Sozialverband VdK tritt für soziale Gerechtigkeit ein

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 Erika Allmaier berichtet aus der Geschichte des Ortsverbands.
Erika Allmaier berichtet aus der Geschichte des Ortsverbands. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Der Ortsverband Mengen des Sozialverbands VdK hat am Samstag im Restaurant Südsee 3 sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. Die Ortsverbands-Vorsitzende Erika Allmaier blickte auf die Anfänge zurück, während der stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende Franz Blumer in seiner Festrede erklärte, warum man den VdK auch heute noch brauche.

Zusammen mit Mitstreitern habe der doppelt beinamputierte Eugen Krieg im März 1949 den VdK-Ortsverband Mengen gegründet, berichtete Erika Allmaier. Ziel war es demnach, die Anliegen der Kriegsopfer vor den staatlichen Ämtern zu vertreten. „Neben der Hilfe für Kriegsopfer und Kriegshinterbliebene waren es hauptsächlich gesellige Veranstaltungen, die wieder etwas Ablenkung ins Nachkriegsgeschehen bringen sollten“, sagte Erika Allmaier. Große Ausflüge habe es gegeben, oftmals mit zwei Bussen sei man damals in den Schwarzwald oder ins Allgäu gefahren.

Erika Allmaier gedachte wichtigen Persönlichkeiten des Ortsverbandes. Eine davon: Alfred Nosch. Er wurde 1964 zum Vorsitzenden gewählt und blieb das 31 Jahre lang. Unter seiner Führung sei beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem Heimkehrer-Verband verstärkt worden. Auch habe er sich vor allem für die Kriegerwitwen eingesetzt. Ebenfalls gedacht wurde Hilda Bulander. Sie sei das Urgestein des VdK gewesen, so Allmaier über die im Dezember 2017 Verstorbene. Den Nachkommen von Nosch und Bulander überreichte Erika Allmaier stellvertretend ein Geschenk. Gedacht wurde auch Erika Allmaiers Ehemann Roland, der im vergangenen November gestorben ist. Er war beispielsweise für technische Angelegenheiten im Ortsverband zuständig. Eine prägende Gestalt im VdK ist Elmar Flaisch, der von 1997 bis 2011 Vorsitzender war, danach folgte ihm Erika Allmaier. Flaisch habe unter anderem viele schöne Ausflüge organisiert, bemerkte Erika Allmaier, und überreichte ihrem ebenfalls anwesenden Vorgänger ein Geschenk. Flaisch ist seit 2011 Ehrenvorsitzender.

Bei der Gründung 1949 waren es 26 Mitglieder, heute sind es laut Erika Allmaier fast 340 Mitglieder. An den Fahrten des Ortsverbands würden zwischen 51 und 63 Interessierte teilnehmen, und an den Veranstaltungen zwischen 80 und 150 Besucher.

Vor der Haustür beginnen

Der VdK wurde bundesweit einst gegründet als Verband für Kriegsbeschädigte, diesen Namen führt der VdK nicht mehr, er nennt sich Sozialverband VdK. Heute trete der VdK für Rentner, Pensionäre, chronisch Kranke, alte, alleinstehende und behinderte Menschen und Sozialhilfeempfänger ein, sagte Allmaier. Der VdK unterstützt seine Mitglieder bei Anträgen für Sozialleistungen gegenüber staatlichen Stellen, wie der stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende Franz Blumer ergänzte. Besonders wichtig ist dem Verband dabei das Thema soziale Gerechtigkeit. „Soziale Gerechtigkeit beginnt im persönlichen Umfeld, vor der eigenen Haustür“, sagte er.

Aktuell gebe es zwei Sichtweisen von Deutschland: Die eine Sicht sage, die Wirtschaft brummt, die Massenarbeitslosigkeit ist besiegt, die Sozialkassen haben Überschüsse. Die andere Seite sei, dass 350 000 Renten regelmäßig zur Suppenküche gingen, 1,6 Millionen Kinder in Hartz-IV-Haushalten lebten, künftigen Rentnern Altersarmut drohe. „Prekäre Beschäftigung war noch nie so verbreitet“, sagte Blumer weiter. Auch das Vermögen in Deutschland sei ungleich verteilt. Beide Sichtweisen über Deutschland müssten zusammen betrachtet werden, so Blumer.

Grußworte sprachen Bürgermeister Stefan Bubeck, die evangelische Pfarrerin Heidrun Stocker und der katholische Pfarrer im Ruhestand Heinz Leuze. „Ein Beisammensein und sich gegenseitig helfen, ist die schönste Form von Nächstenliebe“, sagte Heinz Leuze. Der stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbands Albert Gröber las die Kriegserinnerungen von Eugen Kugler vor. Diese handelten unter anderem von einem Rückzug bei minus 42 Grad Celsius an der Ostfront.

Das Saxofonensemble der Musikschule Mengen unter der Leitung von Erwin Welte und das Gitarren-ensemble unter der Leitung von Fermin Abanto unterhielten die Mitglieder und Gäste musikalisch.

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