Teil der Vichy-Regierung stirbt in Mengen

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Ein Trauerzug geleitete den französische Faschistenführer Jacques Doriot durch Mengen.
Ein Trauerzug geleitete den französische Faschistenführer Jacques Doriot durch Mengen. (Foto: Quelle: Kreisarchiv)
Schwäbische Zeitung
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Zum Ende des Zweiten Weltkriegs bekam Mengen einen Zuwachs an Franzosen. Nachdem die Alliierten in Frankreich gelandet waren, wurde die Vichy-Regierung – sie arbeitete mit den Nationalsozialisten zusammen - ins Schloss nach Sigmaringen verlegt. Einige Mitglieder dieser Regierung wohnten im Hotel Baier in Mengen. Zwei von ihnen kamen in oder bei Mengen bei Fliegerangriffen ums Leben. René Menard, der Präsident der französischen Volkswohlfahrt starb in Mengen heute genau vor 70 Jahren.

Der französische Kurort Vichy ist ab 1940 der Regierungssitz im von Deutschen nicht besetzten südlichen Teil Frankreichs. Marshall Petain ist der starke Mann dieser Regierung. Die Regierung ist bekannt für die Kollaboration mit den deutschen Nationalsozialisten unter anderem bei der Deportation von Juden aus dem nicht besetzten Teil Frankreichs. Mit der Landung der Alliierten in Frankreich brauchen die Nationalsozialisten einen sicheren Ort für diese „befreundete“ Regierung. Im Oktober 1944 beginnt die Vichy-Regierung aufgrund eines Führerbefehls die Arbeit für das aus ihrer Sicht „besetzte Frankreich“ in Sigmaringen. Viele Regierungsmitglieder wohnten in dieser Zeit im Hotel Baier.

Der frühere Stadtarchivar der Stadt Mengen, Anton Stehle, zitiert in seinem Aufsatz Diktatur, Krieg und Besatzungszeit den Mengener Stadtpfarrer Schmitt: „Viele Franzosen kommen nach Mengen. Hotel Baier ist ganz besetzt mit Franzosen. In Mengen hört man fast alle europäischen Sprachen, auch Griechen sind hier.“

Gegen Kriegsende waren die Stadt Mengen und besonders die Bahnanlagen das Ziel von Jagdbomber-Angriffen. Damals prominente Franzosen waren unter den Opfern. René Menard wurde, so der frühere Stadtarchivar Hans Willbold in seinem Buch über das Kriegsende in der Region, in der Nähe des Bahnhofs in Mengen zusammen mit seinem Dolmetscher tödlich getroffen. Bereits am 22. Februar 1945 stirbt Jacques Doriot, ein weiteres prominentes Mitglied dieser Regierung, bei Rulfingen auf der R 311 im Pkw durch Bordwaffenbeschuss. Er war Vorsitzender der faschistischen PPF (Parti populair francais) und ein hochrangiges Mitglied der Regierung in Sigmaringen. Beide, sowohl Menard als auch Doriot, sind in Mengen begraben.

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