Tödliche Messerstiche: Angeklagter soll einen Dartpfeil in Richtung seiner späteren Opfer geworfen haben

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 Auch beim zweiten Prozesstag verfolgt der 26-Angeklagte regungslos die Verhandlung vor dem Landgericht Ravensburg. Ihm wird vor
Auch beim zweiten Prozesstag verfolgt der 26-Angeklagte regungslos die Verhandlung vor dem Landgericht Ravensburg. Ihm wird vorgeworfen, vor einer Gaststätte in Mengen einen 27-Jährigen mit drei Messerstichen getötet und einen weiteren Mann schwer verletzt zu haben. (Foto: Alena Ehrlich)
Wolfgang Steinhübel

Der Prozess gegen einen 26-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Sigmaringen ist am Montagnachmittag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg legt dem Tatverdächtigen Totschlag in Tateinheit mit versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung zur Last. Der Mann soll in der Nacht auf den 3. Februar vor einer Gaststätte in Mengen einen 27-Jährigen mit einem Messer erstochen und einen 25-Jährigen schwer verletzt haben. Vergangenen Freitag, am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Ravensburg, hatte der Angeklagte die Tat gestanden und sich bei den Angehörigen entschuldigt. Die Umstände, die zur Tat führten, könne er sich nicht erklären. Seine Erinnerungen seien stark eingeschränkt.

Das Interesse an dem Prozess ist nach wie vor groß. Der Gerichtssaal ist trotz des guten Wetters fast bis auf den letzten Platz besetzt. Der Angeklagte wird von zwei Justizbeamten hereingeführt, er trägt ein weißes Hemd, dazu Jeans. Den Kopf hält er gesenkt, er wird den Blick während der gesamten Verhandlung nicht heben, sondern nur in seine Akten schauen, jeglichen Blickkontakt vermeiden. Zwei Zeuginnen, die das Geschehen in der Tatnacht in der Gaststätte und danach im Außenbereich verfolgt haben, werden aussagen. Beide haben große Erinnerungslücken und können sich nur bruchstückhaft erinnern, alles sei so schnell gegangen. Immer wieder muss der Vorsitzende Richter Veiko Böhm den Zeuginnen Aussagen vorhalten, die sie zu einem früheren Zeitpunkt gegenüber den vernehmenden Polizeibeamten gemacht haben.

Die erste Zeugin erzählt, dass sie von Streitereien in der Gaststätte nichts bemerkt habe. Erst als sie ins Freie trat, um nach Hause zu gehen, bemerkte sie eine Rangelei zwischen drei oder vier Personen. Dann habe sie eine Person wegrennen sehen. Eine weitere Person habe eine Weile gebückt dagestanden, dann sei sie zu Boden gegangen. Die Zeugin ging hinzu, sah dass es sich um einen Mann handelte, der verletzt war. Sie legte ihm eine Jacke unter den Kopf und redete mit ihm.

Die zweite Zeugin war mit drei Freunden in der Gaststätte. Dort herrschte eine aggressive Stimmung. Jemand sagte, ein Mann habe ein Messer. Draußen habe sie dann die Schlägerei gesehen und deutlich gehört, wie jemand gerufen hat: „Pass auf, der hat ein Messer.“ Ihr Freund sei zu der Gruppe gelaufen und habe versucht, einer Person von der Gruppe zu trennen und ihm das Messer wegzunehmen.

„Zwei komische Typen“

Nach den beiden Zeuginnen sagte ein Polizeibeamter aus, der die ersten Zeugenvernehmungen durchgeführt hatte. Den Verletzten konnte er noch im Krankenhaus kurz nach der Tat befragen. Dieser sagte unter anderem aus, dass der Angeklagte einen Dartpfeil in ihre Gruppe geworfen habe, worauf das spätere Opfer mit Verweis auf eine anwesende Arbeitskollegin sagte: „Passt diese Frau in dein Beuteschema?“

Der Polizeibeamte zitierte auch eine Zeugin der Rangelei, die deutlich eine Stimme zweimal sagen hörte: „Spürst du dieses Messer?“. Eine weitere Zeugin habe ausgesagt, die Bedienung hätte sie angehalten, noch etwas zu bestellen und noch nicht nach Hause zu gehen. „Da stehen zwei komische Typen an der Theke“, habe sie gesagt. Zwei bis drei Minuten später sei man trotzdem gegangen, danach passierte das Unglück. Auf Befragen des psychiatrischen Sachverständigen Hermann Assfalg sagte der Polizeibeamte aus, dass verschiedene Arbeitskollegen den Angeklagten als netten und hilfsbereiten Kollegen bezeichneten. Sie seien von dem Geschehenen völlig überrascht gewesen.

Die nächste Verhandlung findet nach einer dreiwöchigen Pause am Montag, den 26. August um 8.30 Uhr statt. An diesem Tag werden nur drei Zeugen gehört. Am darauffolgenden Dienstag, den 27. August, ist ab 9.00 Uhr ein ganzer Prozesstag eingeplant.

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