Turbulenzen auf dem Regio-Airport Mengen

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Drei Geschäftsführer in fünf Jahren: Auf dem Regio-Airport in Mengen kehrt keine Ruhe ein.
Drei Geschäftsführer in fünf Jahren: Auf dem Regio-Airport in Mengen kehrt keine Ruhe ein. (Foto: Jennifer Kuhlmann)
Redaktionsleiter

Volker Seelos, Boris Kraft, Berthold Porath: Das sind die Namen der vergangenen drei Geschäftsführer des Regio-Airports Mengen in knapp fünf Jahren. Bereits am 21. September soll in der Gesellschafterversammlung der Nachfolger von Berthold Porath gewählt werden, der nach nur einem Monat als Geschäftsführer aufgehört hat. Die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Landrätin Stefanie Bürkle, wünscht sich mehr Kontinuität. „Das tut jeder Gesellschaft gut.“

Stefanie Bürkle bleibt bei der offiziellen Version des Landratsamts Sigmaringen, dass Berthold Porath einzig und allein aus persönlichen Gründen nach nur vier Wochen gekündigt hatte. Doch nicht alle der etwa 40 Gesellschafter sind davon wirklich überzeugt. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Porath unter falschen Voraussetzungen eingestellt worden ist“, sagt ein Gesellschafter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er vertritt stattdessen die These, dass Porath schnell gemerkt habe, „dass er nur eine Marionette ist, ein Hampelmann.“ Schuld daran seien seiner Ansicht nach die verschiedenen politischen Interessen, die auf dem Flugplatz nichts verloren hätten. „Die Politik hält sich leider nicht heraus aus dem Tagesgeschäft“, ergänzt der Gesellschafter, der eigentlich gewillt war, auf dem Flugplatz zu investieren, inzwischen aber erst einmal nichts mehr machen wolle. „Mir ist die Lust vergangen.“

Das Ausscheiden Poraths sei dabei nicht der entscheidende Grund, warum er sich auf einmal mit seinen Investitionen zurückhalte. „Hier passieren Sachen, die nicht sein dürfen.“ Er zählt das Beispiel eines Mannes auf, der offenbar ohne Flugschein für Ultraleicht-Flugzeuge trotzdem solchen Maschinen fliegt und außerdem in einer Halle auf dem Flugplatz hin und wieder Flugzeuge repariert – „illegal, weil er gar kein Gewerbe angemeldet hat“. Offensichtlich hatte der Mann ein Platzverweis erhalten, der aber wieder aufgehoben wurde. Stefanie Bürkle kommentiert den Vorwurf des Gesellschafters nicht. „Dazu sage ich öffentlich nichts.“

„Bewerber wurden rausgefiltert“

Der Gesellschafter wirft dem Verwaltungsrat zudem vor, dass das Auswahlverfahren bei der Wahl von Berthold Porath in der Gesellschafterversammlung eine Farce gewesen sei. „Ausgeschrieben war zuerst eine 50-Prozent-Stelle, während der Versammlung waren es dann plötzlich 100 Prozent.“ Und weiter sagt er: „Wir wussten gar nicht, wer sich alles bewirbt. Das wurde vorher herausgefiltert.“

„Ein völlig normales Bewerbungsverfahren“, sagt dazu die Verwaltungsvorsitzende Stefanie Bürkle. Es sei die Aufgabe des Verwaltungsrats, aus den vielen Bewerbungen den Gesellschaftern die besten Bewerber vorzuschlagen. „Wir können in einer Gesellschafterversammlung keine 25 Bewerbervorstellungen durchführen. Jeder Gesellschafter konnte jedoch die Bewerbungsunterlagen einsehen.“ 25 Bewerbungen waren es zuletzt, als Porath zum Nachfolger von Boris Kraft gewählt wurde. Zwei Kandidaten waren es zum Schluss, die infrage kamen. „Dass zwei Bewerber sich vorstellen, war ein einstimmiger Beschluss des Verwaltungsrats.“ Dass Boris Kraft nach zwei Jahren das Amt als Geschäftsführer niedergelegt hatte, habe bei seinem Amtsantritt schon festgestanden. „Auch der nächste Geschäftsführer erhält von uns zunächst einen Zweijahresvertrag.“

Bürkle indes reagiert gelassen auf die Vorwürfe des Gesellschafters. Aktuell habe es keine Kündigungen von Gesellschaftern gegeben. „Es kamen sogar neue hinzu.“ Und auch die Zahlen hätten sich gut entwickelt, wobei der Regio-Airport weiterhin ein Zuschussbetrieb bleiben wird. „Wir hatten in diesem Frühjahr im Vergleich zum vergangenen Jahr bei den gewerblichen Flügen einen Zuwachs von 54 Prozent gehabt, bei den nicht gewerblichen von 31 Prozent“ – dazu eine deutliche Steigerung von Auslandsflügen (62 Prozent). Und dass, so Bürkle, obwohl 2016 der Blitz auf dem Flugplatz eingeschlagen haben. Bürkle erkennt also einen positiven Trend, „weil auf dem Flugplatz gute Arbeit geleistet wird, in einem nicht ganz einfachen Umfeld“. Die Kritik eines Gesellschafters sei nicht repräsentativ. „Wir sprechen mit den Gesellschaftern offen über alles“, sagt sie. Die Stimmung sei gut, sämtliche Beschlüsse würden mehrheitlich getroffen.

Bürkle will nicht neu auschreiben

In zwei Wochen wird die nächste Gesellschafterversammlung einberufen, bei der ein neuer Geschäftsführer gewählt werden soll. Der Verwaltungsrat greift dabei auf die Bewerber zurück, die bei der Porath-Wahl das Nachsehen hatten. Eine neue Ausschreibung der Stelle hält Bürkle deshalb nicht für notwendig. „Wir werden das Auswahlverfahren für die Gesellschafter entsprechend vorbereiten.“ Erwartet werden vom neuen Geschäftsführer Kenntnisse im Flugrecht, in der Flugtechnik und in der Sicherheit, kaufmännische Kenntnisse und auch die persönliche Kompetenz, „den Flugplatz entsprechend zu positionieren und weiterzuentwickeln.“

Für den kritischen Gesellschafter, der es derzeit bereut, Anteile erworben zu haben, ist das Anforderungsprofil nebensächlich. Er rechnet mit weiteren Turbulenzen. „Der Neue darf sowieso nur die Anweisungen des Landratsamts umsetzen und keine Verantwortung übernehmen“, sagt er.

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