Spezielle Bühne für einen spannenden Abenteuerroman

Lesedauer: 4 Min
 Bernd Wengert (links) verspricht als Kapitän Ahab Mitstreitern Golddukaten für seinen Kampf gegen den weißen Wal. Michael Morav
Bernd Wengert (links) verspricht als Kapitän Ahab Mitstreitern Golddukaten für seinen Kampf gegen den weißen Wal. Michael Moravek unterstreicht die Worte mit seiner Gitarre. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

In der Alten Kirche in Rulfingen haben am Samstagabend der Schauspieler Bernd Wengert und der Musiker Michael Moravek die Geschichte von Moby Dick mit ihrem Programm „November in my soul“ neu erzählt. Der spannende Abenteuerroman und sein Seemannsgarn wurden kunstvoll mit eigens dafür geschriebenen Balladen verknüpft und passten so verkleidet bestens in den außergewöhnlichen Veranstaltungsraum.

Martina Eisele begrüßte im Namen des Arbeitskreises Alte Kirche die Besucher in dem Kulturraum, der einerseits vom alten Glanz einer Kirche, andererseits von der heutigen Zeit erzählt. Die Geschichte von Moby Dick schien wie gemacht für diese spezielle Bühne. „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu“ wusste schon Heinrich Heine. Das gilt auch für Klassiker der Literatur. Als der amerikanische Schriftsteller Herman Melville im Jahr 1851 den Roman „Moby Dick" veröffentlichte, wurde die Kirche noch als solche genutzt.

Auch heute ist die Geschichte vom Kapitän, der bei seinem persönlichen Rachefeldzug gegen den weißen Wal „Mann und Maus“ mit in den Tod und die Unterwelt reißt, spannend und im gewissen Sinne hochaktuell.

Die Adaption des 900-Seiten-Romans ist bei dieser Umsetzung gewagt und doch gelungen. Bernd Wengert präsentiert die abenteuerliche Geschichte poetisch und dramatisch als Monolog. Die zehn Songs, die Michael Moravek für diese Inszenierung geschrieben hat, wirken wie ein retardierendes Moment, bestärken oder besänftigen das ungeheuerliche Geschehen.

Nur einer überlebt

Wengert ist am Anfang der Matrose Ismael: „Warum ich überlebt habe, weil es einen geben muss, der die ganze Geschichte erzählen kann.“ Dann nimmt er die Sitzkiste, die später zum rettenden Sarg wird, und stellt sie als Ambo auf, damit er in der Rolle des Priesters Mapple die Geschichte von „Jona und dem Wal“ predigen kann. Dann wieder kniet er auf das bereitstehende Knochenbein von Kapitän Ahab und verfolgt als Wahnsinniger den weißen Wal. Er schlüpft aber auch in Ahabs Gegenpart Starbuck, der als erster Steuermann vergeblich versucht, den drohenden Untergang im Namen der Menschlichkeit und Vernunft zu retten. Doch nur er als Erzähler Ismael wird im nicht benötigten Sarg seines Freundes überleben.

Im Song „what’s the allogory“ fragt Moravek danach, was diese Rettung im Sarg bedeutet. Seine Balladen greifen teilweise in die Geschichte. Immer wieder zupft oder klopft er zum dramatischen Geschehen des Erzählers Laute, die die Handlung unterstreichen. Im Gegenzug ergänzt der Schauspieler die von Moravek in englischer Sprache geschriebenen Lieder, die je nach Stimmung mit Gitarre oder Mandoline von ihm gespielt und gesungen werden.

Die Zuschauer dankten mit lang anhaltendem Applaus für das brillante Zusammenspiel und bestätigten eine Zuschauerin, die das Zwei-Mann-Stück zum zweiten Mal gesehen hat, und deshalb schon vorher Martina Eisele attestierte: „Es ist grandios.“

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen