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Für die 125 Schüler, die aktuell das St. Anthony Technical and Business Institute in Katende in Uganda besuchen, haben die Weihnachtsferien bereits begonnen. „Die meisten feiern mit ihrer Großfamilie“, weiß Emmanuel Treiber aus Laupheim, der ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Berufsschule absolviert. Während der Kirchenbesuch zum Fest obligatorisch sei, hätten nicht alle eine Weihnachtsbaum daheim. 

Neuer Pfarrer für Schule zuständig

Treiber ist aktuell ein wichtiger Ansprechpartner für die Mitglieder des Weltkreises der katholischen Liebfrauengemeinde. Vor allem, seit die Nachricht Mengen erreicht hat, dass Pfarrer Robert Galiwango ein Sabbatjahr angetreten ist, das er wohl in Deutschland verbringen wird, und deshalb nicht mehr für die Schule zuständig ist.

„Das kam für uns sehr überraschend“, sagt Edwin Lerch vom Weltkreis. „Bei seinem Besuch in Mengen im September hatte Pfarrer Galiwango diese Thematik gar nicht angesprochen.“ Erst durch eine schriftliche Nachfrage sei der Weltkreis darüber informiert worden, dass ein anderer Pfarrer, Arthur Richard Muwonge, die Nachfolge von Galiwango angetreten habe und auch als Ansprechpartner für Spendenprojekte und Informationsaustausch zur Verfügung stünde.

„Wir haben uns das offiziell von der Diözese bestätigen lassen und ein paar Mails ausgetauscht“, sagt Lerch. Der neue Pfarrer mache einen sehr motivierten und kooperativen Eindruck, weshalb der Weltkreis hoffe, das die gute Zusammenarbeit weitergehe. Ein wenig Zeit, sich einzuarbeiten, müsse man dem Pfarrer aber geben.

Weil manches in deutscher Sprache einfacher zu klären ist, schätzen die Mengener auch den Kontakt zu Emmanuel Treiber. „Der ist jetzt auch in ein mit einem Schulrat vergleichbaren Gremium aufgenommen worden und kann aus erster Hand erzählen, welche Themen gerade wichtig sind“, so Lerch. Treiber hat auch für die „Schwäbische Zeitung“ die drei Schüler befragt, die auf dieser Seite zu Wort kommen.

Werkstattgebäude soll erweitert werden

Spenden aus der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ sollen in einen weiteren Bauabschnitt für das neue Werkstattgebäude fließen. „Der zu investierende Restbetrag liegt bei rund 24 000 Euro, das müssen wir einfach in Abschnitte aufteilen“, so Lerch. Er kann aber auch davon berichten, dass ein Sponsor das Schulgeld für zwei weitere Schüler übernimmt, sodass derzeit drei solcher Patenschaften bestehen. Das Schuljahr kostet für einen Internatsschüler 350 Euro.

Dass die Schule Spenden aus Deutschland erhält, kommt bei den Schülern natürlich gut an. Der 14-jährige John Fisher Niwabine fragt sich aber auch, ob die Spender nicht selbst hart für das Geld arbeiten mussten. Außerdem fände er es fairer, wenn nicht einzelne Schüler das Schulgeld finanziert bekämen, sondern alle ein bisschen gefördert würden.

16-Jährige wird zur Friseurin ausgebildet

Fiona Namakuna ist 16 Jahre alt und kommt aus Kitemu, einem Vorort von Ugandas Hauptstadt Kampala. Sie ist die Älteste von zwei Kindern in der Familie. Fiona ist im ersten Lehrjahr als Friseurin. Sie lernt, Haare zu schneiden und Haare mit Extensions zu verlängern. Aber auch, wie ein richtiges Make-Up gemacht wird, gehört zur Ausbildung. „Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für den Beruf“, erzählt sie.

John Fisher Niwabine ist von Autos fasziniert.
John Fisher Niwabine ist von Autos fasziniert. (Foto: Fotos: Emmanuel Treiber)

Am besten gefällt es ihr, Frauen Extensions zu machen. Am Unterricht mag sie, dass es neben praktischen Teilen auch Theorie gibt. Leider seien die Lehrer manchmal etwas unzuverlässig und manchmal stören Stromausfälle den Unterricht. Nach Abschluss ihrer Ausbildung möchte Fiona als Angestellte in einem Friseursalon in der Hauptstadt arbeiten. Dort hätte sie weniger Verantwortung als wenn sie einen eigenen Salon öffnen würde.

14-Jähriger träumt von KfZ-Betrieb

John Fisher Niwabine ist 14 Jahre alt und weiß ganz genau, was er will: eine eigene Autowerkstatt mit vielen Angestellten in Kampala. Er ist im ersten Lehrjahr der Ausbildung zum KFZ-Mechaniker. Autos haben ihn schon immer fasziniert.

 Mildred Drania lernt in der Schule Kochen und Backen.
Mildred Drania lernt in der Schule Kochen und Backen. (Foto: Emmanuel Treiber)

Eigentlich kommt er aus Kabale im Grenzgebiet Ugandas zum Kongo und zu Ruanda. Er hat sieben Geschwister. Von der Zentralregion in der Nähe der Hauptstadt verspricht sich John eine bessere Bildung, weshalb er nach der Grundschule ans St. Anthony Technical and Business Institute gekommen ist. Im Unterricht weiß er vor allem das Praxisorientierte zu schätzen. „Wir haben viele Werkzeuge, mit denen wir arbeiten können“, sagt er. „Die Autos funktionieren aber zu Teil nicht richtig, weil wir nur die ausrangierten oder nicht mehr fahrtüchtigen für unsere Ausbildung bekommen.“

Stromausfälle frustrieren Köche

Eine Ausbildung im Bereich Catering macht Mildred Drania. Die 19-Jährige kommt aus Kampala und hat sieben Geschwister. Ihr Wunsch ist es, später einmal ein eigenes Restaurant zu haben. „Angestellte möchte ich keine, dann habe ich alles selbst in der Hand“, sagt sie.

Ausgesucht hat sie sich die Ausbildung, bei der sie sich im ersten Lehrjahr befindet, weil ihr diese Dinge leicht fallen. „Sie sind gut anwendbar und werden immer gebraucht.“ Gerade lernt sie, Kuchen zu backen und French Toast, Chapati (Fladenbrot) und Samosa (gefüllte Teigtaschen) herzustellen. Die Produkte, die ihre Klasse herstellt, werden auch verkauft. „Damit verdienen wir Geld für die Zutaten“, sagt sie. Das klappe aber nicht immer. Wenn Zutaten oder Material fehlen, sei das schon frustrierend. Genauso wie die Stromausfälle, die es öfters gibt.

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