Senioren gebe es Sicherheitskurse.

Bauhofleiter Frank Baur erklärte, dass der städtische Lastwagen und der Traktor mit Anhänger für Radfahrer und Fußgänger gefährlich seien, weil es größere Fahrzeuge sind. Auf diesen Fahrzeugen werden die Aufkleber angebracht. Egon Stark zeigte, welcher Bereich konkret gefährlich ist: Zwischen dem Rad des Sattelzugs und dem Rad des Sattel-Aufliegers liegt die Gefahrenzone. Weiter hinten habe der Fahrer den Lastwagen und die Radfahrer über die Spiegel im Blick.

Am gefährlichsten wird es, wenn der Radfahrer bei einer roten Ampel auf der rechten Seite bis nach vorne fährt und auf der Höhe der Kabine wartet, dass die Ampel auf Grün schaltet. Polizeibeamter Angele betonte, dass dies erlaubt sei, aber eben sehr gefährlich. Egon Stark warnte: „Da sieht der Radler aber nicht, dass der Lastwagen blinkt und rechts abbiegen will. Und der Fahrer kann den Radler nicht sehen, weil er im ,Toten Winkel’ steht.“ Es wäre besser, wenn der Radfahrer hinter dem Laster warten würde, bis die Ampel grün wird. „Hinten sieht er auch, dass der Lastwagen blinkt und rechts abbiegen will. Und der Fahrer sieht den Radler im Spiegel“, so Stark.

Cornelia Hund und Kerstin Keppler sind in der Stadtverwaltung für die Sensibilisierungsaktionen zuständig. Sie nehmen die Anregungen des Arbeitskreises auf und setzen sie in der Stadt um, damit es für Radfahrer und Fußgänger sicherer wird.

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