„Segen können Menschen nicht erzwingen“

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Zwei Ministranten führen die Öschprozession an, dahinter Dekan Benedikt Kurt Susak und die pilgernde Gemeinde.
Zwei Ministranten führen die Öschprozession an, dahinter Dekan Benedikt Kurt Susak und die pilgernde Gemeinde. (Foto: bay)

„Buße, Reue, Umkehr - Gott nimmt uns ernst.“ Das war die zentrale Botschaft beim Ulrika-Fest des Davoser Dekans Benedikt Kurt Susak vor 400 Gläubigen aus der ganzen Region am Dienstagabend an der Bruder-Klaus-Kapelle. Dynamisch und klar, mit eingestreuten Redewendungen und Weisheiten, ab und an auch in breitem Schwäbisch, trat der in Bad Wurzach aufgewachsene Dekan vor die versammelte Gemeinde und überzeugte unter freiem Himmel durch eine kraftvolle Auslegung des Predigttextes „Jesus im Gespräch mit seinen Jüngern“ im Evangelium nach Johannes, 16. Kapitel.

Musikalisch umrahmt wurden die Feierlichkeiten von den drei Akkordeonspielern Josef Kugler, Eugen Neher und Josef Röck. Die festliche Einleitung bei der Eucharistiefeier „Gegrüßt seist du, Maria“, sang das Duo Helga und Alfred Brugger. Nach dem Eingangslied „Halleluja, lasst uns singen - Jesus lebt!“ ging Dekan Susak auf die aktuelle Situation vieler Christen ein. „Viele gehen eben einmal im Jahr in die Kirche, das ist am Heiligen Abend. Und heute Abend hocken die meisten auf dem Sofa“, sagte er. Viele Menschen würden vor allem unter den eigenen, teils hausgemachten Problemen leiden. Der Mensch könne fast alles, aber Segen könne er nicht erzwingen. Wenn Gott das fünfte Rad am Wagen sei, dann stimme etwas nicht. Es sei daher durchaus hilfreich, sich an den Vorbildern im Glauben, den Heiligen, zu orientieren.

Haben Gebete Tiefgang?

Am 8. Mai, dem Gedenktag der Seligen Ulrika von Hegne (bürgerlich Ulrike Nisch, geboren 1882 in Mittelbiberach, gestorben 1913 im Kloster Hegne) werde die Erinnerung wach an eine Ordensschwester, deren Ausstrahlung und Wirken vielen Menschen Erbauung und Hilfe ist. Der 8. Mai erinnere selbstverständlich auch an das Ende des Zweiten Weltkriegs. In seiner Festpredigt beschäftigte sich Dekan Susak zuerst mit der Frage: Um was bitten Menschen eigentlich Gott im Gebet, geht es nur um Oberflächlichkeiten wie Familie, Kinder und Enkel, um Geld oder um Gesundheit, oder haben die Gebete auch Tiefgang? Alternativ sollten Menschen doch auch im Glauben wachsen und daher Gott um die Stärkung ihres Seelenlebens bitten. „Gott nimmt uns ernst.“

Grundsätzlich falsch sei es, wenn Menschen zu Gott eine Art Angstbeziehung aufbauen, vielmehr sollte es eine Liebesbeziehung sein. Glauben die Menschen denn ernsthaft? Diese Frage müssten sie sich stellen. Den Schritt zur Umkehr immer wieder neu wagen – einen Schritt, den jeder persönlich tun müsse – einen Weg der Erkenntnis, der Buße und der Reue, zeige die richte Richtung an. Immer wieder stehe die Frage im Raum: Auf was kommt es im Leben wirklich an? Da viele Menschen mit Schuld auf der einen Seite einfach nicht fertig würden, strecke auf der anderen Seite Gott seine Hand aus und wolle auch heute noch mit ihnen Kontakt aufnehmen und spreche zu ihnen: „In der Welt habt ihr Angst, aber ich habe die Welt überwunden.“ Und: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich bin bei und mit euch.“ Zudem rief Dekan Benedikt Kurt Susak zu mehr Miteinander unter den Christen auf dem Weg zu Gott auf. Nach dem „Amen“ brauste starker Beifall auf.

Nach der Eucharistiefeier und den Fürbitten dankte Initiator Josef Kugler dem Dekan für sein Kommen, und vor allem für das gleichzeitige, gelungene Festgeschehen Ulrikafest, Marienandacht und Eucharistie. Wer mit Gott gehe, werde das Schöne und Positive im Leben erkennen. Mit dem Lied „Leise sinkt der Abend nieder“ erreichte die religiöse Atmosphäre am Waldrand an der Bruder-Klaus-Kapelle ihren Höhepunkt.

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